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Basketball : Münchner Meister der Möglichkeiten

Prominenter Zugang: John Bryant im Bayern-Trikot Bild: Christina Pahnke / sampics

Wehe, wenn Bayern München klingelt: Neun Spieler hat der Basketballkrösus der Konkurrenz abgeluchst. Jetzt muss in der am Donnerstag mit dem Spiel in Bonn beginnenden Bundesligasaison der Titel her.

          3 Min.

          Am Mittwoch der vergangenen Woche gab es Besuch für Pep Guardiola. Svetislav Pesic schaute vorbei: Bayern-Trainer besucht Bayern-Trainer. Beide mussten sich endlich mal kennenlernen. Schließlich haben sie seit langem eine Gemeinsamkeit: einen Triple-Sieg mit dem FC Barcelona. Pesic holte ihn mit den Basketballern 2003, Guardiola mit den Fußballern 2009. Im Gespräch in Guardiolas Büro an der Säbener Straße fanden Fußballfan Pesic und Basketballfan Guardiola, der schon „als kleiner Junge jedes Wochenende in der Halle“ war, auch inhaltlich eine Wellenlänge. Zum Beispiel hat man in dem, was „Umkehrspiel“ im Fußballdeutschen heißt und „transition“ in der Basketballsprache, laut Pesic „die gleiche Meinung: Wenn du den Ball verlierst, musst du zurückfliegen“.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Flugs stattete Guardiola schon einen Tag später seinen Gegenbesuch ab. An der Seite seiner Frau, seines Präsidenten Uli Hoeneß, seines Assistenten Hermann Gerland und seines Spielmachers Bastian Schweinsteiger sah Guardiola seinen alten Klub gegen seinen neuen siegen. Und den Kollegen Pesic an der Außenlinie zetern. Barcelona, eine der besten Mannschaften Europas, beließ es im Spitzenspiel der Saisonvorbereitung nach überlegener Partie und 17-Punkte-Vorsprung fünf Minuten vor Ende bei einem gemächlichen Austraben. Sie erlaubten damit den Bayern mit dem 78:85 noch ein passables Resultat.

          Nur vier übrig

          „Wir haben bisher kaum richtig arbeiten können“, klagt Pesic über den durch EM und Verletzungen gehemmten Saisonaufbau des völlig neu gebauten Teams. „Aber wir werden die Spiele gewinnen, wenn es wichtig ist.“ Aus dem Kader, den er im November übernahm, sind nur vier übrig, die deutschen Nationalspieler Steffen Hamann, Demond Green, Robin Benzing und der Amerikaner Chevon Troutman. Dafür wurden im Sommer gleich neun Neue geholt. Sich selbst kennt die Mannschaft noch gar nicht richtig, sie kennt aber schon die Erwartungen beim FC Bayern. Weniger als die Meisterschaft würde im vierten Jahr des Münchner Basketballprojekts als Misserfolg gelten.

          Münchner Macher: Trainer Svetislav Pesic (r.) und Sohn Marko, Basketball-Sportdirektor bei den Bayern
          Münchner Macher: Trainer Svetislav Pesic (r.) und Sohn Marko, Basketball-Sportdirektor bei den Bayern : Bild: dpa

          „Wir haben Spieler, die wissen, wie man Titel gewinnt“, sagt Nihad Djedovic, einer von vier Profis, die von Alba Berlin kamen. Auch wenn in Wirklichkeit nur vier der 13 Bayern-Profis schon einmal Landesmeister waren, wird von Donnerstag (15.45 Uhr/ live in Sport 1) an, wenn die Bayern in Bonn in die Bundesliga starten, spätestens aber beim ersten Heimspiel am Sonntag gegen Bamberg die Frage der Saison lauten: Kann jemand die Münchner in Schach halten? Jedenfalls sportlich in Schach halten. Finanziell ist das nach Darstellung der Konkurrenz aus Berlin oder Bamberg nicht mehr möglich, will man sich nicht selbst schachmatt setzen.

          Noch in dieser Woche schnappten die Bayern den Bambergern den Serben Boris Savovic weg. Er sollte schon einen Vertrag beim Meister unterschrieben haben, entschied sich dann aber für den Meister der Möglichkeiten. Von „Beträgen, die es in Basketball-Deutschland so noch nicht gab“, sprach vor einigen Wochen Axel Schweitzer, der Aufsichtsratsvorsitzende von Alba.

          „Der FC Bayern ist eine andere Liga“

          Für Topspieler der Bundesliga wie Spielmacher Heiko Schaffartzik, der aus einem laufenden Vertrag in Berlin herausgekauft wurde, gab es zuletzt kaum ein Halten, wenn die Bayern anklingelten - auch nicht für den aus Ulm gekommenen Center John Bryant, den „wertvollsten Spieler“ der beiden letzten Liga-Spielzeiten. Der amerikanische Hüne brachte allerdings aus der Sommerpause in der Heimat sichtbar mehr Gewicht mit nach München als die offiziell angegebenen 127 Kilo. Mit seiner aktuellen Obelix-Figur fehlte ihm gegen Barcelona im Vergleich zu den austrainierten Gegenspielern unter dem Korb die nötige Leichtigkeit. So holten die Bayern 15 Rebounds weniger als der Gegner, ein Klassenunterschied.

          Deutlich besser in Schuss war, obwohl noch keine zwei Wochen beim neuen Team, der dynamische Djedovic. Auch er hatte keinen Gedanken mehr an ein Bleiben in Berlin verschwendet, als München rief. „Der FC Bayern ist eine andere Liga“, sagt der Bosnier, der die ersten sieben Lebensjahre in München verbrachte. „Als ich von Bayern München hörte, wollte ich nur noch hierhin. Das ist für mich wie die NBA“ - die Profiliga in Amerika, dem gelobten Land des Basketballs.

          Djedovic passt perfekt in die Mischung aus aggressiver Verteidigung und schnellem Zug zum Korb, für jenes „intensive Spiel“, das Pesic trotz der Extra-Belastung durch die Euro League (mindestens zehn, maximal 31 Partien zusätzlich zur Bundesliga) auch in dieser Saison sehen will - allerdings gepaart mit einer klugen Ökonomie der Kräfte. „Wir brauchen Intelligenz“, sagt Pesic. „Man kann nicht durch die Wand gehen.“ Das kann nicht mal Pep.

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