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Basketball : Fehlende Ambitionen beenden die Berliner Dominanz

  • -Aktualisiert am

Hochgefühl: Die Bamberger auf der Ersatzbank bei Spielende Bild: dpa/dpaweb

Die Siegesserie von Alba Berlin ist zu Ende: Bevor sie zum achten Mal deutscher Meister und damit Rekordhalter werden konnten, warf sie Bamberg aus dem Rennen. Die Berliner sahen das Ende ihrer Dominanz allerdings kommen.

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          Sportliche Siegesserien haben auch für chronische Verlierer etwas Tröstliches. Denn noch jede Ära ist irgendwann zu Ende gegangen. Keiner wüßte das besser als Dirk Bauermann. Denn der 47 Jahre alte Basketball-Trainer hat diesen Grundsatz nun von beiden Seiten kennengelernt. Siebenmal war er bei seinem ersten Engagement zwischen 1990 und 1996 mit Bayer Leverkusen deutscher Meister geworden. Dann löste Alba Berlin die Rheinländer ab und verteidigte die Meisterschaft ebenso regelmäßig erfolgreich.

          Bevor sie aber nun mit acht Titeln auch noch Rekordhalter werden konnten, warf sie wiederum Bauermann aus dem Rennen. Mit seinem neuen Team GHP Bamberg gewann er das fünfte Halbfinalspiel in Berlin und steht von Sonntag an im Play-off-Finale gegen die Opel Skyliners Frankfurt, die ihrerseits das fünfte Spiel bei den Telekom Baskets Bonn für sich entschieden.

          Ein Kapitel nationaler Dominanz ist vorbei. Über die Stärke der Liga sagt das allerdings nichts. Die Berliner haben es selbst kommen sehen, und nicht nur, weil sie sich auch in dieser Hinsicht ihren Realismus erhalten haben. Meistertrainer Svetislav Pesic, der sie einst zu neuen Höhen geführt hatte, begründete das schon früh, zwar aus der Ferne seines neuen Arbeitsplatzes in Barcelona, aber mit dem geschärften Blick des Insiders. Den Berlinern, so sagte er vor einem halben Jahr, fehlten die Ambitionen. Den deutschen Titel schon wieder fest gebucht, aber international ohne Aussicht, die höher hängenden Körbe zu erreichen - so etwas mache träge.

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          Die Identität des Trainers

          Vereinspräsident Dieter Hauert wies das seinerzeit empört zurück. Und mußte doch immer häufiger eingestehen, daß den Profis, die Albas Serie selbstverständlich fortsetzen sollten, der Wille, gemeinsam etwas zu bewirken, abhanden gekommen war. So wie nach der Heimniederlage gegen Slask Breslau im ersten Spiel der völlig mißlungenen Europaliga-Saison oder nach dem Aus im deutschen Pokal. Alba werde sich schon wieder aufraffen, wie immer in solchen Situationen, hieß es. Doch das gelang nicht mehr.

          Die Spielweise einer Mannschaft reflektiere die Identität ihres Trainers. Solche Sätze aus dem amerikanischen Mutterland des Basketballs hat der frühere Anglistik-Student Bauermann verinnerlicht. Und deshalb zitiert er sie gerne. Nicht als versteckte Kritik an Kollegen, etwa dem Berliner Emir Mutapcic, der seine Profis nach drei Meistertiteln nicht mehr richtig zu erreichen schien.

          Doch wer die beiden Trainer beobachte, wie sie ihrer Arbeit nachgehen, erkennt vor allem dies: Bauermann will unbedingt gewinnen. Das hat der Mann seinen Profis vermittelt. Sie haben sich ihren Ruf als hart bis an die Grenzen der Regeln zulangendes Team verdient. Der heilige Zorn, den Trainer wie Spieler dabei zuweilen an den Tag legen, wirkt oft übertrieben und manchmal anmaßend. Doch auf diese Weise hat sich schließlich die Einstellung festgesetzt, mit der sie diesmal die Max-Schmeling-Halle betraten: um auch die Serie von 21 Niederlagen in Berlin unbedingt zu beenden.

          Versöhnliches Halbfinale

          Das hat auch der Sportpsychologe Gordon Herbert in Frankfurt geschafft. Der Kanadier, der in Idaho studierte und vor allem in Finnland als Trainer arbeitete, hat es wie Bauermann verstanden, den Spielern den Schock, eine Führung von 2:0 Siegen verspielt zu haben, gewinnbringend zu verarbeiten. Beim fünften Spiel in Bonn waren seine Profis wieder kühl und setzten den Gastgebern derart zu, daß der Sieg früh feststand. Und wie in Berlin führte dabei ein deutscher Spielgestalter zum Erfolg. Gegen Alba behielt der 22 Jahre alte Steffen Hamann nicht nur die Fäden in der Hand, sondern war obendrein mit 25 Punkten erfolgreichster aller Spieler. Ähnlich ging der nur 1,80 Meter große Frankfurter Kapitän Patrick Roller zu Werke. Er kontrollierte das gesamte Spiel und erzielte 22 Punkte.

          So hat schon das Halbfinale mit einer Meisterschaftssaison versöhnt, die der Liga nicht zum Vorteil gereichte. Zwei Teams, Hagen und der MBC, die aus finanziellen Gründen ausschieden, dazu Unsicherheit, wie es bei der Suche nach Sponsoren und einem interessierten TV-Sender weitergehen könnte. Auch die Bamberger sind davon nicht verschont. Doch sportlich haben sie wie Frankfurt in dem Maße zugelegt, wie die Berliner nachließen.

          Und noch bevor ihr Nachfolger überhaupt feststeht, ist man bei Alba schon dabei, die Basis zu finden, um eine Ära Bamberg oder Frankfurt gar nicht erst zuzulassen. Nach dem Rücktritt von Kapitän Henrik Rödl, der dem Klub als Headcoach von Partner-Verein TuS Lichterfelde sowie als Assistenztrainer des Bundesliga-Teams erhalten bleibt, soll auf den jungen Hamann in einem neuen, ambitionierten Team die Schlüsselrolle zukommen. Hamann, so schwärmte Albas Vizepräsident Marco Baldi, versprühe die ganze Freude an diesem Sport, und "er kämpft bis zur totalen Erschöpfung". Das soll in Berlin wieder Programm werden.

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