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Basketball : Ein Stratege mit Händchen für den großen Wurf

  • -Aktualisiert am

„Speedmaster” Roller kann wieder wirbeln Bild: dpa

Nach seinem zweifachen Fingerbruch hat der beste Point-Guard der Liga, Pascal Roller, fast die gesamte Saisonvorbereitung bei den Frankfurt Skyliners verpaßt. Jetzt will er wieder angreifen und das Meisterstück wiederholen.

          3 Min.

          Ziemlich blaß hat Pascal Roller zu Beginn der Saisonvorbereitung mit den Opel Skyliners Frankfurt gewirkt. Daß auf dem Basketballfeld für den Kapitän des deutschen Meisters das eine oder andere aus dem Ruder lief, ließ sich aber auf den ersten Blick erklären. Roller hatte sich eine Darmgrippe eingefangen.

          Und so fehlte dem "Speedmaster", wie der Frankfurter Aufbauspieler zuweilen genannt wird, nicht nur ein gesunder Teint, sondern vor allem Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer für seinen harten Job. Auch das noch. Eigentlich hatte sich Roller im Sommer als Spiel-Lenker und Inszenierer der Nationalmannschaft in Szene setzen wollen. Aber bei einem Zusammenstoß mit dem Teamkollegen Ademola Okulaja brachen der rechte Mittel- und der rechte Zeigefinger. Roller konnte sein besonderes "Händchen" für die Finessen des Spiels, überraschende Pässe und präzise Distanzwürfe, nicht zeigen. Wieder wurde es nichts mit dem Plan, den neuen Bundestrainer Dirk Bauermann von seinen unentbehrlichen Diensten zu überzeugen.

          Der beste Point-Guard der Liga

          Roller klagt nicht. Schon gar nicht nach dem großen Wurf in der vergangenen Saison: Dem Meistertitel mit den Opel Skyliners folgte als Bestätigung für seine meisterliche Regieführung die Wahl zum "Spieler des Jahres". "Das war das i-Tüpfelchen, fast ein bißchen viel." Wahrscheinlich ist die wichtigste Tugend Rollers nicht einmal seine Bescheidenheit, sondern eher der Sinn für die Realität. Roller schätzt seine Fähigkeiten umsichtig ein und spielt sie geschickt aus. Der vermutlich beste Point-Guard der Liga kombinierte in der vergangenen Spielzeit seine Schnelligkeit mit dem geschärften Blick des Aufbauspielers für das Machbare. Wenn sein Dribbling begann, war der Plan längst geschmiedet: Regieanweisungen, Finten, Abspiele oder Würfe - Kapitän Roller servierte nicht nur als quirliger Lieferant den Ball für die Punktemacher. Er traf auch selbst, wenn es sein mußte. Das machte ihn gefährlich.

          Wenn an diesem Freitag für die Skyliners mit dem Auswärtsspiel beim EnBW Ludwigsburg die Bundesligasaison beginnt, hat sich für Roller und seine Kollegen vieles geändert. Der Jäger des vergangenen Jahres ist zum Gejagten geworden, ein Meister, dem die Liga nicht die Dominanz seiner Vorgänger Alba Berlin und Bayer Leverkusen zutraut. Beide gewannen siebenmal hintereinander. Frankfurt kämpft schon nach dem ersten Coup um Konstanz. "Ich denke, wir werden von den Schwierigkeiten, die wir in der Vorbereitung hatten, noch einiges mit in die Saison nehmen", sagt der Kapitän.

          „Didin ist härter“

          Auch an den neuen Trainer müsse man sich gewöhnen. Der Türke Murat Didin ist ein international erfahrener Mann. Er zählt in seiner Heimat zu den Großen der Szene. Als Coach bewegt sich Didin zwischen verständnisvoller Vaterfigur und diszipliniertem Schleifer. "Er ist härter, viel direkter, als es Gordon Herbert war. Aber er ist auch offener und zugänglicher", sagt Roller. Der Kanadier Herbert, der inzwischen Racing Paris trainiert, hatte sich nach dem Gewinn des Meistertitels aus Frankfurt verabschiedet. Meistertrainer und Verein konnten sich nicht über die Rahmenbedingungen einer weiteren Zusammenarbeit einigen.

          Geld hat bei der Trennung von Herbert sicher eine Rolle gespielt. Ebenso wie bei der Verpflichtung der neuen Spieler nach dem Weggang von Center Mario Kasun - er spielt jetzt in der NBA für Orlando Magic - und dem des nach Neapel gewechselten Nationalspielers Robert Garrett. Für den erfolgreichsten Korbjäger der Skyliners haben die Frankfurter einen jungen Serben verpflichtet. Zwei Talente aus der Türkei stießen noch zum Team - mehr ging beim Meister nicht.

          „Todesgruppe“ in der Europaliga

          Roller vertraut auf die Entwicklungsfähigkeit der Mannschaft: "Der Kern ist der alte geblieben, aber es ist mit den jungen, talentierten Spielern sicher ein Stück mehr Arbeit, als es mit erfahrenen Neuzugängen gewesen wäre." Schwer wird die Aufgabe vor allem in der Euroleague, in der die Skyliners in die die sogenannte "Todesgruppe" mit ZSKA Moskau und Panathinaikos Athen gelost wurden. Roller setzt "auf die Heimspiele in der Euroleague." Das erste steht am 3. November auf dem Programm. Gegner ist Ülker Istanbul, ein Klub, den Didin bestens kennt. Mit ihm wurde er 2001 türkischer Meister.

          Bundesliga, Europaliga, Nationalmannschaft? Rollers Blick reicht weiter in diesen trüben Tagen. Die Ankündigungen von General Motors, 10 000 Stellen bei Opel in Deutschland - dem Hauptsponsor der Skyliners - streichen zu wollen, stimmen auch den Profisportler nachdenklich. "Ich glaube, daß die vielen tausend Arbeitsplätze, um die es da geht, tatsächlich wichtiger sind. Da geht es um so viele Einzelschicksale; die zählen - und weniger das Geld, das wir vom Sponsor bekommen", sagt er.

          Gebildete Eltern

          Daß der Basketballprofi die Dinge zuweilen aus einer distanzierten Perspektive sieht, hat vielleicht mit seiner Erziehung zu tun. Vater Klaus Roller ist in Heidelberg, der Heimatstadt der Familie, Philosoph und Publizist. "Er arbeitet schon länger an einer Philosophiegeschichte", sagt der Sohn über den Vater, der als Jugendlicher Handball beim THW Kiel gespielt hat. "Aber zur Zeit liest er wie ein Besessener, weil er über das Internet Zugang zu amerikanischen Universitätsbibliotheken hat." Mutter Ursula unterrichtet als Oberstudienrätin an einem Gymnasium. Für Roller, der in Frankfurt Englisch und Sport studiert, sind die Eltern Vorbilder. "Ich bewundere ihr umfassendes Allgemeinwissen." Später, sagt Roller, wolle er sich einmal "ein ähnliches Wissen aneignen."

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