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Gefahren von Big Data : Wie der Datenwahn im Sport zum Risiko wird

  • -Aktualisiert am

Stephen Curry kommt mit seinem Spiel dem Ideal der Golden State Warriors ganz nahe. Bild: AFP

Eine Fabel aus dem Silicon Valley: Mit Hilfe von Big Data wurden die Golden State Warriors zum besten NBA-Team. Andere Athleten streben nach ähnlicher Perfektion. Doch darin steckt eine große Gefahr.

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          Zuletzt gab der Trainer sogar das Taktikbrett aus der Hand. Steve Kerr, Coach der Golden State Warriors, überließ seinen Spielern die Entscheidungen über die nächsten Züge auf dem Parkett. Kerr ist einer der erfolgreichsten Trainer in der NBA, zweimal gewannen die Warriors unter ihm die Meisterschaft, einmal siegten sie in der Hauptrunde in 73 von 82 Begegnungen – so etwas ist niemandem vor ihm gelungen. Nun aber warfen Kritiker ihm mangelnden Respekt vor dem Gegener vor. Kerr widersprach und sagte: „Ich musste versuchen, mein Team wieder zu erreichen. Sie sind von meiner Stimme gelangweilt. Ich bin selbst von meiner Stimme gelangweilt.“ Kerr ist ungewöhnlich. Und die Warriors sind es auch. Die Art und Weise, wie sie zur vielleicht überlegensten Mannschaft in der Geschichte des amerikanischen Basketballs wurden, ist längst zur Legende geworden. Es ist eine Silicon-Valley-Start-up-Fabel, ein Kapitel im selben Buch wie die Unternehmens-Storys von Apple, Facebook und Google.

          Im Zentrum der Story steht der Technologie-Investor Joe Lacob, der im Jahr 2010 die in den Niederungen der Tabelle herumdümpelnden Warriors aufkaufte und mit ihnen ein Experiment startete. Lacob brachte den Spirit seiner Branche in den Sport, alles zu hinterfragen, es in Daten zu zerlegen und wieder komplett neu zusammenzusetzen. Lacob installierte einen Braintrust an der Spitze des Teams, der nach vielen Zahlenspielen mit einer simplen Erkenntnis aufwartete: Selbst bei einer Trefferquote von nur 35 Prozent führt ein konsequentes Drei-Punkt-Spiel im Basketball statistisch zu mehr Punkten, als wenn die Angreifer versuchen, zu einem Jump-Shot unter den Korb zu kommen. Die Warriors stellten ihr Spiel um und heuerten die heutigen Superstars Stephen Curry und Klay Thompson an. Ihr Erfolg ließ andere Mannschaften nachziehen. Noch im Jahr 2012 versuchten die NBA-Teams im Durchschnitt 18,4 Drei-Punkt-Würfe pro Spiel. 2017 waren es 27. Selbst im High-School- und im College-Basketball wird heute häufiger von außerhalb der Zone geworfen.

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