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Basketball : Die Skyliners vergeben ihren ersten Matchball

Ein bisschen ernüchtert nach der Niederlage in Berlin: Skyliners-Trainer Gordon Herbert Bild: ddp

Die Frankfurter geben sich erst in der Verlängerung des dritten Viertelfinalspiels Berlin 76:87 geschlagen. Nun haben sie am Mittwoch in eigener Halle die nächste Chance.

          3 Min.

          In letzter Sekunde wusste Aubrey Reese, was zu tun war. Er warf den Ball zum letzten Angriff der Skyliners ein, erhielt ihn von Seth Doliboa zurück und trug ihn nach vorn. Als er in einer Kurve erst nach links und dann zurück ins Feld zog, flog der Berliner Julius Jenkins auf ihn zu und rutschte weg. Er hatte Reese foulen wollten. Das war die Chance: Statt der zwei Freiwürfe, die sein Team bestenfalls zu einem 70:71 herangebracht hätten im dritten Viertelfinalspiel der Play Offs um die deutsche Basketball-Meisterschaft, musste Reese einen Distanzwurf treffen. Die Lücke tat sich auf - und Reese schoss ansatzlos. Der Ball senkte sich in einem langen, flachen Bogen in den Korb, und damit war das Spiel aufs Neue eröffnet: Mit seinem Dreier hatte der 32 Jahre alte Amerikaner zum 71:71 ausgeglichen und vor fast 12.000 Zuschauern bei Alba Berlin eine fünfminütige Verlängerung erzwungen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Mit fünf Punkten Unterschied hatten die Frankfurter vor einer Woche das erste Spiel der Serie in Berlin gewonnen. Dreizehn Punkte besser als die Berliner waren sie im Rückspiel am Donnerstag. Am Sonntagabend nun verloren die Frankfurter 76:87 trotz des kühlen Mutes und der ruhigen Hand von Reese. Elf Punkte in nur fünf Minuten - „Alba ist zurück!“ schrie der Hallensprecher in den Jubel der Berliner Fans. Am Mittwoch spielen die beiden Mannschaften das vierte ihrer höchstens fünf Spiele aus. 2:1 führen die Skyliners.

          „Jenkins kam in der Overtime in Fahrt“

          Während den Frankfurtern ihr Center Greg Jenkins fehlte, fand der Berliner Julius Jenkins zu der Form zurück, die ihn zum wertvollsten Angreifer der Bundesliga gemacht hat. Fünf Punkte von 22 am Samstag erzielte er im ersten Viertel, keinen einzigen im zweiten. Für neun Punkte traf er im dritten und für vier im vierten Viertel. Mit zwei Treffern machte er in der Verlängerung die 22 Punkte voll, mit denen er Reese um zwei übertraf. Jenkins' erster Wurf in der Verlängerung saß zum 73:71, sein zweiter zum 76:73, nachdem Reese mit zwei Freiwürfen ausgeglichen hatte. Den folgenden Ballverlust an Roller, der zum 76:75 durch den überragenden Dragan Labovic führte - er erzielte 25 Punkte, so viele wie kein anderer Spieler dieser Partie und holte fünf Rebounds - machte Jenkins mit einem Traumpass wett.

          Der Berliner Derrick Byars, von den Chicago Bulls gedraftet und als letzter Spieler aus ihrem NBA-Kader gestrichen, sprang am Korb hoch, und im Zenit seiner Bewegung kam der Ball von Jenkins. Dieser Alley-Hoop zum 82:75 besiegelte das Spiel. „Jenkins kam in der Overtime in Fahrt“, staunte der Frankfurter Trainer Gordon Herbert. „Wir hatten zwanzig Ballverluste, aus denen Berlin Punkte gemacht hat.“ Derrick Allen machte acht Punkte, Jimmy McKinney zehn.

          „Labovic hat ein großes Spiel gemacht“

          Da half auch die überragende Leistung von Labovic nichts, der praktisch allein die Berliner Center Blagota Sekulic und Adam Chubb am Treffen hinderte. Von einem Lauf von 13:0 Punkten profitierte Alba in der ersten Halbzeit (33:29), den das Team bei einem Rückstand von 11:15 begann (7. Minute) und der sie im zweiten Viertel mit 24:15 in Führung gehen ließ (12.). Nicht nur in dieser Zeit bekamen der Montenegriner Sekulic und der Amerikaner Chubb im Angriff den Ball nicht in die Hände und schon gar nicht in den Korb. Für Sekulic standen am Ende acht Punkte zu Buche, vier von ihnen durch Freiwürfe. Allerdings holte er neun Rebounds. Seinen ersten Treffer machte er nach der Halbzeitpause. Chubb traf halb so gut; ein einziger Feldwurf aus seiner Hand fand sein Ziel. „Wir haben gut gearbeitet unter dem Korb“, lobte Herbert. „Labovic hat ein großes Spiel gemacht.“

          Labovic traf, wie er wollte - sogar aus der Distanz. Drei Dreier steuerte er zu seinen 25 Punkten bei, fünf Rebounds schnappte sich das 2,07 Meter große serbische Schwergewicht, die Amerikaner Quantez Robertson (5 Punkte) und Seth Doliboa (3). „Ich bin stolz auf mein Team, wie es drei Mal zurückgekommen ist und nie aufgegeben hat“, lobte ihr Trainer. „Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht“, konstatierte Aufbauspieler Pascal Roller. „Es gibt ein bisschen etwas, das wir am Mittwoch besser machen können.“ Mit der Bahn fuhren die Skyliners noch am Sonntagabend nach Hause. Ob sie noch einmal nach Berlin kommen müssen in dieser Saison? „Wir nehmen ein Spiel nach dem anderen“, antwortete Herbert und gestand seinen Spielern somit sogar zu, das Heimspiel zu verlieren. „Wir haben gezeigt, dass wir hier gut spielen können.“

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