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Basketball : Kampfzone der Kolosse

Harte Bandagen: In der NBA geht es noch härter zu als in Deutschland Bild: REUTERS

Auch das angeblich körperlose Spiel kennt den Körperkontakt: Beim Rebound geht es im Basketball zur Sache. Wer sich unter den Korb wagt der sollte groß, hart und angstfrei sein.

          „Rebound: Gesicherter Abpraller von Korb oder Brett.“ So eine knappe Definition. Der Rebound ist aber mehr als das. Er ist so etwas wie das Herz des Basketballs - es schlägt im vehementen Aufwärtsstreben der großen Spieler unter dem Korb, prägt pochend die Dynamik im Kampf um den freien Ball unmittelbar vor dem Brett und bestimmt in harter, rasender Frequenz den Alltag in der Zone. Dort regieren die Kolosse unter den Basketballprofis. Kamil Novak, der Sportdirektor des Bundesligaklubs Frankfurt Skyliners, spricht respektvoll von „Gladiatoren“. Denn: „Die Jungs wiegen alle von 105 Kilogramm aufwärts und laufen die hundert Meter trotzdem schneller als zwölf Sekunden.“

          Novak, einst tschechischer Nationalspieler, weiß, wovon er redet. Er spielte auf den Positionen vier und fünf, also entweder als Power Forward mit Zug zum Korb, oder eben als Center unmittelbar darunter. Er kennt die besonders hart umkämpfte Kampfzone dieses Sports genau.

          „Unter dem Korb ist es am schönsten“, sagt Novak und meint dies kein bisschen ironisch. Dabei ist das, was sich da im Wettstreit um den Ball abspielt, oft alles andere als eine Wellnessübung mit anschließender Wohlfühlgarantie - eher eine Garantie für blaue Flecken und Blessuren. Denn um im Fight um den Rebound bestehen zu können, muss man neben den körperlichen Voraussetzungen auch noch anderes mitbringen: Härte. Gegen sich selbst und natürlich auch gegenüber den Spielern im anderen Trikot. „Man kann diese Härte trainieren“, sagt Novak. „Wenn dich dann ein erfahrener 120-Kilo-Mann ein paar Mal auf den Boden geschickt hat, dann weiß du, wo es langgeht.“

          Kampf um den Ball: Chris Moss (l.) ist der Frankfurter Experte

          Ein Mann, von dem sich die Skyliners Härte im Kampf um den Rebound versprechen, ist Chris Moss. Der 30 Jahre alte Neuzugang wirkt zwar nicht sonderlich hünenhaft, aber die Zahlen sprechen für sich: 2,04 Meter groß, 109 Kilogramm schwer und dennoch schnell, wendig und mit viel Explosivkraft. Schon im ersten Spiel für die Skyliners, als Frankfurt vor etwas mehr als einer Woche den SSV Ulm bezwang, steuerte er neun Punkte zum Erfolg bei. Was mindestens genauso wichtig war: Moss fing zehn Rebounds. Dies katapultierte ihn auf Anhieb auf Platz zwei hinter dem Top-Rebounder der Bundesliga, John Bryant.

          Rund elf Abpraller fängt der für Ulm spielende Amerikaner durchschnittlich. Der 2,11 Meter große 135-Kilo-Athlet besitzt einen weiteren Vorzug: Er ist ein zuverlässiger Punktelieferant und erzielt durchschnittlich rund 15 Punkte pro Spiel. Dass er gegen die Skyliners nur auf neun kam, war auch das Verdienst des Neuen unter dem Korb der Hessen: Chris Moss. Dabei ist der Amerikaner noch ein Stückchen weg von seiner Idealform. „Ihm fehlt noch die Spielkondition“, sagte der Frankfurter Cheftrainer Gordon Herbert, als Moss ziemlich erschöpft, aber zufrieden als Sieger aus seiner Premierenvorstellung für die Skyliners ging.

          Guter Rebound dank Kickboxen

          Keine Frage: Moss könnte der harte Junge sein, den der Coach gesucht hat. „Es gibt Spieler, die sind von Natur aus hart“, sagt Moss, und man hört, dass er sich wohl eher zu den anderen zählt. Er wirkt außerhalb des Platzes zurückhaltend und bescheiden. Auf dem Parkett aber muss er ein anderer sein. „Man trägt es im Herzen“, sagte er. Eine Einheit hat er gerade hinter sich. Das eineinhalb Stunden zuvor noch hellgraue T-Shirt ist vom Schweiß der Anstrengung gleichmäßig dunkel. „Man braucht auf jeden Fall diese mentale Härte: nicht aufzugeben, alles zu versuchen, trotzdem weiterzumachen“, sagt Moss.

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