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Basketball-Finale : Berlins hoffnungsvoller Weg in die Zukunft

  • -Aktualisiert am

Schwer in den Griff zu bekommen: Alba-Spieler Spencer Butterfield (links) im Duell mit Bayerns Reggie Redding. Bild: Imago

Alba Berlin setzt den Finanzgiganten aus München und Bamberg ein Jugendkonzept entgegen. Finalgegner Bayern hat zwar die bessere Bank, aber Berlin ist für die Zukunft bestens aufgestellt. Das hat einen Grund.

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          Der 27. Mai 2018 war der bisherige Höhepunkt im Saisonverlauf von Alba Berlin. Die Profis machten mit dem Sieg zum 3:0 gegen Ludwigsburg die Finalteilnahme perfekt, und das U-19-Team gewann in der Nachwuchs- Basketball-Bundesliga ebenso die deutsche Meisterschaft wie die U-16-Mannschaft in der Jugend Basketball Bundesliga. Am vergangenen Sonntag legte die Berliner U14 nach und gewann ebenfalls den Titel, während zeitgleich das Flaggschiff der Albatrosse das erste Finale in München gewann und damit den Bayern den Heimvorteil entriss.

          Die Berliner haben bei ihrem Versuch, den Finanzgiganten Bayern München und Brose Bamberg mit anderen Mitteln Paroli zu bieten, festen Boden unter den Füßen gewonnen. Die drei Titel im Jugendbasketball sind nur die offensichtliche Spitze einer Entwicklung, die der ehemalige Europameister Henning Harnisch federführend begleitet. Alba Berlin sucht schon in den Grundschulen gezielt nach Talenten, die durch ihre Körperlänge und/oder koordinativen Fähigkeiten über Potential verfügen. Am Finale der Berliner Grundschulliga nahmen mehr als 2000 Kinder teil. Mit 178 Mannschaften aus 90 Schulen war es Europas größtes Schulturnier. Um den Kindern Erfolgserlebnisse zu verschaffen, spielen sie auf niedrigere Körbe, eine in anderen europäischen Ländern übliche Praxis, die in Deutschland aber noch ein Stiefmutterdasein führt.

          Der beste Talententwickler Europas

          Mit dem von Sportdirektor Himar Ojeda und Head Coach Aíto García Reneses ausgehenden spanischen Einfluss hat sich die Tendenz weg von der Schablone und hin zur Kreativität weiter verstärkt. Vor allem in der U16 spielten die Berliner einen schnellen, durch gutes Passspiel und individuelle Fertigkeiten geprägten Basketball. Systeme oder Blocks? Fehlanzeige! Die Art und Weise, wie die Mannschaft des ehemaligen Nationalspielers Vladimir Bogojevic auftrat, sollte Modellcharakter für den Jugendbasketball in Deutschland haben, wo Trainer die Kinder und Jugendlichen noch immer viel zu früh in taktische Korsetts zwängen. Wer in der U12 schon ein System ansagen darf, fühlt sich wie ein Großer, bekommt aber die Chance genommen, jemals ein solcher zu werden.

          Vier Spieler der U-19-Meistermannschaft hat Aíto in dieser Spielzeit bereits in Bundesligaspielen der Profis eingesetzt. Der 20-jährige Tim Schneider, den im vergangenen Sommer kaum jemand auf der Rechnung hatte, landete bei der Wahl zum Nachwuchsspieler der Saison hinter dem nach Spanien wechselnden Nationalspieler Andreas Obst auf Platz zwei. Aíto unterstreicht damit seinen Ruf als bester Talententwickler in Europa und befeuert das Programm damit zusätzlich.

          Manager Marco Baldi bescheinigt dem 71-Jährigen, dass er Nachwuchsförderung und sportlichen Erfolg perfekt miteinander verknüpfen könne. Jetzt fehlen der Trainerlegende nur noch zwei Siege, um seine erste Auslandssaison mit der Meisterschaft zu krönen. Am Sonntag gewannen die Berliner den Finalauftakt der Serie Best of Five bei Bayern München 106:95 nach Verlängerung. Es war eine tempogeladene, unterhaltsame und hochklassige Begegnung, in der es den Bayern nicht gelang, die Berliner Distanzschützen zu kontrollieren. Überraschenderweise versuchten die Gastgeber, das Tempo der Albatrosse mitzugehen. Die Vorteile der Münchner liegen in diesem Duell eigentlich eher in einem halbfeldorientierten und physischen Spiel.

          Entsprechend darf man gespannt sein, ob der aktuelle Pokalsieger an diesem Donnerstag in der zweiten Partie (von 18.45 Uhr an live bei Telekom Sport) noch einmal mit der gleichen Ausrichtung ins Rennen geht. Die Berliner zogen in München alle Register, um das Tempo nach oben zu schrauben. Sie doppelten die ballbesitzenden Bayernspieler in unterschiedlichen Situationen und waren stets aggressiv. Gegen das von den Gästen selektiv eingesetzte Doppeln fehlte es den Bayern phasenweise an Gedanken- und Handlungsschnelligkeit, um gewinnbringende Vorteile daraus zu ziehen.

          Alba hat seit sieben Monaten im nationalen Wettbewerb kein Heimspiel mehr verloren. Aber die letzte Niederlage gab es ausgerechnet gegen die Bayern, die beim Finalauftakt bezüglich des Beitrags der Einwechselspieler gefestigter als die Berliner wirkten. Dieser Faktor ist in einer Serie nicht zu unterschätzen. Diesmal muss es den Münchnern aber erst einmal gelingen, die Werfer Marius Grigonis und Spencer Butterfield zu kontrollieren, die im ersten Spiel elf Dreier trafen, und das Tempo auf niedrigerem Niveau zu etablieren. Ansonsten könnte es 2:0 stehen, womit für die Berliner der vierte Meistertitel der Saison in greifbarer Nähe läge.

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