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Basketball-Kommentar : Deutsche Denker und Lenker

Gute Laune im Training: Elias Harris und Anton Gavel (Mitte) scherzen mit Bundestrainer Fleming (r.) Bild: dpa

Chris Fleming ist ein Mann der Tat – und verzichtet deswegen bei der Basketball-EM auf Chris Kaman. Richtig so. Denn mit Anton Gavel hat der Bundestrainer nun eine ganze Reihe hervorragender Spieler beisammen.

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          Länge läuft, konstatierte kürzlich Basketball-Bundestrainer Chris Fleming. Doch um die Kleinen, die Schnellen, die das Spiel organisieren, die wichtigsten Entscheidungen treffen und den Ball passen, wenn sie nicht selbst vollenden, steht es im deutschen Basketball schlecht. Sie bekommen, wenn sie sich aus unteren Ligen hochgearbeitet haben, nicht ausreichend Spielzeit, nicht ausreichend Vertrauen, um sich zu verlässlichen Größen von internationalem Format entwickeln zu können.

          Spielplan, Termine, Zeiten der Basketball-EM 2015 finden Sie hier.

          Fast durchweg setzen ihre Trainer in der Bundesliga Profis aus Amerika oder vom Balkan an ihrer Stelle ein; die sind quasi schon „fertige Spieler“, haben mehr Erfahrung, bessere Nerven, und preiswert sind sie auch. Die wenigsten Klubs können sich – im doppelten Sinne – einen jungen Deutschen auf der Denker-und-Lenker-Position des Basketballs leisten.

          Entscheidung von besonderer Konsequenz

          Fleming ist ein Mann der Tat – und verzichtet in seiner Auswahl auf Chris Kaman. Der 2,13 Meter lange amerikanische Center der Portland Trail Blazers hat eine deutsche Großmutter, einen deutschen Pass und spielte schon 2008 bei den Olympischen Sommerspielen von Peking im deutschen Team. Nun sind Dirk Nowitzki und Dennis Schröder ohne ihn aus Amerika gekommen, und Fleming hat gemeinsam mit dem deutschen Verband durchgesetzt, dass Anton Gavel für Deutschland spielen darf: ein Aufbauspieler von nur 1,89 Meter Größe, aber mit phänomenaler Einsatzbereitschaft und großem Spielverständnis.

          Diese Entscheidung ist einerseits von besonderer Konsequenz: Wie in der Liga brauchen solche Spieler Protektion, um sich entfalten zu können. Die Einbindung in die Nationalmannschaft ist aber auch ein Zeichen von Normalität. Gavel ist mit fünfzehn Jahren nach Karlsruhe gekommen, hat dort Abitur gemacht und lebt inzwischen länger in Deutschland als irgendwo sonst. Vor zweieinhalb Jahren hat er in Bamberg die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen, um seinem damaligen Coach – Fleming – die Verpflichtung eines ausländischen Spielers mehr zu ermöglichen.

          Inzwischen spielt Gavel für die Bayern und wird, obwohl er bereits mehr als neunzig Mal für die Nationalmannschaft seines Geburtslandes Slowakei am Ball war, bei der Basketball-EM im September für Deutschland spielen. Fleming hat sich damit eine Riege von hervorragenden Point Guards zusammengestellt: den aufgehenden Stern Dennis Schröder von den Atlanta Hawks, das am College in New York entdeckte Berliner Talent Maodo Lo, Altmeister Heiko Schaffartzik von Bayern München und nun auch noch dessen ziemlich besten Freund Anton Gavel. Drei Wochen vor dem ersten EM-Spiel ist das für die deutsche Mannschaft der erste Gewinn.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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