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Serbien im Basketball-EM-Check : Bereit für den großen Wurf

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Dirigent des serbischen Spiels: Milos Teodosic gilt neben dem Franzosen Tony Parker als bester Spielmacher bei der EM. Bild: Picture-Alliance

Nach WM-Silber 2014 will Serbien nun den Titel in Europa. Angeführt wird das Team von einem Spieler, der freiwillig auf einen Vertrag in der NBA verzichtet. FAZ.NET stellt den zweiten deutschen Gegner vor.

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          Nach dem zähen, aber erfolgreichen Turnierauftakt gegen Island erwartet die deutsche Mannschaft an diesem Sonntag (15.00 Uhr / Live im ZDF) mit Serbien die erste Herkulesaufgabe bei der Basketball-Europameisterschaft 2015. Das Team von Cheftrainer Aleksandar Djordjevic gewann 2014 Silber bei der WM; nur den amerikanischen NBA-Stars mussten sich die „Beli Orlovi“ („Weiße Adler“) geschlagen geben. Es war der größte Triumph seit der Abspaltung des Landes von Montenegro 2006. Zuvor hatte die Auswahl des serbisch-montenegrinischen Staatenbundes zwischen 1995 und 2002 drei EM- und zwei WM-Titel errungen.

          Spielplan, Termine, Zeiten der Basketball-EM 2015 finden Sie hier.

          Mit Spanien und Frankreich gingen die Serben als Favorit in die Endrunde. Zum Start kam es am Samstag zum direkten Aufeinandertreffen mit den Iberern, das Serbien 80:70 gewann. Nun soll das deutsche Team von Trainer Chris Fleming mit einem Sieg auf Distanz gehalten werden. FAZ.NET beantwortet zuvor die fünf wichtigsten Fragen:

          Wer ist der Mann mit dem Hundeblick?

          Der meist unrasierte Milos Teodosic ist Denker und Lenker im Spiel der Serben. Viele Experten halten ihn für den besten Aufbauspieler Europas – obwohl der 28-Jährige nie in der NBA gespielt hat. Stattdessen steht Teodosic in Russland bei Topklub ZSKA Moskau auf der Gehaltsliste. Einen Wechsel nach Amerika er trotz mehrerer Angebote stets abgelehnt.

          Mit seiner provozierend lässigen Spielweise wandelt Teodosic zwischen Genie und Wahnsinn – der orangefarbene Ball scheint dem Serben aber stets zu gehorchen. „Ich habe noch nie gesehen, dass er auf dem Spielfeld einen Fehler gemacht hat“, sagte Svetislav Pesic, Trainer von Bayern München, nach einer Niederlage gegen Moskau im vergangenen Jahr.

          Nemanja Bjelica (Bild rechts, im Duell mit Frankreichs Florent Pietrus) von Fenerbahce Ülker Istanbul war wertvollster Spieler der Euroleague.
          Nemanja Bjelica (Bild rechts, im Duell mit Frankreichs Florent Pietrus) von Fenerbahce Ülker Istanbul war wertvollster Spieler der Euroleague. : Bild: AFP

          Teodosic setzt seine Mitspieler mit klugen Pässen in Szene, kann aber auch selbst durch einen Distanzwurf für Gefahr sorgen. So war er bei der WM 2014 bester Korbjäger (13,6 Punkte im Schnitt pro Spiel) und als zuverlässigster Vorlagengeber (4,4 Assists im Schnitt pro Spiel). Seine fehlende Schnelligkeit macht er durch Cleverness weg. Einzig in der Verteidigung lässt der Aufbauspieler ab und an die Zügel schleifen und gewährt seinen Gegenspielern zu viel Raum – eine Chance für den explosiven Dennis Schröder.

          In der vergangenen Saison spielten, wie bei den Deutschen, zwei serbische Nationalspieler in der NBA. Ein Duell auf Augenhöhe?

          Nein. Zwar spielen die deutschen NBA-Exporte Dirk Nowitzki und Dennis Schröder tragende Rollen in Dallas und Atlanta, während die serbischen Center Ognjen Kuzmic (Golden State Warriors) und Miroslav Raduljica (Minnesota Timberwolves) nur Ergänzungsspieler waren. Doch während bei den Deutschen hinter den Amerika-Legionären ein deutliches Leistungsgefälle zu erkennen ist, bietet der serbische Kader eine breite Auswahl an Spielern von europäischen Topvereinen.

          Der sprunggewaltige Flügelspieler Nemanja Bjelica führte Fenerbahce Ülker Istanbul ins Halbfinale der Euroleague und wurde als wertvollster Spieler (MVP) ausgezeichnet. Nach der EM wechselt er zu den Minnesota Timberwolves in die NBA.

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