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Basketball-Meister : Die Bayern und die Tretmühle des Erfolgs

Die Bayern sind Basketball-Meister – und stehen vor einem harten Programm. Bild: dpa

Erfolg und Dominanz im Sport haben einen Preis. Ihn zahlen, mit ihrer Gesundheit, die Spieler. Die EuroLeague könnte sich für Basketball-Meister Bayern München als gefährliche Falle erweisen.

          Dominieren die Bayern nun auch Basketball? Am Sonntag gewann die zweite Liebe des Uli Hoeneß, das Basketballteam seines Klubs, die zweite Meisterschaft nacheinander. Man braucht keine Wettquoten, sondern muss nur auf die Bilanz von 31 Siegen in 34 Spielen der Punktrunde blicken, auf die glatten Drei-Nulls in Viertel-, Halbfinale und Endrunde, um zu wissen, wer Favorit der nächsten Saison ist.

          München spielt auch auf dem Parkett in einer anderen Liga: der EuroLeague. Weil sie dort eine Wild Card haben, rutscht auch ihr Finalgegner der vergangenen beiden Spielzeiten, Alba Berlin, in den elitären Zirkel. Teams wie deren aktueller Champion ZSKA Moskau verfügen über Budgets um die 50 Million Euro und fliegen im eigenen Jet zu Auswärtsspielen. Davon sind die Bayern noch weit entfernt. Doch allein die Auseinandersetzung mit solchen Teams hat den Spielern das Rüstzeug für die souveräne Titelverteidigung gegeben: Belastbarkeit, Nerven und unzerstörbares Selbstbewusstsein. Zumal die Münchner immerhin 14 ihrer 30 Partien gewonnen haben. Ihr Anspruch auf Erfolg wird sich an den Verpflichtungen zur neuen Saison und am Budget ablesen lassen. Auch die Berliner versprechen sich spielerische und wirtschaftliche Stärkung für den und durch den internationalen Wettbewerb.

          Wenn alles gutgeht. Die EuroLeague könne sich, warnt Bayern-Sportdirektor Marko Pesic, als gefährliche Falle erweisen. Zwar deutet sich an, dass die Bundesliga durch die Lizenzverweigerung für Aufsteiger Nürnberg mit nur 17 Mannschaften in die neue Saison gehen wird. Doch die EuroLeague stockt ihren Spielbetrieb von 16 auf 18 Teams auf. Das bedeutete: noch mehr Wochen, in denen die Top-Teams drei Spiele zu bestreiten haben, noch mehr Reisen, noch weniger Training, noch weniger Regeneration.

          Gewiss wird es Feiertage geben in München wie die, an denen die Bayern Fenerbahce Istanbul und den FC Barcelona niederrangen. Favoritenstürze, wie die der Bayern in Oldenburg, Bonn und Vechta, werden für Jubel und Häme sorgen – das Salz in der Suppe einer Meisterschaft. Die Chance dazu wächst, je weiter die Bayern international kommen. Denn für die Spieler ist dieser Dauerbetrieb eine Ochsentour an der Grenze zur Überlastung. Denn die Besten gehen jetzt nicht in lange Sommerferien.

          In vier Wochen beginnt die Vorbereitung der Nationalmannschaft auf die Weltmeisterschaft. Vor einem Jahr noch schickte Bundestrainer Henrik Rödl seinen Aufbauspieler Maodo Lo zur Erholung von der zehrenden Saison nach Hause. Diesmal ist dafür wenig Spielraum; die deutsche Auswahl spielt in China um die Olympia-Qualifikation. Von der WM jetten die Profis zurück zur letzten Phase der Saisonvorbereitung ihrer Klubs, zurück in die Tretmühle. Erfolg und Dominanz im Sport haben einen Preis. Ihn zahlen, mit ihrer Gesundheit, die Spieler.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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