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Zum Tod von Christian Welp : „Das ist ein extrem trauriger Verlust“

  • Aktualisiert am

Christian Welp (1964 - 2015) Bild: Imago

Im Alter von 51 Jahren ist der frühere deutsche NBA-Profi Christian Welp in den Vereinigten Staaten gestorben. Beim bislang einzigen EM-Titel des DBB-Teams 1993 versenkte er den entscheidenden Freiwurf zum Sieg.

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          Der frühere Basketball-Europameister Christian Welp ist tot. Nach Angaben seiner früheren Universität von Washington starb der ehemalige NBA-Profi im Alter von 51 Jahren. Weitere Angaben wurden zunächst nicht gemacht. „Das ist ein extrem trauriger Verlust“, sagte Washingtons Uni-Trainer Lorenzo Romar am Sonntag (Ortszeit).

          „Christian ist einer der herausragendsten Studenten-Spieler, die je hier in Washington gespielt haben. Er war nicht nur ein großartiger Typ, sondern auch ein tolles Vorbild und ein toller Vater. Wir werden ihn von ganzem Herzen vermissen.“ Welp hat immer noch die meisten Punkte in der Geschichte der Washington Huskies erzielt.

          Mit diesem versenkten Freiwurf machte Welp Deutschland 1993 zum Europameister Bilderstrecke

          Auch Welps langjähriger Weggefährte Dirk Bauermann reagierte „tief erschüttert“ auf den Tod des früheren Basketball-Europameisters. „Es ist eine sehr, sehr traurige Nachricht“, zeigte sich der ehemalige Bundestrainer am Montag betroffen. „Auch wenn es sich wie ein Klischee anhört: Christian war ein richtig Guter.“ Als Assistenztrainer habe Welp unter anderem eine „wichtige Rolle“ beim Silbermedaillen-Gewinn bei der EM 2005 gespielt, erinnerte der langjährige Coach der deutschen Nationalmannschaft. Bauermann hatte Welp auch bei Bayer Leverkusen trainiert. Ebenfalls sehr betroffen zeigte sich Wolfgang Brenscheidt, der Geschäftsführer des Deutschen Basketball Bundes. „Wir sind geschockt und tief traurig. Wir verlieren einen herausragenden Nationalspieler, einen tollen Kameraden und einen guten Freund. Chris Welp ist viel zu früh von uns gegangen.“

          Beim bislang einzigen EM-Titelgewinn der deutschen Nationalmannschaft 1993 wurde der Center als wertvollster Spieler des Turniers ausgezeichnet. Vor dem Heim-Turnier hatte Welp bereits seit sechs Jahren nicht mehr für das Nationalteam gespielt, eigentlich wollte ihn der spätere Europameister-Coach Svetislav Pesic gar nicht berücksichtigen. Am Ende ließ Pesic die Mannschaft über die Nominierung Welps entscheiden. „Wir haben gesagt, dass es uns nur helfen kann“, erinnerte sich Mitspieler Gunter Behnke in einer Dokumentation des „Bayerischen Rundfunks“. „Als Team ist es uns wichtig, wenn er kommen würde. Wir haben mit Händen und Füßen auf ihn eingeredet.“

          Beim 71:70 im Finale gegen Russland kam er insgesamt auf 18 Punkte, erzielte kurz vor Schluss per Dunking den Ausgleich und versenkte den anschließenden Freiwurf zum Sieg. Insgesamt machte er 106 Spiele für Deutschland. „Ich persönlich bin sehr, sehr traurig heute“, sagte der damalige Europameistercoach und heutige Bayern-Trainer Svetislav Pesic. „Er war noch ein junger Mann, wo das Leben anfängt.“ Allerdings wisse man noch „nicht alles. Wir wollen jetzt Detlef (Schrempf) in Seattle anrufen, um zu wissen, was eigentlich passiert ist.“, erklärte Pesic weiterhin.

          1987 wurde Welp an 16. Stelle im Draft, wenn neue Spieler durch Vereine in die nordamerikanischen Profiliga geholt werden, von den Philadelphia 76ers ausgewählt. In den folgenden drei Jahren spielte der gebürtige Delmenhorster dann neben Philadelphia noch für die San Antonio Spurs und die Golden State Warriors. Nach seiner Rückkehr nach Europa lief er unter anderem für Bayer Leverkusen, Olympiakos Piräus und Alba Berlin auf.

          „Er war mehr als einfach nur ein Basketballspieler. Tatsächlich wussten seine Kinder eine lange Zeit nicht einmal, dass er Basketball gespielt hatte, bis es ihnen jemand erzählte. Er war genau so eine Art Mensch, seine Mitspieler haben ihn geliebt.“, sagte Dave Harshman, dessen Vater Welp früher in den Vereinigten Staaten trainiert hatte.

          Zwischen 1991 und 1998 wurde Welp sechs Mal deutscher Meister und drei Mal Pokalsieger. 1997 gewann er mit Piräus die Europaliga. Zuletzt lebte er wieder in den Vereinigten Staaten. Welp hinterlässt seine Ehefrau und drei Kinder.

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