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Basketball : „Freak City“ unter Zwang in Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Umkämpfte Finalserie: Bamberg gegen Frankfurt Bild: dpa

Das erste Basketball-Finale ist überraschend an die Skyliners gegangen. Schlagartig verstummte da „Freak City“, wie sich die Bamberger gerne nennen. An diesem Mittwoch stehen die Favoriten nun in Frankfurt unter Zugzwang.

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          Es war, als hätte jemand den Stecker herausgezogen. Quantez Robertson, der flinke Flügelspieler der Frankfurt Skyliners, hatte sich mit einer geschmeidigen Körpertäuschung zwischen zwei Verteidiger der Baskets Bamberg vorbeigemogelt, war mit seiner phänomenalen Sprungkraft nach oben geschnellt und hatte den Ball einfach in den Korb gelegt. Brüllend und johlend hatten die 6800 Fans in der Bamberger Arena ihre Mannschaft angefeuert. Das Donnern der Trommeln und die Schreie der Fans verstummten mit einem Schlag. Bamberg war besiegt. Robertsons Korbleger zum 65:63 knapp eineinhalb Sekunden vor Spielende besiegelte eine Bamberger Niederlage, die auch die Fachleute der Branche überrascht hatte. Selbst Bundestrainer Dirk Bauermann hatte sich vor der Partie festgelegt und Bamberg zum großen Favoriten dieses Play-off-Finales erklärt.

          Das zweite von mindestens drei und höchstens fünf Spielen dieser Play-off-Serie „Best of five“ wird an diesem Mittwoch in der Frankfurter Ballsporthalle ausgetragen (19.20 Uhr/live auf Sport1). Die Mannschaft von Trainer Gordon Herbert hat also die Chance, in eigener Halle mit 2:0 Siegen in Führung zu gehen und hätte dann am Sonntag beim Spiel in Bamberg Matchball im Kampf um den Titel. Dass dies den Frankfurtern aber keineswegs leichtfallen wird, hat mehrere Gründe. Der wichtigste Grund ist die Mannschaft von Trainer Chris Fleming. Sie ist ausgezeichnet besetzt, verfügt über ein erstklassiges Personal, das sicherlich sportlich und taktisch größere Möglichkeiten eröffnet, als dies bei den Skyliners der Fall ist.

          Nicht nur auf den Rängen schlagen die Wellen der Emotion hoch

          Die Spielmacher John Goldsberry und Anton Gavel zählen zu den Besten ihrer Sparte; auch unmittelbar unter dem Korb zeigen die Baskets Größe und können sich dort mit den Centern Tibor Pleiß und Elton Brown immer wieder behaupten. Das wertvollste Bamberger Argument ist sicherlich Predrag Suput. Der Power Forward ist ein Ausnahmespieler, verfügt über hohe Spielintelligenz und große athletische Fähigkeiten. Ob er in Bamberg bleiben wird, ist ungewiss. Denn der Vertrag der Baskets mit dem 33 Jahre alten Serben läuft mit dieser Saison aus. Suput ist bei Alba Berlin im Gespräch, und Wolfgang Heyder, der Bamberger Geschäftsführer, ist sich nicht sicher, ob er „Peja“ im Oberfränkischen halten können wird bei einem attraktiven Angebot aus der Hauptstadt.

          Aber auch Stars wie die Bamberger haben eine schwache Seite. So blieb Suput am Tag der ersten Finalniederlage gegen Frankfurt ungewöhnlich blass. Mit 11 Punkten war er zwar bester Scorer seiner Mannschaft, aber seine Klasse konnte der Power Forward nicht wie gewohnt ausspielen. Vor allem am Ende der Partie war das Erstaunliche eingetreten. Ausgerechnet die Mannschaft, der man wegen der längeren Pause zwischen Halbfinale und Finale deutlich mehr Kraftreserven zugesprochen hätte, schwächelte. „Wir haben die defensive Konzentration verloren und versucht, es offensiv zu richten“, sagte der Bamberger Trainer Fleming nach der Niederlage.

          „Sich auszuruhen, finde ich überhaupt nicht prickelnd“

          Konzentrationsprobleme kann man freilich leicht bekommen in einer Umgebung wie der Bamberger Arena. Die Baskets verfügen über den größten Fanklub der Liga - und vielleicht über die verrücktesten Anhänger. Nicht umsonst nennt man sich im Zusammenhang mit Basketball gerne „Freak City“, wobei das zweite Wort stets mit einem weichen, fränkischen D ausgesprochen wird. Die Lautstärke in der Halle, deren Kapazität beim ersten Finalspiel vollends ausgekostet wurde, ist gigantisch. Eine große Trommlergruppe erzeugt einen Lärm, der einen Schutz für die Ohren dringend ratsam macht.

          Nicht nur auf den Rängen schlagen die Wellen der Emotion hoch. Der Druck der Massen hat auch Auswirkungen auf dem Parkett. Nur wenige Profis in dieser Liga reagieren derart emotional auf Schiedsrichterentscheidungen wie die Bamberger. Dass auch die Unparteiischen durchaus druckempfindlich sein können, liegt nahe. In der ersten Halbzeit sprachen sie Frankfurt keinen einzigen Freiwurf zu - den Bambergern dagegen zwölf. Dennoch haben die Hessen gewonnen; obwohl sie in der Halbfinalserie gegen Bremerhaven über die volle Distanz von fünf Spielen gehen mussten, während Bamberg nach drei Siegen über Braunschweig ins Finale kam und Zeit hatte, zu regenerieren. Und obwohl Bamberg den Heimvorteil hatte in einer Halle, in der in dieser Saison zuvor nur drei Teams ihre Auswärtsspiele gewannen.

          Heyder, der Bamberger Geschäftsführer, hatte schon vor dem Start ins Finale in der längeren Pause nicht nur Vorteile gesehen. „Sich auszuruhen, finde ich überhaupt nicht prickelnd“, sagte er und fügte mahnend hinzu: „Wir sind in den Play-offs.“ Jetzt müssen die Baskets aus „Freak City“ zeigen, dass ihre Klasse zu einem Auswärtssieg in Frankfurt reicht. Suput jedenfalls gab sich nach der Niederlage kämpferisch: „So schlecht wie heute werden wir in Frankfurt nicht noch einmal spielen.“

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