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Basketball-EM : Deutschland wacht viel zu spät auf

Nowitzki war mit 25 Punkten bester Werfer Bild: (c) AP

Das deutsche Basketball-Team findet gegen Serbien zunächst kaum ins Spiel. Nach der 64:75-Niederlage geht es ohne Punkte in die Zwischenrunde der Europameisterschaft.

          3 Min.

          Auf dem Feld schimpfte Dirk Nowitzki über die Nachlässigkeit seiner Mannschaftskameraden und gestikulierte verärgert mit Bundestrainer Dirk Bauermann. Postwendend nahm der den verunsicherten Tim Ohlbrecht aus dem Spiel. Doch nahm dem Spiel nahm Nowitzki, ganz der Champion der NBA und der überragende Spieler seines Teams, die Schuld für die 64:75-Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien bei der Basketball-EM auf sich.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Das meiste geht auf meine Kappe. Ich habe am Anfang ein zwei, drei Schüsse nicht getroffen und einen ganz offenen Korbleger mit links verlegt“, sagte der 33jährige. „Ich habe heute ein bisschen viel geschossen, weil ich gesehen habe, dass von den anderen nichts kam. Da habe ich ein wenig forciert, das war mein Fehler.“

          Hut ab. Nowitzki erzielte immerhin 25 Punkte, so viele wie niemand anders im Spiel. „Wir haben hart gekämpft, aber jedes Mal, wenn es galt, haben wir dumme Fehler gemacht“, sagte er. Zwar hatte die deutsche Basketball-Nationalmannschaft durch die Niederlage der Italiener gegen die Franzosen schon vorher die Zwischenrunde erreicht, die am Mittwoch in der litauischen Hauptstadt Wilnius beginnt und weitere Spiele gegen Spanien, Litauen sowie die Türkei oder Polen bringt. Doch durch die ernüchternde Niederlage gegen Serbien steht sie bei ihrer Mission Olympia-Qualifikation buchstäblich mit leeren Händen da. Die bisherigen Siege über Israel und Italien sind für die Zwischenrunde wertlos; nur Punkte gegen Teams, die ebenfalls weiterkommen, zählen.

          Doch auch der NBA-Star konnte die Niederlage nicht verhindern
          Doch auch der NBA-Star konnte die Niederlage nicht verhindern : Bild: dpa

          „Da wird es einige Gespräche unter vier Augen geben“

          Zweieinhalb Minuten brauchten die Serben, da führten sie schon 9:0. Zwei Treffer des 2,13 Meter langen Nenad Krstic von den Oklahoma City Thunder, ein Distanzschuss des überragenden Aufbauspielers Milos Teodosic und ein Korbleger von Milenko Tepic setzten den Ton. Das deutsche Team fand zunächst überhaupt nicht ins Spiel. „So eine Anfangsphase geht natürlich überhaupt nicht. Einige waren mit dem Kopf nicht ganz da. Dabei hat der größte Star am meisten gekämpft, das hätte die anderen mitreißen müssen“, sagte Bauermann und kündigte eine dementsprechende Aufarbeitung der Niederlage an: „Da wird es einige Gespräche unter vier Augen geben, so wie es sich gehört.“

          An dem Rückstand aus der Anfangsphase arbeiteten sich die deutschen Nationalspieler bis zum Ende des Spiels ab. 10:17 betrug ihr Rückstand nach dem ersten Viertel, vor allem dank einer Fehlwurfquote von 76 Prozent: Die Deutschen feuerten zwar aus jeder Lage, allen voran Nowitzki (1 Treffer bei 6 Versuchen) und Schaffartzik (2/6), doch 13 von 17 Schüssen gingen daneben. In die Halbzeit gingen die Deutschen mit 28:38, doch Nowitzki, ihr Bester, hatte sich nach einer Verschnaufpause auf der Bank endlich eingeschossen. Zehn Punkte trug er zu den 18 bei, die seine Mannschaft im zweiten Viertel gelangen.

          Bis auf 18 Punkte stieg der Rückstand sogar an, den Nowitzki mit einem 10:0-Solo im letzten Viertel eigenhändig reduzierte. Knapp drei Minuten vor dem Spielende schien sogar die für unmöglich gehaltene Wende möglich, als die deutsche Auswahl bis auf fünf Punkte (61:66) herangekommen war . Ein angebliches Offensivfoul von Kaman aber, noch dazu sein fünftes, stoppte den Aufschwung, und diese Entscheidung sorgte für großes Unverständnis bei Bauermann.

          „Wir müssen jetzt jedes Spiel angehen, als ob es das letzte wäre“

          „Das war hohe Schauspielkunst, und so erfahrene Schiedsrichter müssen das einfach sehen“, sagte der Bundestrainer, der ebenfalls bemängelte, dass in dieser Phase ein deutliches Foul an Nowitzki übersehen worden war: „Das Spiel hätte noch kippen können. Das eine tolle Energieleistung im letzten Viertel, aber dann müssen alle mitspielen, auch die Schiedsrichter.“ Was Bauermann in der Schlussphase aber ebenfalls nicht übersehen hatte, waren unnötige Fehler in der Abwehr. „Da haben wir einfach nicht clever verteidigt.“

          Ohne Punkte muss das deutsche Team nun nach dem abschließenden und für die Zwischenrunde bedeutungslosen Gruppenspiel gegen Lettland an diesem Montag (16.45 Uhr) in die Zwischenrunde gehen. „Die beiden Niederlagen gegen Frankreich und Serbien tun natürlich weh, denn in beiden Spielen wäre was drin gewesen“, sagte Nowitzki. „aber in den entscheidenden Momenten hat uns die Abgezocktheit gefehlt“. Der NBA-Star baut darauf, dass seine Mitspieler schnell lernen: „Man braucht solche Spiele, um Erfahrungen zu sammeln und es trotz aller Video-Vorbereitung am eigenen Körper zu spüren“, sagte er. Der Weg zu einer möglichen Olympia-Qualifikation ist noch weit, aber das Ziel ist für Bauermann immer noch erreichbar: „Wir müssen jetzt jedes Spiel angehen, als ob es das letzte wäre. Dann sind noch Dinge möglich, die uns viele nicht mehr zutrauen.“

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