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Basketball-EM : Deutsche Korbjäger verlieren gegen Belgien

In Bedrängnis: Robin Benzing wird von dem Belgier Axel Hervelle (2. v.r.) attackiert Bild: AP

Gegen Frankreich hatten sie noch einen Überraschungscoup gelandet, doch im zweiten Spiel läuft es für die deutschen Basketballer bei der EM weniger gut: Sie verlieren gegen Belgien.

          21 Stunden: Das ist die Halbwertzeit des Coups von Slowenien gewesen. Am Abend nach dem überraschenden Sieg, dem überragenden Spiel der deutschen Basketball-Nationalmannschaft bei der Basketball-EM gegen Frankreich (80:74), verloren die jungen Profis am Donnerstag gegen einen Nobody: 73:77 gegen Belgien, in einem dramatischen Spiel, in der Verlängerung. Da folgte dem Verbot der Freude am Vortag prompt Trübsal. „Wir dürfen nicht übermütig werden und sagen: Wir haben Frankreich geschlagen, wer soll uns jetzt noch stoppen?“, hatte Center Tibor Pleiß gefordert und die Marschroute seines Trainers Frank Menz übernommen: nur nicht abheben. „Wir waren so hoch geflogen“, sagte Menz am Donnerstag, „da war es schwer, der Intensität der Belgier stand zu halten.“ Die deutschen Basketballspieler landeten hart in der Realität. Am späten Mittwochabend gegen die französischen NBA-Stars noch treffsicher, kreativ, aggressiv in der Verteidigung, verloren sie am frühen Donnerstagabend im zweiten Viertel gegen Belgien die Kontrolle (10:21). Sie kämpften sich heran, bewiesen Nervenstärke, als Lucca Staiger per Dreier zur Verlängerung traf (63:63). Das ist nicht schlecht für ein so unerfahrenes Ensemble. Aber weniger, als die Spieler von sich erwartet hatten. „Unsere Aufgabe besteht jetzt darin, das Spiel abzuhaken“, sagte Tibor Pleiß.

          „Das nächste Mal werde ich ihn reinhauen“

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Wie am Vorabend war er der Ruhepol des Teams, doch zu gleicher Leistung fand mit 24 Punkten allein Flügelspieler Robin Benzing. Im Gedächtnis bleibt eine Szene, die entscheidende, gut drei Sekunden vor dem Ende der Verlängerung: Schaffartzik verwirft zwei Freiwürfe (73:75), Pleiß kommt zum Rebound. Doch statt den Ball mit Wucht in den Korb zu schmettern, versucht der 2,18 lange Pleiß ihn über das Brett in den Korb werfen - vorbei. Vorbei die Hoffnung, mit zwei Siegen ins Turnier zu starten. „Das war unglücklich“, kommentierte er die Szene, in der ihn sein verletzter und mit Klebeband versteifter Finger behinderte. „Das nächste Mal werde ich auf meinen Finger verzichten und ihn reinhauen.“

          Die frische Selbstsicherheit der deutschen Spieler hat einen Dämpfer erhalten. Denn obwohl Menz seine erste Fünf - Pleiß, Benzing, Schaffartzik (15 Punkte/7 Assists), Niels Giffey (9) und Staiger (7) - öfter verschnaufen ließ als am Vortag und die Mannschaft zwanzig Ballverluste hatte, gewann Belgien nicht, weil die Deutschen etwa so schlecht waren. Mit einer aggressiven Verteidigung, mitunter traten sie den Spielern von Menz mit einer Ganz-Feld-Presse sinnbildlich auf die Füße, kam das Offensivspiel einfach nicht zur Entfaltung. Schaffartzik erhielt kaum Spielraum, seine spektakulären Distanzwürfe einzusetzen. Zur Halbzeit lagen die Deutschen nicht nur nach Punkten (25:34), sondern auch bei den Rebounds hinten (13:24). Und auch die Belgier kamen auf 18 Ballverluste.

          Zuviel des Lobes

          Ein Zuschauer wirkte perplex: Tony Parker, der Star der Franzosen, hatte die Deutschen am Vortag gelobt: „Sie haben großartig gespielt und ‚big plays‘ gemacht“, sagte der dreimalige NBA-Champion: „Sie haben verdient gewonnen.“ Die Sport-Tageszeitung L‘Equipe sah es martialischer. „Die Söhne von Nowitzki, die meisten von ihnen gute Schützen, haben den ganzen Abend die angebliche Abwehr der Franzosen bombardiert“, schrieb das Blatt.

          Am Donnerstag waren es die Belgier, allen voran Distanzschütze Jonathan Tabu (5 Dreier) und Flügelspieler Sascha Massot (ebenfalls 15 Punkte), die ohne Unterlass feuerten. Von ihren 71 Schüssen aus dem Feld trafen allerdings nur 28 (39,4 Prozent); die Deutschen, gegen Frankreich noch zu 60 Prozent erfolgreich, vergab am Donnerstag genau diesen Anteil: 33 von 55 Schüssen. Der Bundestrainer reagierte mit ruhigem Ton und klugen Entscheidungen, seine Mannschaft fing sich und glich 17 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit aus - und scheiterte in der von taktischen Fouls und Freiwürfen geprägten Verlängerung.

          Vielleicht auch am Druck des Erfolges? „Ich bin überhaupt nicht erleichtert“, hatte Benzing nach dem Sieg über Frankreich gesagt: „Jetzt wird es umso schwerer. Wir haben einen Favoriten geschlagen, und gegen die anderen müssen wir noch besser spielen.“

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