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Basketball-EM : Deutschland verliert gegen Titelverteidiger Spanien

Zwei NBA-Stars auf Augenhöhe: Nowitzki und Gasol Bild: dapd

Die Deutschen liefern bei der Basketball-EM Favorit Spanien einen beherzten Kampf. Am Ende aber hat der Titelverteidiger mit 77:68 die Nase vorne. Nun muss das Team um Dirk Nowitzki die nächsten beiden Spiele gewinnen.

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          Dirk Nowitzki schrie nach dem Ball. Doch als der Pass kam, saß ihm Pau Gasol mit aller Macht seines 2,15 Meter langen Körpers derart im Nacken, dass Nowitzki der Ball versprang. Ein Spanier schnappte zu - Gegenangriff.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          So gut wie noch nie bei dieser Basketball-Europameisterschaft hat die deutsche Nationalmannschaft am Mittwoch in Vilnius gespielt, und doch fand sie in Spanien ihren Meister. 68:77 unterlagen der 2,13 Meter lange Dirk Nowitzki und sein Team dem Titelverteidiger und EM-Favoriten, in dessen Reihen sechs Profis aus der NBA spielen.

          Diese dritte Niederlage - nach denen gegen Frankreich und Serbien in der Vorrunde - lässt die Deutschen zwar immer noch ohne Punkte am Ende der Zwischenrundengruppe B stehen. Doch sie lässt es zumindest nicht aussichtslos erscheinen, dass die Mannschaft mit Siegen über den Weltmeisterschafts-Zweiten Türkei, der in seinem ersten Zwischenrundenspiel den Franzosen 64:68 unterlag, und Gastgeber Litauen das Viertelfinale erreichen könnte.

          Nowitzki ist wieder bester deutscher Werfer, zum Sieg reicht das aber nicht Bilderstrecke
          Nowitzki ist wieder bester deutscher Werfer, zum Sieg reicht das aber nicht :

          „Es ist sicher hilfreich, dass wir am Freitag zuerst gegen die Türkei spielen“, sagte Bundestrainer Dirk Bauermann - schließlich hat sein Team die Türken zuletzt zweimal bezwungen. „Wir haben hervorragende Chancen, dort den ersten Sieg in der Zwischenrunde zu holen.“

          „Als es drauf ankam, haben wir ein paar Fehler gemacht“

          Das soll auch mit Hilfe der Einwechselspieler gelingen, die gegen Spanien zeigten, dass sie bereit und fähig sind, Verantwortung und freie Schüsse zu übernehmen und damit ihren Superstar Nowitzki zu entlasten. Robin Benzing erzielte zehn Punkte, Johannes Herber, Steffen Hamann und Heiko Schaffartzik je sieben.

          Chris Kaman, der amerikanische Center im deutschen Team, kam auf 15 Punkte und zwölf Rebounds, stand aber auch für den Schwachpunkt im deutschen Team: Er allein hatte fünf Ballverluste. Hamann trug vier Turnovers bei, Nowitzki und Schaffartzik je drei - ein Beleg für den Druck, den die spanischen Spieler auf sie ausübten. Sie hatten nur acht Ballverluste, halb so viele wie die Deutschen. „Als es drauf ankam, haben wir leider ein paar Fehler gemacht“, sagte Nowitzki. „Und die Spanier haben die wichtigen Dinger immer getroffen.“

          Dirk Nowitzki verteidigt großartig gegen Pau Gasol

          Man kann den Ernst, mit dem die Spanier ihren sechsten Sieg über Deutschland seit der Halbfinalniederlage bei der EM 2005 erkämpften, durchaus als Anerkennung verstehen. In der Vorrunde hatten sie die Türken weniger ernst genommen und verloren. Im Mittelpunkt der Partie am Mittwoch stand das Duell zwischen Nowitzki, mit den Dallas Mavericks Champion der NBA, und Pau Gasol, der in den beiden Vorjahren mit den Los Angeles Lakers den Titel gewonnen hatte. Der körperbetonte Einsatz des Spaniers führte zu einer Fingerverletzung von Nowitzki, wütenden Protesten von ihm und zu Pfiffen von den Rängen der halbleeren Arena in Vilnius.

          Zwar verteidigte Nowitzki großartig. Pau Gasol traf in der ersten Hälfte bei vier Versuchen nicht einmal. Doch zum einen sorgten neben Marc Gasol, dem kleinen, 2,13 Meter großen Bruder von Pau, auch Juan Carlos Navarro (14 Punkte) und Fernando San Emeterio mit zwei Dreiern (12 Punkte) für Ausgeglichenheit im Team des Titelverteidigers. Und zum anderen schoss auch Nowitzki von seinen 17 Versuchen mehr als die Hälfte daneben; er traf nur siebenmal.

          „Im dritten Viertel waren wir genau da, wo wir hinwollten“

          Dennoch lag die deutsche Mannschaft zur Halbzeit nur 33:36 zurück. Nowitzki kam mühsam ins Spiel, nur einer seiner vier Schüsse im ersten Viertel (zum 12:8), nur einer von fünf im zweiten Viertel (20:26) fand sein Ziel. Mit vier Freiwürfen hatte er nach zwanzig Minuten neun Punkte erzielt.

          Nach zwölf Minuten hatte die deutsche Mannschaft noch mit acht Punkten zurückgelegen, doch innerhalb von fünf Minuten gelang es ihr dann, aus einem 18:26 ein 27:26 zu machen (17.). Von da an blieb der Vorsprung der Spanier knapp. „Im dritten Viertel waren wir genau da, wo wir hinwollten“, sagte Nowitzki. Doch dann brachten sie sich selbst um den möglichen Sieg. Den letzten Korb gönnte sich Pau Gasol und glich mit einem Dunk im persönlichen Vergleich mit Nowitzki aus: Beide erzielten 19 Punkte.

          „Man hat gesehen, wie sehr diese Mannschaft am Leben ist“

          Der 1,85 Meter kleine deutsche Aufbauspieler Heiko Schaffartzik sauste nicht nur wieselflink zwischen den Langen herum, er holte auch Rebounds, passte klug und traf. Seine fünf Punkte im ersten Viertel übertraf nur der Spanier Marc Gasol mit sieben Zählern.

          Um seine geringe Größe zu kompensieren, spielten er und Steffen Hamann häufig gemeinsam, um aus den körperlichen Nachteilen einen Vorteil zu machen, wie Bauermann gehofft hatte. Der Bundestrainer freute sich trotz der Niederlage: „Man hat gesehen, wie sehr diese Mannschaft am Leben ist, wie sehr sie ihre Ziele erreichen will.“

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