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Basketball in Amerika : Carmelo Anthony arbeitet an seinem Denkmal

  • -Aktualisiert am

Das Leben in den Playoffs kann herrlich sein: Carmelo Anthony von den Denver Nuggets Bild: AFP

Noch eine Niederlage, dann sind die Mavericks und Dirk Nowitzki in den NBA-Playoffs ausgeschieden. In Spiel drei siegte Denver mit 105:106. Überragender Mann für die Nuggets war Carmelo Anthony - mit Hilfe des Schiedsrichters.

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          Seit dem vergangenen Herbst arbeiten Menschen und Maschinen auf dem Gelände der Universität Syracuse daran, einem ehemaligen Studenten ein ziemlich großes Denkmal zu setzen. Es handelt sich um einen modernen Sportkomplex, in dem junge Basketballspieler beim Training daran erinnert werden, in wessen Fußstapfen sie hier treten.

          In die von Carmelo Anthony, genannt Melo, der aus Karrieregründen zwar nur ein Semester lang das College besuchte, aber in jenen Monaten als Star der Mannschaft für die prestigeträchtige erste amerikanische Meisterschaft in der Geschichte der Hochschule sorgte. Für das „Melo Center“, das insgesamt 19 Millionen Dollar kosten wird, hat der hochbezahlte NBA-Profi drei Millionen aus seiner eigenen Tasche beigesteuert und dadurch in der sportversessenen Stadt mitten im Bundesstaat New York all jene versöhnt, die sich an seinem raschen Abschied und seiner eitlen Art der Selbstdarstellung gerieben hatten.

          Bislang schimmerte ein gewisses „Ghetto-Flair“ durch

          Anthony, inzwischen 25 Jahre alt und zentrale Figur beim NBA-Team der Denver Nuggets, dem aktuellen Play-off-Gegner von Dirk Nowitzki und den Dallas Mavericks, tut gut daran, die alten Vorwürfe abzuarbeiten. Denn sie werden immer wieder wach. Egal ob er sich wie 2006 während einer Partie mit einem Gegenspieler ein Faustgefecht liefert, ob er in einem New Yorker Nachtclub in ein Handgemenge gerät oder zu nachtschlafender Zeit von der Polizei mit Alkohol am Steuer erwischt wird.

          Jenseits seiner besonderen Korbgefährlichkeit und seinem siebten Sinn fürs Spiel der langen Kerls schimmerte bei dem 2,03 Meter langen Anthony bislang immer auch ein gewisses „Ghetto-Flair“ durch. Was nicht nur an den mehr als zwanzig Tätowierungen und seinem Haarstil mit den geflochtenen langen Zöpfchen lag. Als Achtjähriger war er mit seiner Familie aus Brooklyn in einen der gefährlichsten Stadtteile Baltimores umgezogen, wo Drogenhandel und Morde an der Tagesordnung waren.

          Fehlentscheidung raubt Dallas die Freiwurf-Chance

          Seitdem er sich nun die Haare trimmt und sich an die neue Rolle als Vater eines kleinen Sohnes gewöhnt hat, wirkt er nicht nur abseits des Basketballplatzes sehr viel sympathischer. Auch sein Spiel bei den Denver Nuggets hat gewonnen. Die Mannschaft erreichte während der Tabellenrunde den zweiten Platz in der Western Conference und setzte sich in den Play-offs nicht nur klar gegen die New Orleans Hornets durch, sondern ging in der folgenden Serie gegen die Mavericks in eigener Halle gleich mit 3:0 Siegen deutlich in Führung (siehe auch: Sport kompakt: Petacchi siegt - Cejka führt - Nowitzki leidet).

          Anthony war auch am Samstag im dritten Match eine der entscheidenden Figuren. Er verwandelte einen Dreier Sekunden vor Schluss, der die Begegnung mit 106:105 zu Gunsten der Nuggets entschied. Dabei profitierte er davon, dass die Schiedsrichter kurz zuvor kein absichtliches Foul gegen Dallas pfiffen, was ihn an die Freiwurflinie gebracht hätte. Das NBA-Management gab inzwischen zu, dass es sich dabei um eine Fehlentscheidung der Referees handelte. An dem Resultat wird sich jedoch nachträglich nichts ändern. An diesem Montag geht es mit dem vierten Spiel der Serie in Dallas weiter. Für die Mavericks bedeutet eine weitere Niederlage das Aus. Ein Erfolg erhält der Mannschaft zumindest theoretische Chancen auf das Erreichen der nächsten Runde.

          Eine mysteriöse Affäre lenkt Nowitzki zusätzlich ab

          Anthony kann schon seit einer Weile von Glück sagen, dass ihm die Umstände bei seiner sportlichen Entwicklung behilflich sind. So hatte die Klubführung vor ein paar Monaten ein Einsehen und erklärte das Experiment für gescheitert, ihn und den wuseligen, ziemlich eigensinnigen Spielmacher Allen Iverson zusammenzuspannen. Zwei ausgemachte Punktejäger in einem Team sind gewöhnlich des Guten zu viel. So war es auch diesmal. Die Nuggets gaben Iverson an die Detroit Pistons ab und holten sich dort im Tausch einen Mann mit Blick für seine Nebenleute: den erfahrenen Chauncey Billups. Der Umbau hat wieder Struktur in das Angriffsspiel der Mannschaft gebracht. Billups spielt sich überdies regelmäßig für seine präzisen Drei-Punkte-Würfe frei, was den Gegnern die Deckungsarbeit zusätzlich erschwert.

          Das geht auch den Dallas Mavericks nicht anders, die seit Ende letzter Woche unter einem zusätzlichen Nachteil leiden. Dirk Nowitzki, ihr wichtigster Spieler, ist privat in eine mysteriöse Affäre verwickelt, die trotz seiner gegenteiligen Beteuerungen einen großen Teil seiner Konzentration in Anspruch nehmen dürfte (siehe auch: Dirk Nowitzki: „Schwere Phase in meinem Privatleben“). Dabei könnte der Schleier über dem Fall seiner von der Polizei inhaftierten Freundin Cristal Taylor längst gelüftet sein. Journalisten haben mittlerweile hinreichend Indizien zusammengetragen, die den Würzburger als Opfer einer geschickten Betrügerin einstufen. So hat der frühere Ehemann der 37-Jährigen durchblicken lassen, dass sie ohne sein Wissen seine Kreditkarten genutzt und ihn damit um mehrere hunderttausend Dollar geschädigt hatte.

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