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Basketball : Einen Wimpernschlag zu spät

  • -Aktualisiert am

Die Skyliners Frankfurt verlieren gegen Ratiopharm Ulm. Bild: dpa

Die Skyliners verpassen im vierten Spiel des Play-off-Halbfinales eine Überraschung und verlieren in Ulm 72:73. Damit geht für die Frankfurter eine außerordentliche Saison zu Ende.

          2 Min.

          Was für ein Spiel. Die Fraport Skyliners schienen am Dienstagabend in Ulm im vierten Spiel der „best of five“-Halbfinalserie der Basketball-Bundesliga auf dem bitteren Weg zu einer hohen Niederlage. Doch am Ende brachten die Profis von Cheftrainer Gordon Herbert ihre überrumpelt wirkenden Gegner von Ratiopharm Ulm noch in ernste Bedrängnis. Mit einer aggressiven Pressabwehr schafften sie es, nach einem Rückstand von 20 Punkten auf einen Punkt an ihre verblüfften Gegner heran zu kommen.

          Am Ende blieb ihnen aber beim 72:73 nur ein Wimperschlag Zeit, um den Sieg und ein fünftes Spiel im Halbfinale zu erzwingen. Die 0,3 Sekunden tickten weg, ohne dass der Ball in den Ulmer Korb ging – und die Skyliners waren aus dem Rennen um das Finale. Die Enttäuschung war nach der großartigen Steigerung der Hessen im letzten Viertel gewaltig. „Wir haben zu keiner Zeit unseren Basketball gespielt, den Ball nie richtig bewegt“, sagte der Frankfurter Center Johannes Voigtmann dem Internetsender Telekom-Basketball-TV.

          „Wir waren viel zu undiszipliniert in der Abwehr, haben viel zu viel spekuliert.“ Das sah auch Trainer Herbert ähnlich: „Ulm hat über 30 Minuten herausragend gespielt. Unser Teamspiel war nicht so gut, wie es sein muss. Wir haben heute zu viel allein versucht.“

          „Ich bin megastolz“

          Ihre Aufholjagd hatten die Hessen zu spät gestartet. 54:35 hatte Ulm nach dem dritten Viertel geführt, die Frankfurter schienen am Ende ihrer Möglichkeiten Doch dann kamen die Pressverteidigung – und Spielmacher Jordan Theodore. Der amerikanische Point Guard hatte drei Viertel lang gewirkt, als stehe er neben sich. Im letzten Viertel von Ulm führte er seine Mannschaft fast noch zum Sieg. Mit 23 Punkten war Theodore der beste Schütze seiner Mannschaft – zum Erfolg reichte dies aber dann trotzdem nicht mehr.

          So jubelten am Ende die Ulmer. „Ich bin megastolz“, sagte Spielmacher Per Günther, der mit 18 Punkten bester Ulmer Schütze war. „Stolz, gegen eine Mannschaft wie Frankfurt gewonnen zu haben“. Das kuriose letzte Viertel beschrieb der Nationalspieler mit den Worten: „Das war eine Mischung aus müde und scheiße.“ Auch Erleichterung war bei dem Ulmer zu spüren: „Es wäre die schlimmste Niederlage meiner Karriere gewesen.“ Für Ulm geht die Saison nun am Sonntag mit dem ersten Spiel der Finalserie bei den Brose Baskets Bamberg weiter (14.45 Uhr). Für Frankfurt brachte die Partie in Ulm das Saisonende.

          Ulm war furios gestartet. Getragen von den 6200 Zuschauern in der zum hundertsten Mal ausverkauften Ulmer Arena legte die Mannschaft von Cheftrainer Leibenath ein flottes Tempo vor. Mit einem knappen Frankfurter Rückstand von 13:15 ging es ins zweite Viertel. Schon da zeichnete sich ein großes Problem der Hessen ab: die Würfe. Fehlwurf reihte sich an Fehlwurf. Auffällig war in dieser Beziehung der Frankfurter Spielmacher Theodore. Fast nicht glückte dem Amerikaner in dieser frühen Phase.

          Saison mit Beigeschmack

          Die Skyliners schafften es noch, bis zur Pause auf 22:33 heran zu kommen, aber es war klar, dass ein kleines Wunder nötig sein würde, um ihnen noch zu einem fünften Halbfinalspiel zu verhelfen. Das Wunder deutete sich in den letzten zehn Minuten der Partie zunächst zaghaft an. Dann ließen die erschöpft wirkenden Schwaben Korb um Korb zu. Und retteten sich mit viel Glück in die nächste und letzte Runde der Bundesliga.

          Für die Skyliners endete in Ulm eine außerordentliche Spielzeit. Bis auf den dritten Platz der Bundesliga hatten sie es nach der Hauptrunde geschafft und gewannen Anfang Mai den Fiba Europe Cup. Am Donnerstag überwog die Enttäuschung: „Ob es eine gute Saison war“, wiederholte Voigtmann die Frage des Reporters. „Schwer zu sagen. Sie hat für uns jetzt auf jeden Fall einen faden Beigeschmack.Heute“, sagte der Frankfurter Center, „überwiegt das Gefühl, dass hier mehr drin gewesen wäre.“

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