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Basketball-Kommentar : Ochsentour statt Nowitzki

  • -Aktualisiert am

Der Weg in eine erfolgreiche Zukunft ist holprig Bild: dpa

Den deutschen Basketballer fehlt es angeblich nicht an Spirit, sondern nur an Erfahrung. Daher käme die Ochsentour EM-Qualifikation gerade recht. Auf Stars wie Nowitzki und Kaman sollte man dabei konsequenterweise verzichten.

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          Die Zukunft des deutschen Basketballs braucht Zeit. Der Bundestrainer beharrt darauf, dass seine Mannschaft in der Vorrunde der Europameisterschaft gut gespielt habe. Sein Zeugnis setzt die Spieler dem Verdacht aus, sie seien überbehütet, denn es basiert auf Wurfquoten und Spielanlage. Jedoch: Die jungen Deutschen sind trotz des Coups gegen die Franzosen ausgeschieden und werden nach dem versöhnlichen Abschluss gegen Israel an diesem Dienstag von Slowenien aus nach Hause fliegen.

          Für die zwölf besten Teams dagegen beginnen die Titelkämpfe. Sollte die Nationalmannschaft nicht aus sportpolitischen Gründen eine Wild Card erhalten, eine sportlich unverdiente Einladung zur Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Spanien, werden ihre jungen Spieler weiter an ihrer Entwicklung arbeiten können: bei der Qualifikation zur EM 2015. Sie werden versuchen müssen, das Schema von gutem Start und krassem Einbruch zu überwinden, wie es sich in ihren Spielen gegen Belgien, die Ukraine und Großbritannien zeigte - allesamt keine Großmächte des Basketballs.

          Vor allem aber werden sie im Gegensatz zu diesem Jahr nicht vorab dafür entschuldigt sein, dass sie Spiele verlieren, wenn sie nur den Ball gefällig bewegen. Denn woher sollte sonst der Wille kommen, ein Spiel umzubiegen? Fleiß und Strebsamkeit mögen gute Voraussetzungen für eine sportliche Karriere sein. Sieger wird man nur, wenn man im entscheidenden Moment zugreift.

          Da sich der Bundestrainer überzeugt gibt, dass es seinen Spielern nicht an Spirit, sondern lediglich an Erfahrung fehle, käme die Ochsentour EM-Qualifikation gerade recht. Dort bekommen die jungen Spieler Zeit, Einsatzzeit. Der junge Vater Dirk Nowitzki dürfte Besseres vorhaben, als in den Sommerferien von den Dallas Mavericks mit dem Basketball-Nachwuchs durch die Provinz zu tingeln.

          Auf Nowitzki und Kaman konsequenterweise verzichten

          Sollte das Wort von der konsequenten Entwicklung der nächsten Generation deutscher Basketballspieler ernst gemeint sein - und dafür sprechen die Erfolge der deutschen Nachwuchsmannschaften und die Präsenz von dreißig deutschen Spielern in der amerikanischen College-Liga - werden mit Heiko Schaffartzik und Tibor Pleiß, Robin Benzing und Niels Giffey bald auch Dennis Schröder und Elias Harris spielen, die sich in diesem Jahr lieber auf ihre ersten Einsätze in der NBA vorbereiteten, als sich in der Nationalmannschaft mit den, nun ja, Zweitbesten Europas zu messen.

          Auf Stars wie Nowitzki und den amerikanischen Profi Chris Kaman muss ein solches Entwicklungsprojekt konsequenterweise verzichten. Die Olympiaqualifikation mit den beiden NBA-Stars bei der EM 2011 in Litauen misslang, die Entwicklung einiger junger Spieler stagnierte. Sie konnten nicht aus dem Schatten der beiden Riesen treten. So paradox es klingt: Sollte der Basketball-Bund das Experiment bei der Europameisterschaft 2015 wiederholen wollen, sollte er so lange wie möglich auf Nowitzki verzichten. Für die Perspektive Rio 2016 braucht dieser nämlich ein Team, das nicht nur schön mitspielt. Sondern auch Siegeswillen trainiert hat.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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