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Basketball-Bundestrainer Menz : „Nowitzki ist erst mal gar kein Thema“

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Entwicklung statt Siege: Basketball-Bundestrainer Frank Menz hat langfristige Ziele Bild: dpa

Ein Sieg, viele Pleiten: Warum Basketball-Bundestrainer Frank Menz vor der am Mittwoch (21 Uhr) mit dem Spiel gegen Frankreich beginnenden EM trotzdem mit der Vorbereitung zufrieden ist. Ein Gespräch über sein Team der Zukunft, die Turnier-Chancen und die Rolle des Superstars.

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          Drei Niederlagen beim Supercup, reichlich Watschen bei den Trainingsspielen in Spanien und Frankreich, ein Sieg im letzten Testspiel gegen Schweden - was ist aus der Mannschaft geworden, die sich vor einem Jahr ohne eine einzige Niederlage für die Europameisterschaft qualifiziert hat?

          Wir haben es mit ganz anderen Gegnern zu tun in diesem Jahr. Ich bin überhaupt nicht unzufrieden. Vor einem Jahr hatten wir Gegner wie Luxemburg, Aserbaidschan und Bulgarien. Jetzt haben wir uns mit Europameister Spanien gemessen, dem Europameisterschafts-Zweiten Frankreich, dem EM-Vierten Mazedonien und dem zweimaligen Europameister Griechenland. Es ist doch klar, dass wir mit diesen Top-Teams nicht auf Augenhöhe sind und gegen sie nicht gewinnen können.

          Solche Mannschaften warten bei der EM in Slowenien, die am Mittwoch beginnt. Welche Erwartungen haben Sie?

          In der Vorrunde haben wir nur einen solchen Brocken, Frankreich (Mittwoch, 21 Uhr, live auf spox.com). Die anderen Gegner sind nicht von diesem Kaliber...

          Belgien, Ukraine, Großbritannien, Israel...

          Wir wussten, dass wir uns im Vorfeld mit den Besten messen. Für die Entwicklung der Spieler ist es wichtig zu sehen, wo Defizite sind. Wir haben teilweise sehr gut mitgehalten. Für uns ist das kein Beinbruch, dass es eine Reihe von Niederlagen gegeben hat.

          Sie klangen in Ulm wie ein behütender Papa, nicht wie Ihr Vorgänger Pesic, der auch mit persönlicher Kritik Leistung aus den Spielern kitzelt.

          Das ist ein Missverständnis. Die Jungs leisten sehr viel, sie spielen am Limit. Ich will gar nichts entschuldigen, ich muss auch nichts entschuldigen. Ich will erklären, gegen was für Gegner wir spielen. Bei uns standen zeitweise vier Ersatzspieler aus der Bundesliga auf dem Feld gegen fünf Spieler, die die Euro League gewonnen haben und Medaillen geholt haben bei der Europameisterschaft. Wenn wir wie gegen Griechenland kurz vor der Halbzeitpause nur zwei, drei Punkte zurückliegen, spielen wir auf Augenhöhe mit einer solchen Mannschaft! Das ist ein Riesenerfolg. Wir haben, was Talent und Erfahrung angeht, nicht die Qualität unserer Gegner. Nur weil die Öffentlichkeit Siege will, werden wir uns doch zur Vorbereitung nicht nur Mannschaften wie Portugal einladen.

          Will die NBA erobern: Dennis Schröder
          Will die NBA erobern: Dennis Schröder : Bild: dpa

          Ihr Erfolg sind nicht Siege, sondern Entwicklung?

          Nur darum geht es in der Vorbereitung. Bei der EM wollen wir Spiele gewinnen, deshalb fahren wir hin. In der Vorbereitung haben wir zweimal gegen die Slowakei gespielt, zweimal gegen Portugal, das waren unsere Siege. Dass auch noch ein Erfolg gegen Kroatien dabei war, hatten wir nicht erwartet. Wir sind völlig im Soll. Im zweiten Spiel gegen Griechenland waren wir schon viel besser. Wir haben mit 14 Punkten verloren; das entspricht, grob gerechnet, drei Punkten pro Viertel, einem Dreier in zehn Minuten. Damit spielt man schon sehr nah an dem Niveau der Besten.

          Welches Ziel haben Sie?

          Ich bin nicht angetreten, um kurzfristig in die Zwischenrunde oder ins Viertelfinale zu kommen. Ich will ein Team entwickeln, das in den nächsten Jahren europäisch konkurrenzfähig ist. Das dauert nicht ein oder zwei Jahre, sondern einige.

          Sie wollen eine Struktur schaffen, in die Dennis Schröder und Elias Harris schlüpfen können, wenn sie, statt sich auf ihr erstes Jahr in der NBA vorzubereiten, wieder für die Nationalmannschaft spielen?

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