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Euroleague-Play-offs : Jaramaz und der FC Bayern suchen gegen Barça ihr Limit

Bahn frei, hier komme ich: Ognjen Jaramaz vom FC Bayern Bild: picture alliance / Andreas Gora

Der FC Bayern ist krasser Außenseiter im Duell mit dem FC Barcelona. Um zu bestehen, muss auch Ognjen Jaramaz sein Top-Niveau erreichen. Der Serbe spielt bisweilen großartig – und manchmal schrecklich.

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          An einem Morgen in München, sieben Tage vor dem ersten Spiel der Serie, die sie vermutlich verlieren werden, sitzt Ognjen Jaramaz mit seinem Mitspieler Vladimir Lučić in der Basketballhalle des FC Bayern und lacht. Er hat gerade gehört, wie Lučić, der Anführer, von ihm, dem Neuling, geschwärmt hat.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Und er hat gespürt, wie Lučić mit der Hand an seiner Hose gezupft und so getan hat, als ob er einen Geldschein entgegennehmen würde. Da musste sogar der sonst eher leise Jaramaz lauter lachen. Auch wenn dieser gute alte Gag in dem Moment witzig war, sollte man noch sicherheitshalber sagen: Spätestens seit dieser Saison muss man nicht bestochen werden, um von Ognjen Jaramaz, 26 Jahre alt und 1,93 Meter groß, zu schwärmen.

          18 Euro für einen Barça-Sieg

          An diesem Dienstag (21 Uhr bei MagentaSport) fangen für Jaramaz und den FC Bayern die Play-offs in der Euroleague an, dem anspruchsvollsten Wettbewerb des europäischen Basketballs. Sie spielen in der Viertelfinalserie gegen den Ersten der Hauptrunde: den FC Barcelona. Mindestens drei-, höchstens fünfmal. Wer drei Duelle gewinnt, kommt ins Final Four.

          In Barcelona, wo sie in dieser Woche am Dienstag und am Donnerstag antreten, warten auf sie so viele Spitzenspieler, dass es sinn- und witzlos ist, alle aufzuzählen. Man kann das Kräfteverhältnis daher auch mit Wettquoten darstellen. Setzt man fürs erste Spiel 100 Euro auf einen Sieg des FC Barcelona, kann man 18 Euro gewinnen. Setzt man 100 Euro auf einen Sieg des FC Bayern, kann man 370 Euro gewinnen. In den Wettbüros ist man sich einig, dass die Deutschen von diesem Dienstag an nichts mehr zu lachen haben.

          Wer in dieser Serie dennoch auf sie setzt, muss auch an Ognjen Jaramaz glauben. In seiner ersten Euroleague-Hauptrunde sammelte er im Schnitt sechs Punkte pro Spiel. Und obwohl in der Rückrunde seine Form, seine Minuten und seine Punkte gestiegen sind, stufen seine Saison-Statistiken sein Standing richtig ein: Auf der großen Bühne hat er eine kleine Rolle. Warum sollte man also an ihn glauben?

          „Großartige Ideen und schreckliche“: Ognjen Jaramaz ist noch dabei, sich anzupassen an das Niveau in München.
          „Großartige Ideen und schreckliche“: Ognjen Jaramaz ist noch dabei, sich anzupassen an das Niveau in München. : Bild: Imago

          Das kann man ohne Statistik sagen: Um gegen den FC Barcelona gewinnen zu können, müssen nicht nur die Anführer auf dem höchsten Niveau spielen, sondern auch die Neulinge. Wenn man wissen möchte, was man von Ognjen Jaramaz erwarten kann, muss man Vladimir Lučić fragen. Als Basketballprofis spielen sie auf unterschiedlichen Positionen – und haben doch einen ähnlichen Weg hinter sich. Sie kommen aus Serbien, wo sie bei Partizan Belgrad ausgebildet wurden.

          Im Sommer 2021 hat Jaramaz seine Heimat verlassen und ist nach München gezogen, wo Lučić seit fast sechs Jahren wohnt und nun von Jaramaz erzählt. Von einem jungen Mann, der erstmals in seinem Leben länger als sechs Monate in einem fremden Land mit einer fremden Sprache lebt. Und von einem jungen Spieler, der erstmals in seiner Karriere in der Euroleague mitmischt und dort wegen seiner schnellen ersten Schritte Wirbel auslösen kann. Lučić sagt: „Er macht, was er machen soll.“

          „Er ist ein tiefsinniger Mensch“

          „Er hat großartige Spiele gemacht. Und er hat schreckliche Spiele gemacht.“ Das sagt Andrea Trinchieri, der Cheftrainer des FC Bayern. Er, der Jaramaz bereits in Belgrad coachte, nennt ihn einen „Vol­ume“-Spieler, einen, der mit dem Ball in der Hand immer Ideen hat. Manchmal seien diese großartig. Manchmal schrecklich.

          Er sagt aber auch: „Wenn einer so viele Ideen und Aktionen hat, kann man nicht erwarten, dass er keine Fehler macht.“ Und dann ist da noch etwas, was der Trainer Trinchieri über den Spieler Jaramaz sagt: „Er ist ein tiefsinniger Mensch. Er hat beim Basketball die Tendenz, zu viel nachzudenken.“

          Ja, sagt Ognjen Jaramaz später, da ist wohl etwas Wahres dran. Er sei noch dabei, sich an das Niveau in München, das Niveau in der Euroleague anzupassen. Man sieht schon sein Durchsetzungsvermögen, wenn er, der kleiner und schwächer ist als viele, den Ball unter dem Korb trotz Körperkontakt in den Ring legt.

          Was für ein Spieler wird er wohl sein, wenn er sich angepasst hat? Sein Trainer sagt: „Es ist noch nicht sicher, wo sein Limit sein wird.“ Das kann man nicht nur über Ognjen Jaramaz, sondern auch über seinen Verein sagen. Vor einem Jahr ist der FC Bayern als erste deutsche Mannschaft überhaupt in diesem Modus in die Play-off-Runde der Euro­league eingezogen. Das hat er nun bestätigt – auch wenn er vom Ausschluss russischer Klubs wegen des Überfalls von Putin auf die Ukraine profitierte.

          Play-offs als Kür

          Wo das internationale Limit für die Bayern, die als Anteilseigner ein Startrecht in der Euroleague haben, sein wird, wird man wohl erst von Ende 2023 an sehen. Dann ziehen die Bayern in die neue Halle im Münchner Olympiapark, die ihnen neue finanzielle Möglichkeiten eröffnen könnte.

          Für den FC Bayern ist die Play-off-Runde der Euroleague noch Kür. Für den FC Barcelona ist sie Pflicht. Daher sagt Trinchieri: „Wenn sie gut spielen und wir gut spielen, werden sie gewinnen. Wenn sie gut spielen und wir exzellent spielen, können sie immer noch gewinnen.“

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