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Niederlage gegen Litauen : Deutsche Basketballer verpassen Gruppensieg

Die deutschen Basketballer verlieren gegen Litauen und treffen im Achtelfinale auf Frankreich. Bild: AP

Die deutschen Basketballer haben zum Abschluss der Vorrunde gegen Litauen verloren und den Gruppensieg verpasst. Zur Strafe geht es im Achtelfinale am Samstag schon früh los.

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          Deutschland hat sein letztes Vorrundenspiel der Basketball-Europameisterschaft gegen Litauen 72:89 verloren. Der Einzug ins Achtelfinale stand jedoch schon vorher fest: Am Samstag (11.15 Uhr/Telekom) geht es als Gruppenzweiter in Istanbul nun gegen Frankreich. Die Deutschen zeigten wie in der gesamten Vorrunde in Israel nun auch gegen einen Titelanwärter wie Litauen, dass sie den Abstand zur Weltklasse weiter verringert haben. Aber auch, dass es noch ein weiter Weg ist.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Während des gesamten Spiels hatte Deutschland den Litauern vor allem beim Rebound nichts entgegenzusetzen. Selbst unter dem eigenen Korb holten die deutschen Innenspieler im ersten Viertel sogar weniger Rebounds als Litauen. Im Gegensatz zum vorherigen Gegner Italien spielten die Litauer vorrangig im Low-Post, versuchten also mehr in der Zone als von außen zu punkten. Auch ihre großen Aufbauspieler suchten immer wieder den Weg zum Brett, trafen indes auch aus dem Halbfeld deutlich sicherer als Deutschland. Die Deutschen bekamen die Center Jonas Valanciunas (27 Punkte, 15 Rebounds) und Donatas Motiejunas nicht in den Griff. Vor allem Valanciunas wirkte stellenweise wie ein Erwachsener zwischen großgewachsenen Jugendspielern.

          Schröder hält Deutschland im Spiel

          Doch die Deutschen kämpften sich ins Spiel. Und es war ausgerechnet der erst 19 Jahre und 2,13 Meter große Isaiah Hartenstein, der sich mit zehn Punkten und vier Rebounds dagegen stemmte und Valanciunas kurzzeitig etwas bremsen konnte. Hartenstein, auf dem Weg in die NBA, hat das letzte Jahr in Litauen verbracht. Im Spiel blieb die deutsche Auswahl aber vor allem, weil Dennis Schröder (26 Punkte) seine Stärken phasenweise wieder ausspielte.

          Gegen Schröders so explosive Züge zum Korb fanden die großen Litauer zunächst kaum ein Mittel. Allein im zweiten Viertel erzielte der Aufbauspieler der Atlanta Hawks zwölf Punkte gegen in dieser Phase allerdings auch nachlässig verteidigende Litauer. Wie schon in den Spielen gegen Georgien und Italien zeigte Schröder, dass er nicht nur der konstant beste Schütze seines Teams ist, sondern auch kämpfen, verteidigen kann. Starallüren lässt er während der Spiele höchstens die Schiedsrichter spüren, die ihm während des gesamten Turniers bislang nichts schenkten.

          Gegen Litauen bewies Schröder auch defensiv über einige Zeit, dass er sich weiterentwickelt hat und auf dem besten Weg ist, ein Weltklassespieler zu werden. Zusammen mit Karsten Tadda und Robin Benzing biss sich Schröder in der ersten Halbzeit an den nominell starken litauischen Distanzschützen fest und hielt den Gegner zur Halbzeit bei einer Dreierquote von nur 18 Prozent.

          Doch nach der Pause zeigten die Litauer ihre individuelle Überlegenheit. Litauen traf auch mit seinen Dreier-Punkte-Versuchen wieder und zog auf 72:60 davon. Im vierten Viertel funktionierte aus deutscher Sicht dann nicht mehr viel. „Wir wurden unter dem Korb physisch dominiert“, sagte der deutsche Cheftrainer Chris Fleming nach dem Spiel: „Aber wir waren auch nicht fokussiert genug.“

          Bis zum Achtelfinalspiel gegen die im Turnier bislang durchwachsen spielenden Franzosen am kommenden Samstag bleibt Zeit, am Spiel zu feilen. „Es sind noch ein paar Tage, wir werden unsere Offensive einspielen und dann sehen wir, wo es noch hingehen kann“, sagte Fleming. Abermals bemängelte der deutsche Trainer die vielen ausgelassenen Möglichkeiten bei eigenem Ballbesitz. Die deutsche Dreier-Trefferquote lag diesmal bei schwachen 24 Prozent.

          Wo es in diesem Turnier für Junges Team mit Perspektive

          die Deutschen noch hingehen kann, hängt auch davon ab, wie verlässlich Schröders Nebenleute punkten. In der Vorrunde sammelten jeweils verschiedene Mitspieler Punkte, und auch auf seine „Bank“ kann sich Fleming verlassen. Gut funktionierten die Anspiele Schröders aus dem Pick and Roll auf Voigtmann, der am Mittwoch neun Punkte erzielte. Doch es fehlt die Konstanz. „Wir haben in der Vorrunde in Israel gut gelernt“, sagte Fleming. Dies betrifft vor allem die Defensive, abgesehen von der unzureichenden physischen Präsenz.

          Sollte es in Istanbul mit der Offensive weiterhin nicht recht klappen, bleiben theoretisch genug Jahre für die Deutschen, sich weiter einzuspielen: Schröder ist erst 23, Voigtmann 24, Daniel Theis 25 Jahre alt. Wiederholt lobten Trainer Fleming und Kapitän Benzing den Teamgeist. „Früher hieß es immer, wir hätten eine zu alte Mannschaft, jetzt, dass sie zu jung und unerfahren sei – ich denke, man sollte auch Geduld mitbringen“, sagte der Präsident des deutschen Basketball-Bundes Ingo Weiss.

          Doch ob die deutsche Nationalmannschaft auch in Zukunft mit den besten Profis antreten darf, ist derzeit mehr als fraglich. Zwar wird der neue Bundestrainer Henrik Rödl sein Amt nach der Europameisterschaft im Gegensatz zu Fleming als Vollzeitberuf ausüben. Doch von diesem Herbst an werden Qualifikationsspiele parallel zur privatwirtschaftlichen Euroleague und der NBA ausgetragen, zum Beispiel im November. Die deutschen NBA-Profis, von Schröder bis Theis, werden in diesen Wochen sicher nicht die Erlaubnis von ihren Klubs erhalten, aus dem Spielbetrieb der Liga auszusteigen. Erst zu den Endrunden-Turnieren im Sommer könnten sie wieder dabei sein. Falls sich das Team denn ohne sie qualifiziert.

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