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Basketball : „Geniale körperliche Voraussetzungen“

  • -Aktualisiert am

30 Punkte für Deutschland: Dirk Nowitzki Bild: ddp

Fünf Wochen Urlaub, sechs Wochen Einzeltraining. Dirk Nowitzki ist frisch von Kopf bis Fuß unter den Korb zurückgekehrt und hat die Basketball-Nationalmannschaft in der EM-Vorbereitung zu zwei Siegen über China geführt.

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          Klaus Breitung steht hinter der Bank der deutschen Mannschaft in der Mannheimer SAP-Arena und schüttelt den Kopf: „Ich kann mich wirklich nicht erinnern, wann diese Mannschaft so gesund war wie in diesem Jahr.“ Breitung ist Osteopath und seit 23 Jahren zuständig für den Bewegungsapparat der Basketball-Nationalmannschaft. Genau zwei Wochen vor Beginn der Europameisterschaften (3. bis 16 September) in Spanien ist kein Knöchel verstaucht, kein Band überdehnt.

          Rein physiologisch hindert den Zweiten der EM 2005 also nichts daran, „die Sensation von Belgrad zu wiederholen“, wie Trainer Dirk Bauermann das Ziel umreißt. Seit Freitag steht dem Bundestrainer nun auch Dirk Nowitzki, der Superstar der Dallas Mavericks, zur Verfügung. Nach einer Saison der emotionalen Extreme - erst das Ausscheiden in der ersten Playoffrunde, dann die Ehrung zum wertvollsten Spieler der NBA - entspannte sich Nowitzki zunächst fünf Wochen in Australien.

          „Zwei Monate keinen Ball angefasst“

          „Ich wollte weg", sagt er. „Abstand gewinnen und den Kopf frei bekommen.“ Es folgte ein sechswöchiges Trainingscamp mit Individualtrainer Holger Geschwindner in Würzburg und Rattelsdorf. Bei den zwei Testspielen gegen China am Freitag in Hamburg (88:55, 17 Punkte) und am Sonntag in Mannheim (76:71/30), lief Nowitzki erstmals für Deutschland auf. In beeindruckender Frühform.

          Olympiagastgeber China verliert beide Testspiele

          Zumindest wenn man den Vergleich zum vergangenen Sommer heranzieht. Damals hatte der 2,13 Meter lange Nowitzki nach dem Erreichen der NBA-Finals nur wenige Wochen um sich zu regenerieren. „Dieses Jahr habe ich zwei Monate keinen Ball angefasst“, berichtet Nowitzki. Bauermann ist guter Dinge: „Wenn man sieht, dass Dirk sich noch besser bewegt, dass er frischer ist, und dass alle anderen sich gut fühlen, dann lässt einen das natürlich optimistisch in die Zukunft schauen.“ Die Grundlagen des allgemeinen Wohlfühlzustandes hat die Mannschaft während eines zehntägigen Trainingslagers in Palma de Mallorca Anfang August gelegt. In zwei Wochen ist die Ferieninsel dann auch Austragungsort der deutschen Vorrundengruppe mit den Spielen gegen Tschechien, die Türkei und Litauen.

          „Intelligentes Schnelligkeitstraining“

          Im Luxushotel Lindner, wo der Deutsche Basketball Bund (DBB) sein Trainingslager zehn Kilometer außerhalb Palmas aufgeschlagen hatte, war es insbesondere Benno Eicker, der den Spielern Beine machte. Eicker der Mitte der achtziger Jahre mit einer Bestzeit von 10,3 Sekunden über 100 Meter selbst in die nationale Spitze sprintete, ist vom DBB als Athletiktrainer engagiert worden. Mit Hilfe von Terabändern und eigens konzipierten Übungen ließ Eicker die spielspezifische Fitness trainieren. Sein Credo: Wenige Wiederholungen, dafür akzentuiert und immer an das Basketballtraining angepasst. Wichtig sei es auch, neue Reize zu setzten und keine Routinen aufkommen zu lasse. Eicker nennt das „intelligentes Schnelligkeitstraining“. Zwischen 2001 und 2004 machte Eicker den deutschen Hockeyspielern Beine, dem Team, das Bronze bei Olympia, Welt- und und Europameister wurde.

          Auch der Mannschaft von Bauermann spricht er eine besondere Qualität zu: „Die Spieler sind in der Lage trotz hoher Umfänge und einer enormen Belastung sehr aufmerksam und präzise zu spielen.“ Eicker hofft, dass diese Qualität dann zur Geltung kommt, „wenn es ganz eng wird“. Denn nur auf einer guten athletischen Basis könne man auch unter Zeitdruck „erfolgreiche Lösungen finden“. In den beiden Partien gegen China war diese Qualität nicht gefordert. Auch nicht Nowitzkis „geniale körperliche Voraussetzungen“ (Eicker). Dazu experimentierte der Bundestrainer zu häufig mit unterschiedlichen Aufstellungen.

          Sensley und Demirel stark

          Denn zwei Wochen vor dem EM-Start steht für Trainer Bauermann das eigene Team im Vordergrund: Superstar Nowitzki muss integriert, die Spielsysteme verinnerlicht, und der Kader nochmals um zwei auf zwölf Spieler gekürzt werden. Die Startformation um Nowitzki, Patrick Femerling, Demond Greene, Ademola Okulaja und Steffen Hamann ist gesetzt. Auch Sven Schultze, Johannes Herber und Robert Garrett sollen so gut wie sicher dabei sein, der Rest muss um seinen Platz kämpfen.

          In Hamburg machte der Deutsch-Amerikaner Julian Sensley mit zwölf Punkten gegen China auf sich aufmerksam - in Mannheim überzeugte Aufbauspieler Mithat Demirel mit seinem Spielwitz. „Es geht hier längst nicht mehr um die individuelle Qualität“, sagt Sportdirektor Wolfgang Brenscheidt. Allein die taktische Ausrichtung des Bundestrainers bestimme den Kader. Auch Nowitzki sagt: „So ausgeglichen wie in diesem Sommer war es noch nie.“ Schuld ist auch die exzellente körperliche Verfassung der Profis. Darüber kann sich höchsten Klaus Breitung beschweren - dem Osteopathen fehlt es an Arbeit.

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