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Alba düpiert die Bayern : Nicht schonen, alles raushauen

Sieg gegen München: Die angriffslustigen Berliner setzen sich durch. Bild: dpa

Mehrere wichtige Spieler verletzt und der Trainer wegen Corona in Isolation: Es ist keine gute Ausgangslage, in der sich Alba Berlin vor der Partie gegen die Bayern befindet. Dennoch gelingt dem Team von Aito Garcia ein Überraschungssieg.

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          Bloß nicht vom Gas gehen, heißt die Devise bei Alba Berlin, bloß nicht darüber nachdenken, was die Knochenmühle Basketball in Kopf und Körper der besten Profis anrichtet. „Der Blick auf die Bank mit unseren Verletzten könnte die Spieler bremsen“, sagt Manager Marco Baldi. „Aber mit Vorsicht können wir nicht spielen.“

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Und so fegte am Sonntagabend, während Mannschaftskapitän Niels Giffey gemeinsam mit Luke Sikma, Peyton Siva und Magnus Eriksson wegen verschiedener Muskel- und Gelenkverletzungen zuschauen musste und während Trainer Aito Garcia wegen einer Corona-Infektion gar in häuslicher Quarantäne ist, der auf zehn Spieler dezimierte Meister den großen Rivalen Bayern München mit 85:72 Punkten aus der leeren Halle – „auf Turbo“, wie Aufbauspieler Maodo Lo den Stil des Hauses beschrieb.

          Das ist keine Kleinigkeit, schließlich hatten die Bayern vier Tage zuvor über den FC Barcelona triumphiert und sind Vierter der EuroLeague. Nach diesem Top-Spiel der Bundesliga wartet an diesem Dienstagabend das Euroleague-Spiel gegen Baskonia Vitoria auf Alba; das zweite von vier Spielen innerhalb von sieben Tagen, das vierzehnte von 24 in Dezember und Januar; zwei mehr waren geplant, fielen wegen Corona aber aus.

          Schonungslose Intensität

          Gefährlicher als ein paar Spiele zu verlieren, hatte Baldi gewarnt, sei es, Zusammenhalt und schonungslose Intensität zu verspielen. Was klang, als bereite er das Publikum auf bittere Niederlagen seiner Himmelsstürmer vor, gelte auch nach dem Erfolg über die Bayern, beharrt Baldi: „Wir können nicht anders.“ Während die Bayern insbesondere in der zweiten Halbzeit ihren schimpfenden und tobenden Trainer buchstäblich im Nacken spürten, warfen sich die jungen Berliner angstfrei und lustvoll in den Kampf, respektlos und schlau in der Abwehr, blitzschnell und mutig im Angriff.

          Angeleitet von dem 31 Jahre alten Amerikaner Jayson Granger (11 Punkte/10 Assists) und dem drei Jahre jüngeren Berliner Lo (8/6) spielte der 22 Jahre alte Louis Olinde, Top-Scorer mit 17 Punkten, so respektlos wie der 19 Jahre alte Malte Delow, der in siebeneinhalb Minuten Einsatzzeit 6 Punkte erzielte. Der Erfolg hat einen Preis. „Man sieht ja an unserem Kader, viele überstehen das nicht und verletzen sich“, sagt Lo. „Man muss versuchen, die Energie wieder an den Tag zu legen, aber mit so einem Spielplan ist das wahnsinnig schwierig. Ab und zu funktioniert es, ab und zu nicht.“ Auch Baldi räumt ein: „Unser Gebilde ist extrem fragil.“

          Als hätte außer den Alba-Spielern allein Bayern-Trainer Andrea Trinchieri sich diesen unwahrscheinlichen Erfolg der Berliner vorstellen können, wollte dieser von einem Nachteil Albas nichts wissen. „Ihnen fehlen Spieler, uns fehlen Spieler“, wiegelte er vor der Partie ab. „Im Januar, Februar zahlen die Euro-League-Teams den Preis für die Last ihrer Spiele.“ Bisher schulterten die Bayern dieses Paket leichter als die Berliner; sie scheinen mit elf Siegen in 17 Spielen auf Kurs in die Playoffs der ersten Klasse Europas; Alba ist mit sechs Erfolgen Nummer 14 der achtzehn Teams.

          Nicht Müdigkeit schien es allerdings zu sein, welche die Bayern am Sonntag lähmte. Der Münchner Paul Zipser jedenfalls, der zehn Punkte zum Spiel beisteuerte, beklagte die Mentalität seiner Mannschaft und die fehlende Intensität im Einsatz gegen den Meister und Rivalen. „So ein Spiel passiert vielleicht mal“, knurrte er, „aber es darf nicht hier passieren.“ Trinchieri schimpfte über das „beschämende Spiel“, eines der schlechtesten, das je eine seiner Mannschaften gezeigt habe.

          „Vollkommen unterschiedliche Ansätze“

          Baldi und seine Spieler mochten ihre Freude nicht verbergen, zumal sie beim Gewinn der Meisterschaft in der Münchener Quarantäne im Oktober nicht dazu kamen, gegen die Bayern zu spielen, so früh schieden diese aus. „Bayern und Alba, das sind vollkommen unterschiedliche Ansätze“, sagte Baldi über die Rivalität, die zwischen den beiden größten Bs der BBL gewachsen ist. Die Bayern dieses Jahrgangs könne man nicht annähernd mit denen vom vergangenen Jahr vergleichen.

          „Das ist eine komplett andere Mannschaft, nicht nur personell, sondern auch von der Mentalität her“, urteilt der Berliner Manager. „Klar fehlen bei den Bayern zwei Spieler. Aber sie haben neun Ausländer; sie können gar nicht alle einsetzen. Sie haben gerade zwei Spieler ausgetauscht. Man hat das Gefühl, dass sie zum ersten Mal so richtig an ihr Potential kommen.“ Jedes Wort macht den Erfolg seiner Mannschaft noch schöner.

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