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Basketball-EM in Slowenien : Showdown in der „grünen Hölle“

  • -Aktualisiert am

Die Slowenen wollen es wissen: Nun stehen sie im Halbfinale Bild: AFP

Vor der Heim-EM hatten nur wenige die Slowenen auf der Rechnung. Aber die Experten haben die Rechnung ohne die Fans gemacht. Nun kommt es im Viertelfinale am Mittwoch (21.00 Uhr) gegen Frankreich zum Showdown.

          In der Stozice-Arena von Ljubljana kann einem schon einmal grün vor Augen werden. Die Fußböden auf den Gängen sind grün lackiert, die Wände sind im selben grellen Grünton gestrichen, und auch die Sitzschalen sind grün. Eigentlich ist es kein Wunder, dass die slowenische Basketball-Nationalmannschaft sich in ihren grün-weißen Trikots in dieser Umgebung pudelwohl fühlt und sich anschickt, bei der Europameisterschaft im eigenen Land Sportgeschichte zu schreiben.

          Die von der serbischen Trainerlegende Bozidar Maljkovic trainierten Slowenen haben in der Vorrunde den Titelverteidiger Spanien bezwungen, haben in der Zwischenrunde Italien die erste Turnierniederlage beigebracht und den Favoriten Griechenland aus dem Turnier geworfen.

          Vor der EM hatten nur wenige die Slowenen auf der Rechnung, weil das Team mit einem Durchschnittsalter von 28,6 Jahren als das drittälteste des Turniers seinen Zenit schon überschritten zu haben schien und zudem nicht vollzählig ist. Power Forward Matjaz Smodis hat seine Karriere beendet, Spielmacher Beno Udrih wollte sich lieber auf seine nächste NBA-Saison mit den New York Knicks vorbereiten, und Center Erazem Lorbek (FC Barcelona) ist verletzt. Entsprechend führte die offizielle EM-Homepage die Slowenen in ihrem „Power-Ranking“ vor dem EM-Start nur auf Rang fünf – hinter den großen Favoriten Griechenland, Litauen, Spanien und Frankreich.

          Aber die Experten hatten die Rechnung ohne die slowenischen Fans gemacht. „Vor diesen Fans können wir gar nicht verlieren“, geriet Spielmacher Goran Dragic ins Schwärmen, nachdem die Stozice-Arena für den Favoriten Griechenland zur „grünen Hölle“ geworden war. Auch für den letztjährigen Bamberger Bostjan Nachbar, der in der kommenden Saison für den FC Barcelona spielen wird, sind die slowenischen Fans der entscheidende Trumpf. „Das sind sehr kluge Fans, die alle eine Basketball-Erziehung haben.“

          Auch auf die Künste von Spielmacher Goran Dragic wird es ankommen

          Tatsächlich kann man bei den Spielen der slowenischen Mannschaft beobachten, dass ihre Anhänger das Spiel verstehen. So entsteht eine Wechselwirkung zwischen der Mannschaft, die ihre Fans mit schnellem Spiel begeistert, und den Anhängern, die genau spüren, wann und wie sie ihr Nationalteam anfeuern müssen. Dieses Basketball-Verständnis kommt nicht von ungefähr.

          Schon am Straßenbild in Ljubljana kann man ablesen, dass Basketball in Slowenien hinter Fußball die populärste Sportart ist. In fast jedem Straßencafé laufen die Live-Übertragungen aus der Stozice-Arena, so dass man entlang der Ljubljanica von einer Bar zur nächsten flanieren kann und doch stets über das Geschehen in der Arena auf dem Laufenden ist. Die kompetenten TV-Kommentatoren analysieren die Spiele in der Halbzeit und nach dem Schlusspfiff sehr anschaulich. Wer noch kein Basketball-Experte ist, wird hier in drei EM-Wochen allein vom Fernsehschauen zu einem.

          Alles so grün hier: Die Fans unterstützen die Spieler nach Kräften

          Am häufigsten fallen die Namen der Brüder Goran und Zoran Dragic, die mit ihrem athletischen und aggressiven Spiel das Bild der slowenischen Auswahl prägen. Vor allem Spielmacher Goran Dragic ist mit im Schnitt 15,3 Punkten und 4,4 Assists sowie starker Verteidigung drauf und dran, die EM 2013 als überragender Akteur zu seinem Turnier zu machen. Vor fünf Jahren von den Portland Trailblazers gedraftet und zu den Phoenix Suns abgegeben, gilt der mittlerweile 27-Jährige in der amerikanischen Profi-Liga NBA als Spätzünder.

          Bei den Suns kam er im Schatten des übermächtigen Steve Nash zunächst überhaupt nicht zum Zug und wurde 2011 an die Houston Rockets abgeschoben, wo es aber auch nicht viel besser lief. Doch als Nash vor einem Jahr zu den Los Angeles Lakers wechselte, erinnerten sich die Suns an ihren früheren Hoffnungsträger und holten ihn mit einem üppigen Vierjahresvertrag (35 Millionen Dollar) zurück. Wohl wissend, dass dies wohl seine letzte Chance in der NBA war, steigerte sich Goran Dragic in einer phänomenalen Saison, war mit im Schnitt 14,7 Punkten und 7,4 Assists ein Lichtblick in einem schwachen Suns-Team und präsentiert sich nun auch bei der EM im eigenen Land als ein Spielmacher, der es versteht, mit viel Herz das gesamte Team mitzureißen.

          Alle Augen sind am Abend auf das Viertelfinale gegen Frankreich gerichtet

          Zusammen mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Zoran, der für den spanischen Europaligaklub Unicaja Malaga spielt, durchlöchert Goran Dragic in Ljubljana mit seinen Zügen zum Korb die gegnerischen Verteidigungen und öffnet damit die Räume für Bostjan Nachbar und Domen Lorbek, der mit einer Trefferquote von 58 Prozent der beste Dreierschütze in Ljubljana ist.

          An diesem Mittwoch (21.00 Uhr) kommt es im Viertelfinale gegen Frankreich nun zu einem Showdown, der alle bisherigen Spiele bei der EM in den Schatten zu stellen verspricht. Auch die Franzosen lieben nämlich das schnelle und athletische Spiel, und sie haben in Tony Parker einen der großen NBA-Stars als Spielmacher. Wenn Dragic und Co. auch diese Hürde meistern, ist für die Slowenen alles möglich. Nach dem Gewinn eines EM-Titels würden sie in Ljubljana dann wahrscheinlich sogar die ganze Stadt grün anstreichen.

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