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Basketball-EM : Kurzes Hoch, harte Landung

Mit dem Kopf durch die Wand: Lucca Staiger und das deutsche Team sind gescheitert Bild: AP

Nach einem 74:81 gegen Großbritannien muss sich die deutsche Nationalmannschaft von der Basketball-EM verabschieden. Der Traumstart ins Turnier bleibt eine Episode.

          Zum Schluss passten die britischen Basketballspieler kreuz und quer übers Feld und rannten vor ihren Gegenspielern davon. Es ging nur noch um Zeitgewinn. Sie wussten, dass ihre deutschen Gegenspieler sie mit taktischen Fouls zu Freiwürfen bringen und so in Ballbesitz kommen wollten. Denn auch dieses Spiel hatte die deutsche Mannschaft längst verloren. Mit 74:81 ist die Mannschaft um Aufbauspieler Heiko Schaffartzik am Sonntag aus der Europameisterschaft in Slowenien ausgeschieden. Einerlei, wie ihr Spiel gegen Israel an diesem Montag (14.30 Uhr, live in der ARD) ausgeht: Mit einem Sieg gegen Frankreich und Niederlagen gegen Belgien, die Ukraine und das bestenfalls zweitklassige britische Team verpassten die Deutschen die Zwischenrunde deutlich. „Die Franzosen sind nicht unser Niveau“, resümierte Bundestrainer Frank Menz nach der Partie zur Bilanz seiner EM-Expedition. „Die anderen sind die Gegner, an denen wir uns orientieren.“ Trotz vieler vielversprechender Ansätze ist das Abschneiden der mit acht Neulingen angetretenen deutschen Auswahl eine Enttäuschung.

          Ein schwarzer Tag für Schaffartzik

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Wieder hatten die Deutschen schnell geführt und sich acht Punkte Vorsprung herausgespielt. Doch dann erarbeiteten sich die Briten die Partie. Überragende Spieler waren mit 23 Punkten Andrew Lawrence, der in North Carolina aufs College geht, und mit 21 Myles Hesson, der zur kommenden Saison von Ulm nach Gießen, aus der ersten in die zweite deutsche Liga wechselt. Die beiden mussten neben dem in Spanien engagierten Center Daniel Clark (17 Punkte, davon vier Dreier sowie 7 Rebounds) für den Erfolg sorgen, weil Luol Deng von den Chicago Bulls, Joel Freeland von den Portland Trail Blazers sowie Mensah Bonsu Pops, auch er mit vielfältiger NBA-Erfahrung und zuletzt in Mailand engagiert, der olympischen Erfahrung von London 2012 eine Pause statt der EM-Teilnahme folgen ließen. Das ist für das britische Team nicht nur kameradschaftlich eine Enttäuschung. Die Mannschaft steht im Gegensatz zur deutschen unter stärkerem Druck, weil sie nur unter der Bedingung weiterhin mit Steuergeld gefördert wird, dass sie die Zwischenrunde der EM erreicht.

          Harte Manndeckung: Deutschlands bester Werfer Robin Benzing konnte die Niederlage nicht verhindern

          Noch am Wochenende hatten die deutschen Flügelspieler Lucca Staiger und Aufbauspieler Per Günther gefordert, mehr am Spiel beteiligt zu werden, um dem scheinbar übermächtigen Mannschaftskapitän Heiko Schaffartzik ein wenig von seiner Arbeit abzunehmen und endlich auch als Mannschaft erfolgreich zu sein. Die Übung misslang. Zwar schaffte es die Mannschaft endlich, Center Tibor Pleiß mehr einzusetzen; er erzielte 20 Punkte und holte 14 Rebounds. Doch Schaffartzik, vom Aufbau entlastet durch Günther und auf den Flügel gewechselt, hatte einen schwarzen Tag. Lediglich zwei seiner neun Schüsse fanden ins Ziel; mit nur einem Assist, neun Punkten und fünf Rebounds verlor er auch die Führung als erfolgreichster Passgeber der Europameisterschaft, die er trotz zweier Niederlagen nach drei Spieltagen inne gehabt hatte. Dabei mühte er sich rastlos: lediglich 73 Sekunden Pause waren ihm in der Partie gegen Großbritannien gegönnt.

          Überraschung mit kahl geschorenem Schädel

          Auch Robin Benzing, mit im Schnitt mehr als 20 Punkten pro Spiel die Nummer eins der Korbschützen in der EM-Statistik, verlor mit 12 Punkten die Pole Position der europäischen Profis. Die Briten, hervorragend von ihrem auch in der NBA aktiven Trainer Joe Prunty eingestellt, hatten ihre Angriffe auf ihn konzentriert und damit Fouls provoziert. Benzing verbrachte, um nicht disqualifiziert zu werden, fast das halbe Spiel auf der Bank. Dazu kamen die Aufgeregtheit und die - man muss wohl sagen - Stockfehler der jungen deutschen Spieler. Sie hatten 15 Ballverluste, mehr als doppelt so viele wie die Briten. Per Günther kam in gut 22 Minuten Spielzeit auf 6 Punkte und keine einzige erfolgreiche Vorlage, der Dreier-Schütze Lucca Staiger kam mit einem Distanzwurf und zwei Korblegern auf sieben Punkte; er gab zwei Vorlagen und holte zwei Rebounds. Niels Giffey von der Universität in Connecticut, vielversprechender Flügelspieler der jungen Auswahl, traf bei acht Versuchen zwei Mal und holte fünf Rebounds.

          Das Zeug zur Überraschung hatte der mit 28 Jahren älteste Debütant im deutschen Team, Alex King. Der in München geborene Neu-Berliner demonstrierte seine Entschlossenheit mit einem seit Sonntag kahl geschorenen Schädel. Deren Wirkung hielt etwa zehn Minuten an. Der sonst in der Defensive ausgelastete King sorgte nach seiner Einwechslung im ersten Viertel unterm Korb und aus der Distanz für vier Treffer. Innerhalb von nur drei Minuten erzielte er 9 seiner insgesamt 11 Punkte, ein entscheidender Beitrag zum 23:16 zum Schluss des ersten Viertels. Dann gingen, wie in drei der bisher vier Spiele der Europameisterschaft, Spielfluss, Treffsicherheit und damit auch die Partie verloren.

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