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FC Bayern in der Euroleague : „Vlaaadimir!“

Er ist kaum zu stoppen: Vladimir Lučić, der Anführer des FC Bayern Basketball. Bild: dpa

Als Vladimir Lučić das Viertelfinal-Aus gegen Mailand verhindert hat, brüllte Uli Hoeneß seinen Namen und applaudierte. Über einen Basketballspieler, der seine Mannschaft besser macht.

          2 Min.

          „Vlaaadimir!“ Als er seinen Namen hörte, drehte sich Vladimir Lučić um. Er war in seinem nassgeschwitzten Trikot durch die Basketballhalle in München gelaufen, in Richtung der Ecke mit den Kameras und Mikrofonen, wo der Spieler des Spiels in der Euroleague ein Interview geben muss. Dann hörte er ihn. „Vlaaadimir!“

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Es war Uli Hoeneß, der sich zusammen mit Herbert Hainer, dem Präsidenten des FC Bayern, und mehreren Männern in Anzügen an die Absperrung an der VIP-Tribüne gedrängelt hatte, so als versuchten sie ein Autogramm ihres Lieblings-Investmentbänkers zu ergattern. Als Lučić sich umdrehte, fingen Hoeneß, Hainer und die anderen an, in die Hände zu klatschen. Und weil Lučić ein höflicher Mann ist, klatschte er einfach mit.

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          Am späten Mittwochabend, als Lučić schon in der Kabine verschwunden war, stand Hoeneß noch auf der Tribüne und schwärmte vom serbischen Flügelspieler des FC Bayern. „Er hat das Spiel im Alleingang gewonnen“, sagte er. Das Lob für Lučić war angebracht. Mit 27 Punkten und sieben Rebounds hatte er das 85:79 gegen Armani Mailand ermöglicht – und das Euroleague-Aus verhindert.

          In der Viertelfinalserie (Modus: Best of Five) führt Mailand nur noch mit 2:1 Siegen. An diesem Freitag (20.45 Uhr, live bei MagentaSport) findet in München das zweite und letzte Heimspiel der Bayern statt. In seinem „Spieler des Spiels“-Interview sagte Lučić: „Wir wollen die Serie zurück nach Mailand bringen.“

          Auf dem Feld ist er ein Alleskönner

          Es ist kein Geheimnis, dass Lučić, 31 Jahre alt, aus der Münchner Mannschaft herausragt. Auf dem Feld ist er ein Alleskönner. Einer, den man nicht nur mit herkömmlichen Statistiken bewerten sollte, weil er so viel mehr macht.

          An einer Szene am Mittwoch konnte man das besonders gut sehen. Als im dritten Viertel nur noch 14 Sekunden zu spielen waren, wechselte Andrea Trinchieri, der Trainer der Bayern, Lučić für den letzten Angriff der Mailänder ein. Er sollte Sergio Rodríguez, den spanischen Spielmacher, verteidigen. Es geht oft nicht gut, wenn ein größerer Spieler wie Lučić (2,04 Meter) einen kleineren wie Rodríguez (1,91 Meter) aufhalten soll. Die kleinen sind meistens schneller als die großen. Doch Lučić kann das. Am Ende des Angriffs warf Rodríguez den Ball nur gegen den Ring. Wer schnappte ihn sich danach? Klar, Lučić.

          „Ich freue mich, dass wir gewonnen haben“, sagte er später in die Fernsehkamera. So hört sich das fast immer an, wenn Lučić spricht. Wir, nicht Ich. Er erinnert an den Jungen im Schulsport, der besser spielt als alle anderen, aber es nicht raushängen lässt. Es gibt noch etwas, was ihn von den meisten Spitzenspielern in der Euroleague unterscheidet: Er muss den Ball nicht in den Händen haben, um ein Spiel zu entscheiden.

          „Was soll ich sagen? Er war phantastisch.“

          Am Mittwochabend machte er es trotzdem – weil sein Team es brauchte. Als noch mehr als neun Minuten übrig waren, foulte Wade Baldwin IV, der balldominante Spielmacher der Bayern, zum fünften Mal. Die Folge: Spielausschluss. Es lag nun an Lučić. Von seinen 27 Punkten sammelte er 20 in der zweiten Halbzeit. Und so musste auch der Mailänder Coach Ettore Messina feststellen: „Was soll ich sagen? Er war phantastisch.“

          Es war schon fast Mitternacht, als Andrea Trinchieri in dem Pressepavillon vor der Halle saß. Er wollte dieses Mal aber nicht über Lučić sprechen, sondern über dessen Helfer. Er nannte D.J. Seeley, Diego Flaccadori, JaJuan Johnson. Das sind Spieler, die in seiner Mannschaft eher kleine Rollen haben, von denen aber viel abhängt. „Ohne ihre Hilfe können wir nicht gewinnen.“

          Später lobte Trinchieri auf Nachfrage noch Žan Mark Šiško, den jungen Spielmacher, der mit acht Assists aufgefallen war. Sie alle hatten zusammen mit Lučić, ihrem Anführer, erreicht, was noch keine deutsche Mannschaft in der Euroleague vollbracht hat: einen Play-off-Sieg. Wenn sie nun aber nicht ausscheiden wollen, müssen sie am Freitag einen zweiten holen. „Wir sind“, sagte Trinchieri, „in derselben Situation wie vor dem Spiel.“

          Eines aber hat sich verändert: Die Bayern wissen nun, dass sie Mailand schlagen können. In den vier Spielen davor – zwei in der Hauptrunde, zwei in den Play-offs – hatten sie immer verloren. „Wir hatten es nicht verdient, ohne einen Sieg gegen sie rauszufliegen“, sagte Vladimir Lučić. Man könnte hinzufügen: Er hatte es schon gar nicht verdient.

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