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Basketball-Kommentar : Ein Geschenk

Mission gescheitert - Vorbildfunktion erfüllt: Kaman und Nowitzki (r.) Bild: dapd

Die Basketball-Nationalmannschaft bekam in Person von Nowitzki und Kaman einen Maßstab für Professionalität. Die deutschen Spieler hatten bei der EM ein Privileg.

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          Mission Olympia ist gescheitert. „One more summer“, wie sie sich vorgenommen hatten, werden Dirk Nowitzki und die Basketball-Nationalmannschaft im nächsten Jahr in London nicht haben. Nowitzki wird – er sagt: bis auf weiteres – der Nationalmannschaft nicht mehr zur Verfügung stehen, ebenso Chris Kaman, Nowitzkis deutschstämmige Entdeckung in der NBA. War die Aufregung um den vielleicht besten Spieler der Welt übertrieben? Hat Dirk Nowitzki, wie der serbische Trainer Dusan Ivkovic behauptete, die Chemie einer aufstrebenden Mannschaft verdorben? Schadete seine Teilnahme mehr als sie nützte?

          Diese Theorie war nicht nur psychologische Kriegsführung, wie Bundestrainer Bauermann behauptete. Ivkovic, einer der erfolgreichsten Trainer des Kontinents, hat sein Team neu ausgerichtet und dafür einige Veteranen hinausgeworfen. Doch selbst er würde, wäre er an Bauermanns Stelle gewesen, dem herausragenden Spieler der NBA keinen Korb gegeben haben, als dieser nach der erfolgreichsten Saison seines Lebens, auf dem Höhepunkt seiner Karriere anbot, zur EM zu fahren.

          Nowitzki war überzeugt, dass er sein dreizehntes Jahr in der NBA, die 111 Spiele bis zur Meisterschaft mit den Dallas Mavericks und die ausführlichen Feierlichkeiten aus den Knochen würde schütteln können. In Litauen zeigte sich, dass er sich getäuscht hatte und die Meisterschaftssaison selbst an einem Spieler dieser Klasse nicht spurlos vorüber gegangen war. Gewiss, er war es, der im Spiel gegen Serbien mit einem Kraftakt die Chance auf den Sieg eröffnete – den einen Erfolg, der letzten Endes zum Erreichen der vielversprechenden Ko-Runde fehlte. Und es war nicht er, der diesen Erfolg verspielte.

          Vorbild auch in Abwesenheit

          Manche Spieler, die in den zwei Spielzeiten ohne Nowitzki die Führung übernommen hatten, fanden keinen Platz mehr im Team 2011. Doch zu erleben, wie Nowitzki seine Aufgabe anging, mitzutun, als er ein Turnier gewinnen wollte, das war mehr als Anschauungsunterricht für die jungen Spieler. Die ganze Mannschaft konnte und musste ihr Engagement an dem eines Idols messen; in Person von Nowitzki und Kaman bekam sie einen Maßstab für Professionalität. Am deutlichsten profitierten davon Robin Benzing und Heiko Schaffartzik.

          Nowitzki wird als Vorbild auch in seiner Abwesenheit wirken. Wie er nicht erst, als in der Partie gegen Litauen verloren war, sondern schon nach der Niederlage gegen Serbien, die Schuld auf sich nahm; nicht großspurig, sondern im vollen Bewusstsein, dass er das Scheinwerferlicht und die Schlagzeilen in dieser Situation von allen anderen weg auf sich ziehen muss. Mehr als jeder andere hatten die deutschen Nationalspieler das Privileg, zu erleben, dass man vielleicht übermenschlich trainieren muss, um, manchmal, zu treffen wie nicht von dieser Welt. Und dass menschliche Größe weit über diese Dimension hinaus geht. Nowitzkis EM-Teilnahme war ein Geschenk.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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