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Basketball-Trainer Bauermann : „Ich hatte, gelinde gesagt, die Schnauze voll“

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Dirk Bauermann trainiert in Zukunft das Basketballteam in Rostock. Bild: dpa

Dirk Bauermann hat einiges gesehen von der Welt. Er war eine Art Handlungsreisender in Sachen Basketball. Nun ist er wieder in Deutschland angekommen – und übernimmt eine spezielle Aufgabe.

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          Dirk Bauermann hat einiges gesehen von der Welt. Er war eine Art Handlungsreisender in Sachen Basketball. Nun ist er wieder in Deutschland angekommen – und übernimmt eine spezielle Aufgabe. In Rostock, bei den Seawolves, einem Team der zweiten Liga. Die Rostocker haben es geschafft, mit dem ehemaligen Bundestrainer einen prominenten neuen Headcoach zu verpflichten. Bauermann, 62 Jahre alt, soll aber mehr sein als ein „Feuerwehrmann“ in sportlich schwierigen Zeiten, sondern die Seawolves weiterentwickeln. Es soll eine langfristige Angelegenheit sein.

          Bauermann hat sehr erfolgreich gewirkt in Leverkusen oder Bamberg, er hat etliche Meistertitel errungen und Pokalsiege. Dazu: EM-Silber mit der deutschen Nationalmannschaft, 2008 Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking. Beeindruckende sportliche Meilensteine. In seiner Vita stehen außerdem die Nationaltrainer-Posten in Polen und in Iran. Zuletzt war Bauermann als Headcoach in der ersten türkischen Liga in der Verantwortung, bei Pinar Karsiyaka. Nun hat sich der viermalige „Trainer des Jahres“ in Deutschland eine – auf den ersten Blick – ungewöhnliche nächste Station ausgesucht: Bauermann unterschrieb bei den Seawolves, die in der ProA spielen und an diesem Freitag (19.30 Uhr) in Bremerhaven antreten, einen Vertrag bis Saisonende.

          Von beiden Seiten werde jedoch eine langfristige Kooperation angestrebt, behauptet Jens Hakanowitz, Sportlicher Leiter der Seawolves: „Funktioniert die Zusammenarbeit so, wie wir uns das alle vorstellen, dann wird Dirk Bauermann hier für lange Zeit ein Zuhause haben.“ Auch der Trainer selbst kann sich sehr gut vorstellen, an der Ostsee das Projekt Seawolves voranzutreiben – und zwar mit langem Atem. Es sei genau das gewesen, wonach er gesucht habe, sagt Bauermann: „Wenn man, so wie ich, viele Jahre auf höchstem Niveau gecoacht hat, ist die Luft dort immer sehr dünn. Es geht als Trainer nur darum, wie lange man sich halten kann“, betont der gebürtige Krefelder und verweist auf das aktuelle Beispiel seines früheren Klubs FC Bayern München, wo Trainer Dejan Radonjic just am Tag der Vorstellung Bauermanns in Rostock entlassen wurde.

          „Ich hatte, gelinde gesagt, die Schnauze voll davon, bei einem hochklassigen Klub die Drehtür zu betreten, wohl wissend, dass solch ein Engagement in der Regel nur von kurzer Dauer ist.“ Im Sommer sollte Bauermann in der Türkei einen neuen Kontrakt über zwei Jahre bekommen. Angereist, um die neue Vereinbarung zu unterzeichnen, eröffneten ihm die Verantwortlichen, man habe sich inzwischen für den türkischen Nationaltrainer Ufuk Sarica als neuen Chefcoach entschieden – Bauermann musste unverrichteter Dinge wieder kehrtmachen.

          Nach einigen Monaten der Erholung im heimischen Krefeld und einer dreiwöchigen Hospitanz beim NBA-Klub Utah Jazz ist der stets in Schwarz gekleidete Basketballtrainer wieder bereit für etwas Neues. Befürchtungen, nach 34 Jahren im Trainergeschäft verspüre er keine Motivation mehr, kontert er entschieden: „Die Leidenschaft für den Sport brennt in mir nach wie vor, vielleicht sogar stärker als früher. Ich bin ein Basketball-Junkie und brauche das Gefühl, in der Halle zu stehen.“ Dies kann er fortan in Rostock tun.

          Von den Strukturen des Klubs, der erst seine zweite ProA-Saison spielt, zeigte sich Bauermann positiv überrascht: „Der Verein ist viel weiter, als ich dachte.“ Sportlich allerdings läuft es nach einer überzeugenden ersten Zweitliga-Spielzeit in dieser Saison enttäuschend: Die ambitionierten Seawolves, die mittelfristig den Aufstieg zum Ziel haben und in diesem Jahr mindestens einen Platz unter den ersten acht, der zur Teilnahme an den Playoffs berechtigt, erreichen wollen, dümpeln derzeit im Niemandsland der Tabelle. Die Playoff-Ränge sind zwar nur zwei Siege entfernt – die Abstiegsplätze allerdings auch.

          Bauermann weiß, dass mit seiner Ankunft die ohnehin große Basketballbegeisterung in Rostock weiter befeuert wird, warnt jedoch vor übertriebenen Erwartungen: „Zunächst einmal geht es darum, die Mannschaft zu stabilisieren und sich so schnell wie möglich von der Abstiegszone zu entfernen, um dann vielleicht noch einmal in Richtung Playoffs anzugreifen.“ Hakanowitz traute das dem bisherigen Cheftrainer Milan Škobalj nicht mehr zu. „ Bauermann verpflichten zu können war für uns eine einmalige Chance“, unterstreicht der Sportliche Leiter. „Sein fachliches Knowhow steht außer Frage, er soll bei uns aber auch in die Ausbildung unserer Trainer und die strukturelle Weiterentwicklung maßgeblich eingebunden werden.“ Ein Paket, das Bauermann offensichtlich gefiel – und weswegen er den „Abstieg“ in die zweite Liga wagte.

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