https://www.faz.net/-gtl-6vtro

Basketball-EM 2015 : Rückzug der Allianz

Deutschland gibt dem Europa-Verband einen Korb und zieht seine EM-Bewerbung zurück Bild: Bergmann, Wonge

Die Basketball-EM 2015 wird nicht in Deutschland ausgetragen. Der DBB zieht die Gemeinschaftsbewerbung überraschend zurück - weil der Verband die Bedingungen der Fiba Europa nicht akzeptieren kann.

          3 Min.

          Vier bedeutende Basketball-Verbände Europas haben am Mittwoch überraschend ihre Bewerbung um die Ausrichtung der Basketball-Europameisterschaft 2015 zurückgezogen. Der Deutsche Basketball-Bund (DBB) und die Vereinigungen in Frankreich, Italien und Kroatien erklärten, dass sie die Bedingungen der Europa-Sektion des Internationalen Basketball-Verbandes (Fiba Europe) nicht akzeptieren können.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          „Schweren Herzens ziehen wir uns aus dem für uns aussichtsreichen Bewerbungsprozess zurück“, heißt es in einem gemeinsamen Schreiben: „Wir sind den in der Sportwelt fest verankerten Werten wie Ehrlichkeit, Vertrauen und Transparenz verpflichtet“, fügte DBB-Generalsekretär Wolfgang Brenscheidt hinzu. „Der Deutsche Basketball Bund steht in der Verantwortung, seriöse Entscheidungen zu treffen, da sie unter anderem öffentliche Mittel und Mitgliedsbeiträge betreffen.“

          Das Quartett hatte in den vergangenen eineinhalb Jahren ein ehrgeiziges Projekt entwickelt. Zur Deckung der Kosten sollten die EM-Vorrundenspiele der vier Gruppen à sechs Teams jeweils in den vier Ländern ausgetragen werden. In Deutschland hätte es demnach in dieser Phase nur Spiele mit der deutschen Nationalmannschaft gegeben und keine Begegnungen mit geringerer Attraktivität für die Zuschauer.

          Die Zwischenrunden wären in der Bundesrepublik und in Frankreich, das Finale in Paris gespielt worden. „Nur so kann man in diesen Zeiten noch ein so großes, kostspieliges Turnier professionell organisieren“, sagte Brenscheidt. „Es sei denn, ein Teilnehmer lässt sich so eine Veranstaltung von seinem Staat finanzieren.“

          Dirk Nowitzki wollte gerne noch ein großes Turnier in Deutschland spielen - daraus wird nun nichts
          Dirk Nowitzki wollte gerne noch ein großes Turnier in Deutschland spielen - daraus wird nun nichts : Bild: dpa

          Das scheint in der Ukraine der Fall zu sein. Sie ist nach dem Rückzug der Allianz der einzige Bewerber und wird am Sonntag in München wohl den Zuschlag erhalten. Nach Darstellung der Deutschen und der Franzosen ist diese Entwicklung im Sinne der Fiba Europe. Sie habe in den vergangenen Tagen mit gezielten Nachfragen auf das uneingeschränkte Angebot der Ukraine hingewiesen, alle Bedingungen widerspruchslos zu akzeptieren. Die Fiba Europe verlangt von den Ausrichtern eine Garantiesumme von acht Millionen Euro netto. Im Gegenzug stellte sie den Bewerbern Einnahmen über die Vermarktung in Höhe von vier Millionen in Aussicht.

          Zu dieser Regelung waren die vier grundsätzlich bereit. Aber vor der Wahl am Sonntag konnten und wollten sie, ohne Inhaber der Rechte zu sein, keinen Vermarktungspartner anbieten. „Wir sind davon ausgegangen, dass wir im Erfolgsfall die Rechte übertragen bekommen. Aus den am 7. Dezember vorgelegten Verträgen geht aber nun hervor, dass wir, falls wir keinen Partner vorweisen können, acht Millionen Euro garantieren müssen per Unterschrift“, erklärte Brenscheidt, „von den Rechten, wie noch im März schriftlich festgehalten, ist in den neuen Verträgen aber nicht mehr die Rede.“ Die derzeitige Regelung entbehre jeglicher professionellen Grundlage. Die Fiba Europe war auf Anfrage nicht in der Lage, die harsche Kritik vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe zu kommentieren.

          Basketball als nationale Angelegenheit: DBB-Präsident Ingo Weiss (links) mit Nowitzki und Dirk Bauermann (rechts) bei Kanzlerin Angela Merkel
          Basketball als nationale Angelegenheit: DBB-Präsident Ingo Weiss (links) mit Nowitzki und Dirk Bauermann (rechts) bei Kanzlerin Angela Merkel : Bild: dapd

          In Deutschland und Frankreich glaubten die Organisatoren zuletzt nicht mehr an einen fairen Wettbewerb um die Europameisterschaft. Demnach sollen die jüngsten Ausschreibungsänderungen auf die Ukraine zugeschnitten worden sein. Unter anderem wird vermutet, dass der Bewerbungsschluss für die Männer-EM am 1. August nur von dem Quartett aus Zentraleuropa eingehalten wurde. Zu diesem Termin reichten der DBB und Co. eine 122 Seiten umfassende Bewerbungsschrift ein, die auf den ersten Blick den Ansprüchen genügt.

          Die Ukraine stellte 14 Seiten zusammen. Prima vista ließ sich leicht erkennen, dass sie damit nicht die Forderungen erfüllte. Die nach Angaben des DBB staatliche Finanzierung in der Ukraine ermöglicht es auch, die Rechnungen der Fiba Europe sofort zu zahlen. 750.000 Euro müssen bis Anfang Januar, insgesamt rund 2,75 Millionen bis Ende 2012 gezahlt werden. Da dem Deutschen Basketball-Bund ein Gesamtetat von etwa 5,5 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung steht, bedrohte selbst die anteilige Zahlung die Liquidität des Verbandes.

          Anfragen, mit den Zahlungen 2013 zu beginnen, wenn auch die ersten Gelder einer Sponsor-Vereinbarung eingetroffen wären, wurden von der Fiba Europe ignoriert. Stattdessen gab es informelle Hinweise auf die Finanzkraft der Ukraine. Unterstützung erhielt der DBB aus der Basketball-Bundesliga (BBL): „Ich hoffe, dass diese Fairplay-Notwehr eine sehr kritische Revision der Vorgänge und eine Stoßlüftung bei der Fiba Europa auslöst“, sagte BBL-Geschäftsführer Jan Pommer.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Militärangehöriger am 9. Dezember 2021 bei Sentianivka in der Ostukraine

          Ukraine-Krise : Plant Russland eine False-Flag-Operation?

          Washington erhebt detaillierte Vorwürfe gegen Moskau. Und der Kreml gibt erstmals offen zu, dass der jüngste Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine dazu dient, Putins Forderungen nach „Sicherheitsgarantien“ durchzusetzen.