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Basketball : Alba Berlin ist das Maß der Dinge

Erster Meistertitel nach 2008: Alba Berlin gewinnt das Basketball-Finalturnier in München. Bild: Reuters

Alba gewinnt nach längerer Durststrecke den neunten deutschen Basketball-Meistertitel. Die Berliner bringen den Vorsprung aus dem Hinspiel gegen Ludwigsburg beim denkwürdigen Qurantäne-Finalturnier sicher ins Ziel.

          3 Min.

          Von sogenannten „Geister-Spielen“ zu so etwas wie Begeisterung: Alba Berlin ist am Sonntagnachmittag überlegen deutscher Basketball-Meister geworden. Im 35. Spiel des drei Wochen langen Quarantäne-Turniers im Audi Dome von München, mit dem die Basketball-Bundesliga (BBL) während des Sport-Stopps durch die Corona-Krise als erste Spielsportart nach der Fußball-Bundesliga Flagge zeigte, besiegten die Berliner die MHP-Riesen Ludwigsburg 75:74 (21:11, 21:24, 25:19, 8:20). Wenige Minuten vor Schluss kamen die Ludwigsburger zweimal auf einen Punkt heran (71:72 und 74:75), vergaben aber die Chance auf den Sieg. Beim letzten Angriff der Berliner verzichteten die Schwaben darauf, ihre Gegner zu foulen und nach fälligen Freiwürfen für Alba noch einmal zu einem Angriff zu kommen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Vielleicht waren wir am Schluss zu locker“, sagte der Berliner Center Johannes Thiemann, der mit seinem Team noch in der Nacht per Zug nach Berlin reiste. „Wir haben Charakter gezeigt“, sagte der Ludwigsburger Center Jonas Wohlfahrt-Bottermann (sieben Punkte): „Die Berliner sind in dieser Saison das Maß der Dinge.“

          Wie zum Lohn für den größten Erfolg der Vereinsgeschichte durfte der Ludwigsburger Trainer John Patrick seinen Spielern die Medaillen für Platz zwei verleihen, darunter seinen Söhnen Johannes und Jacob. Das Hinspiel am Freitagabend hatten die Berliner 88:65 gewonnen. Für beide Teams war es das zehnte Spiel des Wettbewerbs.

          Ludwigsburg ohne den besten Mann

          Erfolgreichste Spieler in der Berliner Mannschaft des spanischen Trainers Aíto Reneses waren Niels Giffey und Martin Hermannsson mit je 14 Punkten, Markus Eriksson mit 13 sowie Landry Nnoko mit zwölf Punkten. Für Ludwigsburg trafen Flügelspieler Thomas Wimbush (19 Punkte), der in der zweiten Liga entdeckte Aufbauspieler Jaleen Smith (15) und Nick Weiler-Babb (14) am besten.

          Wie im ersten der beiden Endspiele fehlte Ludwigsburg der stärkste Spieler, der Amerikaner Marcos Knight, den die Kapitäne aller beteiligten Teams dennoch zum wertvollsten Spieler des Wettbewerbs wählten. Seine Fußverletzung, die er lange überspielt und trotzdem durchschnittlich 18 Punkte pro Spiel erzielt hatte, ließ seinen Einsatz weder am Freitag, im mit 23 Punkten verlorenen Hinspiel, noch am Sonntag zu. „Wir wollen die Meisterschaft gewinnen“, hatte Wimbush vor der Partie getönt und sich selbst zur Halbzeit im Rückspiel (35:42) noch Hoffnung gemacht: „Wir spielen richtig hart. Wir wollen gewinnen.“

          Nicht zu bremsen: Auch Ludwigsburg ist gegen Alba mit Center Johannes Thiemann machtlos.
          Nicht zu bremsen: Auch Ludwigsburg ist gegen Alba mit Center Johannes Thiemann machtlos. : Bild: dpa

          Nicht nur das Spiel, auch das Belastungs-Management der Berliner war überlegen. Markus Eriksson zählt mit etwas mehr als zwanzig Minuten durchschnittlicher Einsatzzeit zu den am längsten belasteten Alba-Spielern; bei den Ludwigsburgern traten Nick Weiler-Babb und Jaleen Smith mit deutlich mehr als dreißig Minuten im Schnitt an.

          Erster Meistertitel nach zwölf Jahren

          „Es hätte nicht besser laufen können“, sagte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz zum Verlauf des Turniers: „Kein Infektionsfall, keine schwere Verletzung und eine großartige mediale Aufmerksamkeit.“ So etwas werde es nicht wieder geben, kündigte er an: „Wir werden mit Zuschauern spielen müssen, und wir werden nicht lange darauf warten können. Wir brauchen das Konzept 2.0.“ Alba-Manager Marco Baldi sagte, die Ungewissheit reiche wie bei vielen Unternehmen ins Existentielle.

          Der Vorstellung, sein Klub habe zwölf Jahre auf die Meisterschaft gewartet, sich ein Dutzend Spielzeiten lang danach verzehrt, endlich wieder den Titel zu gewinnen, wie bei den acht Meisterschaften von 1997 bis 2008, widersprach Baldi. „Im dreißigsten Jahr der Existenz von Alba Berlin haben wir das 34. Finale erreicht“, sagte er am Sonntag: „Der Titel ist das Salz in der Suppe, die Bestätigung für alle, die daran glauben. Er ist der zwanzigste Titel in dreißig Jahren. Aber aus professioneller Sicht finde ich viel beeindruckender, dass wir, statistisch, in jeder Saison mehr als ein Finale erreicht haben.“ In der Spielzeit 2018/2019 noch spielte Alba in der Liga, im Pokal und im Eurocup um den Sieg – und es erforderte ein großes Herz, dies als Erfolg zu betrachten, als die Mannschaft schließlich mit leeren Händen dastand. Aus dieser, von der Corona-Krise kompromittierten Saison geht Alba mit dem Double von Pokalsieg und Meisterschaft hervor. Darüber hinaus scheint sich der Klub in der Euro-League zu etablieren.

          Obwohl die Meisterschaft in diesem Jahr nicht die Qualifikation für den bedeutendsten Wettbewerb Europas bedeutet, ist Champion Alba in der nächsten Spielzeit dabei. Glaubt man den Gerüchten, dann werden Center Nnoko, Aufbauspieler Hermannsson und Flügelspieler Giedraitis europaweit umworben. Das beisammenzuhalten unter Coach Aíto wird eine Herausforderung. „Wir wollen weiter wachsen“, verspricht der spanische Sportdirektor Albas, Himar Ojeda, „wir wollen weiter junge Spieler entwickeln, Basketball spielen, der Spaß macht, und besser in der EuroLeague abschneiden.“

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