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Basketball-Finalturnier : Drei Wochen in der Blase

Vollkontakt in der Quarantäne: Die Basketballer spielen drei Wochen fast abgeschnitten von der Außenwelt den deutschen Meister aus. Bild: Imago

Der Basketball startet in München seinen Vollkontakt-Quickie in Corona-Zeiten. Kommt er mit diesem Coup aus der Krise und vielleicht sogar der Nische heraus?

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          Der Geschäftsführer des Basketball-Bundesligaklubs Rasta Vechta war guter Dinge am Freitag, als sein Team sich aus der niedersächsischen Kreisstadt per Doppeldeckerbus aufmachte zum Meisterschaftsturnier ohne Publikum in München. „Sie werden auf einem Raststättenparkplatz“, sagte Stefan Niemeyer, „sicher mal Luft schnappen dürfen.“ Isolation ist das Gebot der Stunde. Zehn der siebzehn Bundesligaklubs setzen von diesem Samstag an die Saison in Bayerns Metropole fort – als Reaktion auf rassistischen Vorfälle Proteste in den Vereinigten Staaten unter dem Hashtag „UNITEDAGAINSTRACISM“, wie die BBL am Samstag mitteilte.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Mit zwei Spielen pro Tag in Fünfergruppen, dann mit acht Mannschaften über eine K.-o.-Runde bis zum Finale über zwei Begegnungen Ende Juni. Abgeschottet wie kein anderer Sport durch die Vorgaben eines strengen Hygienekonzeptes, werden die erfolgreichsten Profis drei Wochen in einer Blase leben, die Hotel und Halle umgibt, während um sie herum das gesellschaftliche Leben langsam erwacht. Das ist der Preis für die Chance der Basketball-Bundesliga (BBL), abseits des Fußballs wieder ins Spiel und zu mehr Geltung zu kommen. Weil der Spitzensport weitgehend noch in der Corona-Starre verharrt, mit interessiertem Blick selbst aus Übersee auf den vergleichsweise kleinen Spielbetrieb in Deutschland blickt. Der Basketball muss in die tiefste Quarantäne eintauchen, um seine Qualitäten präsentieren zu dürfen. Fußballer müsste man sein.

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          Wenn das Leben ein Spiel ist, dann bewegt sich die Liga gerade in der Crunchtime, in den letzten Minuten vor dem Ende eines Matchs gegen die Wirkung des Coronavirus und dessen gesellschaftspolitische Folgen. Sie liegt zurück und es geht um alles. Der Basketball kennt kein Unentschieden. Durch den Zeitdruck pro Spielzug haben die Spieler keine andere Wahl: Angriff. Vielleicht trieb diese Konditionierung die Liga voran, während Eishockey, Volleyball und auch der in Deutschland so beliebte Handball ihre Saison abbrachen.

          Kreative Lösungsansätze

          „Ich habe davor gewarnt, dass wenn wir uns in die Höhle zurückziehen, zwar überleben, aber wenn wir rauskommen, ist alles verbrannt“, sagte der Manager der Berliner Füchse, Bob Hanning. Er hatte als einziger gegen den Abbruch der Handball-Saison gestimmt: „Ich freue mich, dass die Basketballer für ihren Mut belohnt werden. Ich hoffe, dass wir das als Vorbild sehen und unsere Schlüsse daraus ziehen können.“

          Denn was ist lehrreicher, als in schweren Zeiten kreative Lösungsansätze zum Überleben anzubieten, Lücken zu finden zum Sieg in letzter Sekunde, wie sie besondere Aufbauspieler kurz vor dem Spielende entdecken, bevor sie der Gegner, geschweige denn das Publikum nur erahnt? Dass selbst die Erfinder des Basketballs auf die Bewegung in der alten Welt geschaut haben, bevor sich die nordamerikanische Profiliga NBA entschloss, mit einem vergleichbaren Konzept von Ende Juli an in Disneyland ihre Saison zu Ende zu bringen, konnte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz nicht bestätigen. Aber „konkrete“ Anfragen aus Europa, aus Ländern, wo der Basketball wesentlich erfolgreicher und verbreiteter ist, aus Spanien zum Beispiel. Experten aus aller Welt werden nach München schauen, vielleicht das Programm „Made in Germany“ herunterladen und daheim präsentieren.

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