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Basketball : Ein Quotenplänchen für die Import-Liga

Denis Wucherer gründete eine Spielergewerkschaft Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Basketball-Bundesliga sieht keiner besonders guten Saison entgegen. Aus finanziellen Gründen verzichten viele Clubs auf dekorierte Nationalspieler und setzen auf billigere Importe aus dem Ausland. Eine Deutschen-Quote soll Abhilfe schaffen.

          Wo sind sie geblieben? Dirk Nowitzki spielt bei den Dallas Mavericks schon wieder in einer anderen Welt Basketball. Sechs namhafte Kollegen aus der glorreichen Nationalmannschaft, die vor ein paar Wochen bei der Europameisterschaft Rang zwei belegte, spielen im Ausland.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          In den Silberglanz des Auswahlteams wird die Bundesliga-Saison, die an diesem Donnerstag mit dem Vorspiel von Oldenburg gegen Trier beginnt, wohl nicht getaucht. Attraktivitäts- und Identifikationsverluste fürchten manche der hochdekorierten Nationalspieler, die sich - nicht mehr gefragt - ausgetauscht fühlen gegen angeblich „drittklassige“ Importe zum Nachteil der deutschen Sache: Will keiner mehr mit Nationalspielern antreten? Man will durchaus. Nur nicht zum alten Preis. Mit der weltweiten Öffnung des Spielermarktes für deutsche Vereine sind die Gehaltsangebote im Einzelfall um bis zu 50 Prozent auf 40.000 Euro (netto) gesunken.

          Ein Deutscher unter zwölf Spielern

          Die Schwankung muß sich natürlich nicht jeder Profi gefallen lassen. Der nach Belgien abgewanderte Denis Wucherer und Kollegen in Mannschaftsstärke machten mobil, gründeten Anfang Oktober die Spielergewerkschaft (Sp.In.) und versuchen, Funktionären, Managern und Medien das Finanzierungsproblem als grundsätzliche Gefahr für die Weiterentwicklung ihres Sportes in Deutschland zu vermitteln. Mit der überspitzten rhetorischen, aber richtigen Frage: Welche Chance hat ein deutscher Nachwuchsspieler in einer weitgehend deutsch-freien Bundesliga?

          Die Verpflichtung von reifen Nationalspielern wie Wucherer, sagt Alba Berlins Vizepräsident Marco Baldi, „hat null Komma null mit der Nachwuchsförderung zu tun“. Der von der Basketball Bundesliga (BBL) eingeführte Quotenplan - vorerst muß wenigstens ein Deutscher unter den zwölf Spielern auf dem Spielberichtsbogen stehen - ist allerdings auch kein großer Wurf. Selbst wenn es vier wären, kämen die Deutschen nur schwer zum Zuge. Im Basketball spielt man in der Regel mit sieben, acht Profis.

          Deshalb fordert der Sp.In.-Vorsitzende und ehemalige Bundesligaspieler Walter Palmer auf Dauer eine 50-Prozent-Quote. Die Sache hat nur einen Haken: Es gibt nur wenige bundesligataugliche junge Deutsche. Kurzfristig ist das Problem nicht lösbar. Aber vielleicht in ein paar Jahren, falls sich die von der BBL und vom Deutschen Basketball-Bund für nächstes Jahr geplante Nachwuchsrunde (U18) etabliert.

          Nationaler Titel ist nur Etappenziel

          Die Bundesliga scheint bis dahin über die Runden zu kommen. In der vergangenen Saison stieg abermals die Zuschauerzahl. Die Vereinsmanager versicherten zur Saisonpräsentation am vergangenen Donnerstag in Bamberg sogar überwiegend, ihre Budgets gesteigert zu haben. Was allerdings nichts am kunterbunten Bild der Liga ändert. Der Reiz der ersten Klasse besteht immer noch aus der Diskrepanz zwischen Provinz und Metropole, einer Million Euro und vier Millionen Jahrestat, zwischen Quakenbrück und Alba Berlin. Der Hauptstadtklub stellte sich - allein auf weiter Flur - als Meisterschaftskandidat vor.

          Aber der nationale Titel ist allenfalls ein Etappenziel. Über die Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft mit dem langjährigen Sponsor Alba als Gesellschafter (75 Prozent) streben die Berliner schrittweise eine Etaterhöhung auf acht Millionen Euro bis 2010 an. „Wir wollen“, sagt Baldi, „auf Dauer und dann kontinuierlich zu den besten zwanzig Mannschaften in Europa gehören.“

          Das ist aufs Ganze gesehen eine vielversprechende Investition auch in den deutschen Basketball. So wie der Einstieg des ersten Dax-Unternehmens (die Deutsche Bank sponsert Frankfurt) in der Szene als wohltuendes Signal betrachtet wird: „Das ist ein Premium-Sponsor mit hohen Ansprüchen und einem Effekt für die Liga“, sagt Baldi, „die werden sich bestimmt nicht damit abfinden, daß Frankfurt nur Sechster wird.“

          Keine Party mehr in Tübingen

          Spannung bezieht die Liga auch aus den Kämpfen um das nackte Überleben. Leverkusen, über Jahrzehnte das Synonym für erfolgreichen Basketball, steht vor einem Jahr der Bewährung, bevor wohl eine Grundsatzentscheidung über den Profibasketball im Konzern gefällt wird.

          Da blieb dem alten und neuen Manager Otto Reintjes keine Wahl, als sein Glück unter anderem mit sechs preiswerten Amerikanern zu versuchen: „Für einen Wucherer bekomme ich drei Amerikaner.“ Auch in Tübingen haben sie mächtig ausgetauscht. Aber wohl eher, weil es im Professoren- und Studentenstädtchen nicht gut ankommt, wenn der Manager von der Lehrerin seiner Kinder über die Nachtausflüge seiner Spieler unterrichtet wird: „Wir haben das Partyteam gesprengt“, sagt Harald Prinz.

          Allein 70 Amerikaner, zählte das „Fachmagazin Basketball“, dribbeln und dunken nun in der Bundesliga. Die Bonner Fans werden sich an acht neue Gesichter gewöhnen müssen; doch trotz einer Budgetreduzierung um 500.000 Euro angeblich nicht an einen Qualitätsverlust. Basketballfreaks werden das überprüfen. Dabei könnte sich Geduld auszahlen. Der Amerikaner Mike Penberthy zeigte am Samstag bei der Vorbereitung mit Berlin 35 Minuten lang nichts. Dann wendete er das Spiel: mit „drei irren Dreiern“.

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