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Basketball-Ligachef Holz : „Unsere Konkurrenz ist die dritte Fußball-Liga“

  • -Aktualisiert am

Eine Seltenheit: Daniel Theis (Brose Baskets Bamberg) und Danilo Barthel (Fraport Skyliners Frankfurt) gehören zur Spezies deutscher Leistungsträger in der Basketball-Bundesliga Bild: Jan Huebner

BBL-Geschäftsführer Stefan Holz will die Basketball-Bundesliga voranbringen. Im Interview spricht er über Vergleichsgrößen im Fußball und die europäischen Gedankenspiele der Top-Klubs.

          5 Min.

          Stefan Holz ist seit 1. September Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL). Sein Vorgänger Jan Pommer hatte die BBL im Sommer nach zehn Jahren verlassen. Als Holz’ Steckenpferd gilt die Vermarktung. Der 48-Jährige arbeitete in den vergangenen Jahren als Selbständiger mit mehreren Beratungsfirmen, davor war er als Geschäftsführer für das Unternehmen „Dolce Media“ tätig. Es gehörte dem Bruder von Fernsehmoderator Thomas Gottschalk, Christoph, und geriet im Zusammenhang mit dem Verkauf von Schleichwerbung in der TV-Sendung „Wetten, dass ...“ in die Schlagzeilen.

          Sie haben erklärt, dass Sie das Ziel Ihres Vorgängers Jan Pommer verfolgen wollen, bis 2020 zur besten nationalen Liga Europas zu werden. Was heißt das für Sie, „beste Liga Europas“?

          Grundsätzlich ist das erst einmal nicht die Vision von Jan Pommer, sondern das verabschiedete Ziel der gesamten Liga. Es ist nicht näher spezifiziert, aber es hat zwei Facetten: Wir reden über TV-Reichweiten, Zuschauerzahlen, natürlich auch über Budgets. Das alles ist aber nichts ohne den sportlichen Erfolg, der ist die andere - mindestens gleichwertige - Seite der Medaille: Natürlich sollte es gelingen, dass BBL-Klubs regelmäßig in die Reichweite des Final Four der Euroleague gelangen und vielleicht auch mal in ein Finale vorstoßen.

          Die BBL hat sich in den vergangenen Jahren durchaus positiv entwickelt. Aber bis zu diesem Ziel ist es noch ein weiter Weg, oder?

          Grundsätzlich sind wir auf einem guten Weg: Zuletzt hat Bamberg den Euroleague-Sieger 2014 (Anm.: Maccabi Tel Aviv, 77:66, d. Red.) geschlagen, und Bayern München hat den Euroleague-Sieger 2015 (Real Madrid, 99:101) auswärts an den Rand einer Niederlage gebracht. Beide Euroleague-Vertreter haben eine gute Ausgangssituation, in die nächste Runde einzuziehen - das gab es so noch nicht. Auch im Eurocup sind die meisten deutschen Teams gut unterwegs. Gleichwohl ist natürlich noch etwas zu tun: Die spanische Liga ACB ist der Benchmark, wenn Sie sehen, dass die ACB in ganz anderem Rahmen im Free-TV stattfindet, dass das durchschnittliche Budget der Vereine etwa bei sieben bis acht Millionen liegt, während unsere Klubs im Durchschnitt bei etwas mehr als fünf Millionen liegen. Aber wir holen mächtig auf, während andere Ligen stagnieren oder die Budgets dort sinken.

          BBL-Chef Holz: „Ich verstehe die Aufgeregtheit der letzten Woche offen gestanden nicht ganz“
          BBL-Chef Holz: „Ich verstehe die Aufgeregtheit der letzten Woche offen gestanden nicht ganz“ : Bild: dpa

          Die elf fixen Teilnehmer der Euroleague, die sogenannten A-Lizenz-Inhaber, haben ein neues Format für die kommende Saison vorgestellt: Die Teilnehmerzahl wird von 24 auf 16 Teams reduziert, wohl nur noch ein deutscher Vertreter ist dabei statt wie bisher zwei. Zudem ist ein Ligabetrieb mit allein 30 Vorrundenspielen pro Verein vorgesehen. Was bedeutet das für die BBL?

          Ich verstehe die Aufgeregtheit der letzten Woche offen gestanden nicht ganz. Denn die Pläne der Fiba für eine Champions League, die uns vorgestellt wurden, gehen in die gleiche Richtung: Eine 16er-Liga mit acht fixen Plätzen - so ein Modus wird also möglicherweise auf uns zukommen. Klar ist auch: Eine europäische Liga mit 30 Spieltagen ist eine extreme Belastung und auch Schwächung der funktionierenden nationalen Ligen wie der BBL, zusätzlich kommen bald noch die von der Fiba geplanten Fenster für Länderspiele während der Saison hinzu. Wir müssen schauen, ob das alles noch in unsere Spielpläne passt.

          Vertreter der Spitzenteams fordern schon länger eine Reduzierung der BBL auf zum Beispiel 16 Mannschaften. Eine gute Idee?

          Die Frage wird sich in der Tat stellen. Wenn ein deutscher Verein oder vielleicht noch ein zweiter an der Euroleague respektive Champions League mit 30 Spielen plus gegebenenfalls Play-offs teilnimmt und ein großer Teil der anderen Spitzenvereine am Eurocup, der vielleicht nach dem heutigen Euroleague-Format ausgetragen wird - dann fliegt uns der Spielplan spätestens mit den Nationalmannschafts-Fenstern ab 2017 um die Ohren. Dann geht es nicht mehr mit 18 Vereinen, denn der Pokal und unser Allstar-Game stehen nicht zur Disposition.

          Sie haben auch gesagt, dass die BBL deutsche Gesichter braucht. In den von Ihnen angeführten Euroleague-Partien von Bamberg und München vereinten für die deutsche Nationalmannschaft spielberechtigte Spieler 22 beziehungsweise 16 Prozent der Spielzeit auf sich. Ist das genug?

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