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Basketball : Der 800-Millionen-Dollar-Wurf

  • -Aktualisiert am

Der blau-weiß-rote Ball des Glücks: Ozzie Silna mit einem Original-Ball der ABA Bild: AP

Ozzie und Daniel Silna waren Besitzer eines erfolglosen Teams einer längst untergegangenen Liga. Dann kamen sie auf den cleversten Vertrag der amerikanischen Sporthistorie. Nun will die NBA sie aus dem Deal herauskaufen.

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          Sie hatten einen blau-weiß-roten Ball, die Regel mit dem Drei-Punkte-Wurf und ein paar hochbezahlte Stars wie Moses Malone und Julius Erving, der für seine artistischen Einlagen auf dem Weg zum Korb bewundert und unter dem Spitznamen „Dr J.“ berühmt wurde. Aber trotz all ihrer Anstrengungen kamen die Teams der American Basketball Association nie aus dem Gröbsten heraus. Sie wechselten ihre Besitzer fast so oft wie die Spieler ihre Trikots und wurden auf der Suche nach einem neugierigen Publikum von einer Stadt in die andere umgepflanzt. Nur eine Gruppe hatte wirklich ein Interesse an ihrem Schicksal: die National Basketball Association (NBA), der es in den siebziger Jahren ebenfalls nicht besonders gut ging. Und der die Konkurrenz ein ständiger Dorn im Auge war.

          Von der Fusion der beiden Ligen anno 1976 profitierten viele - nicht zuletzt die Eigentümer der New Jersey Nets, die Indiana Pacers, die San Antonio Spurs und die Denver Nuggets, die heute Teil einer florierenden Liga sind. Die produziert einen Jahresumsatz von rund fünf Milliarden Dollar, besitzt Fans in allen Teilen der Welt und hat durch Spieler wie Dirk Nowitzki oder Yao Ming ein internationales Flair erhalten. Aber niemand verbuchte bei dieser Verschmelzung ein solches Plus wie die beiden Brüder Ozzie und Daniel Silna. Die wurden zwar damals dazu gezwungen, ihr defizitäres Team - die St. Louis Spirits - dichtzumachen, aber handelten in einem Geniestreich den besten Vertrag in der Geschichte des amerikanischen Profisports aus.

          Ständig steigendes Kalkulationselement

          Als die Nachrichtenagentur Associated Press 2006 aus Anlass des dreißigjährigen Jubiläums der Fusion nachrechnete, wie viel Geld die beiden eigentlich bereits von der NBA kassiert hatten, kam man auf die erstaunliche Summe von 168 Millionen Dollar. Seitdem dürfte sich der Betrag beinahe verdoppelt haben. Denn die Vereinbarung der Silnas basiert auf einem ständig steigenden Kalkulationselement: Sie handelten damals - „für alle Ewigkeit“, also ohne irgendeine Fristbegrenzung und solange die NBA existiert - ein Siebtel all jener Fernseheinnahmen aus, die den Spurs, Pacers, Nuggets und Nets zustehen würden. TV-Lizenzen, die in den siebziger Jahren nicht der Rede wert waren, machen heute einen großen Teil der Einnahmen aller TopLigen in den Vereinigten Staaten aus. Aus Fernsehrechten allein spielt die NBA derzeit insgesamt 930 Millionen Dollar im Jahr ein. Tendenz steigend. Der inzwischen achtzigjährige Ozzie Silna, der in Kalifornien lebt, und sein 69-jähriger Bruder Daniel, der außerhalb von New York wohnt, waren übrigens nicht halb so erfolgreich im Anlegen ihrer Einnahmen wie einst beim Aushandeln ihres Vertrages. Der Großteil ihrer Vermögen löste sich im Schneeballsystem des namhaften Investitionsbetrügers Bernie Madoff in Luft auf.

          Nicht nur das: Der Treuhänder im Liquidationsverfahren präsentierte ihnen vor einer Weile eine Rechnung, wonach sie 24 Millionen Dollar ihrer fiktiven Madoff-Profite für den Topf aufbringen sollen, aus dem andere Opfer entschädigt werden sollen. Weshalb denn auch die Nachricht nicht überraschte, die Anfang der Woche durchsickerte: Die NBA steht kurz vor einer neuen Vereinbarung mit den Silnas. Wie die New York Times berichtete, sollen die Brüder eine einmalige Abschlagsumme von 500 Millionen Dollar erhalten und bereit sein, für diesen Preis auf alle weiteren Ansprüche zu verzichten. Der Betrag scheint die beiden Männer, die einst in der Textilindustrie das Geld verdient hatten, das sie ins Sportbusiness steckten, endlich zufriedenzustellen. Angebote der Liga in den achtziger und neunziger Jahren hatten sie ausgeschlagen.

          Ein Star der untergegangen Liga: Julius, alias Doctor J., Erving

          Der Betrag ist auch deshalb so hoch, weil beide Seiten schon seit geraumer Zeit einen Rechtsstreit austragen, mit dem die ehemaligen Klubbesitzer Anteile aus artverwandten Einnahmequellen wie dem Fernsehkanal der Liga NBA TV, den Lizenzerträgen aus dem Verkauf von Rechten an ausländische Sender und den Überschüssen aus der Verbreitung von Live-Übertragungen im Internet („League Pass“) erkämpfen wollen. Das neue Arrangement bringt die Belohnung der Silnas für ihre Entscheidung, sich aus dem Profi-Basketball zurückzuziehen, auf rund 800 Millionen Dollar.

          Im Vergleich: Die Sacramento Kings, die 2013 als bislang letztes NBA-Team verkauft wurden, erzielten einen Preis von 535 Millionen Dollar. Doch diese Zahl illustriert nur die Größenordnung, in denen existierende Profi-Teams in den Vereinigten Staaten gehandelt werden. Die eigentliche Rechnung geht so: John Y. Brown, der Besitzer der Kentucky Colonels, die 1976 ebenfalls den Betrieb einstellten, handelte damals als Entschädigung eine fixe Summe aus. Sie belief sich auf ganze 3,3 Millionen Dollar.

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