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Verstorbener NBA-Chef Stern : Der Basketball-Visionär

  • -Aktualisiert am

Größen ihres Sports: David Stern (links) und Michael Jordan, hier 1996 Bild: AFP

Der frühere NBA-Commissioner David Stern ist tot. 30 Jahre lang führte er die beste Basketball-Liga der Welt. Dabei erreichte er vieles.

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          Der Job verlangt nach einer ungewöhnlichen Mischung aus Qualitäten, die nur wenige in sich vereinen. Er muss pingelig sein wie ein Buchhalter, aber auch so tolerant wie ein Diplomat. Er sollte gelegentlich den Boss heraushängen lassen, um keine Zweifel an seiner Autorität aufkommen zu lassen. Aber auch aufgeschlossen sein gegenüber neuen Ideen. Vor Fernsehkameras sollte er sympathisch und eloquent wirken, aber sich eigentlich möglichst im Hintergrund bewegen, um den Stars des Unternehmens nicht den Platz an der Sonne streitig zu machen.

          Als die National Basketball Association 1984 nach einer solchen Figur suchte, mussten die Verantwortlichen im Beschlussgremium allerdings nicht lange fahnden. Sie hatten mit dem jungen New Yorker Anwalt David Stern sechs Jahre zuvor einen solchen Mann ins Haus geholt und miterlebt, wie er zu einem Motor für notwendige Veränderungen geworden war. Seine Leistungsnachweis: Er hatte mit der Spielergewerkschaft zwei kritische Vereinbarungen ausgehandelt – regelmäßige Drogentests, um den massiven Kokainkonsum unter den Spielern einzudämmen, der das Image der NBA gefährdete. Und die Einrichtung einer sogenannten Salary Cap, ein Mechanismus, mit dem die rapide steigenden Gehälter der Basketballprofis gebremst werden konnte.

          Ohne sportliches Talent, aber großer Fan

          Die Entscheidung für Stern, damals Anfang 40, hat sich als überaus weise herausgestellt. Der Sohn eines Lebensmittelhändlers aus Teaneck/New Jersey, ein Typ ohne besonderes sportliches Talent, aber Zeit seines Lebens Fan der New York Knicks, sollte das Amt des Liga-Geschäftsführers, das mit dem Titel Commissioner versehen ist, dreißig Jahre inne haben und in dieser Zeit nicht nur die NBA komplett runderneuern, sondern ihr als Speerspitze der Sportart Basketball eine weltumspannende wirtschaftliche Bedeutung verschaffen. Stern, der am Mittwoch im Alter von 77 Jahren in New York an den Folgen einer Gehirnblutung starb, demonstrierte dabei immer wieder, was alles dazugehört, um einen Betrieb auf Erfolgskurs zu halten, der von der wetterwendischen Zuneigung seiner Fans lebt. Man muss nicht nur im großen Rahmen denken können. Man braucht auch klares gesellschaftpolitisches Profil, wenn man mit Ereignissen konfrontiert wird wie der Nachricht vom November 1991, als der Ballzauberer Magic Johnson bekanntgab, dass er sich mit dem HIV-Virus infiziert hatte.

          Viele Jahre eine treibende Kraft im Basketball: David Stern

          Man benötigt dazu eine Vision, um das Spiel und seine Stars als attraktive Fernsehshow voller zirzensischer Highlights zu vermarkten. Und man braucht das Selbstbewusstsein eines Patriarchen, der keine Scheu davor hat, die Spielergewerkschaft mit Aussperrungen im Arbeitskampf unter Druck zu setzen, bis sie einknickt und eine schlechtere Bezahlung akzeptiert. So wie zuletzt 2011, als die Profis auf einen beträchtlichen Anteil am Gesamteinahmetopf verzichteten.

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