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Basketball-Bundesliga : Offene Fragen nach dem Bamberger Meisterstück

Der Jubel der Bamberger Bild: dapd

Die Brose Baskets Bamberg holen sich gegen Berlin den nächsten Titel. Wie schon vergangene Saison gewinnen sie das Double. Doch die Franken müssen aufpassen: Trainer Fleming und viele Spieler haben sich für andere Klubs empfohlen.

          3 Min.

          Nur zwei Fragen hatte Chris Fleming in der Pressekonferenz nach dem letzten Spiel der Saison zu beantworten. Er werde jetzt wohl einige Bierchen trinken, antwortete er auf die eine. Eine zweite deutsche Mannschaft, namentlich Alba Berlin, gehöre gewiss in die EuroLeague, erwiderte der Trainer auf die andere. Er konnte sich die Großzügigkeit leisten. Gerade hatten seine Brose Baskets Bamberg das fünfte Finalspiel der Play-offs gegen Berlin mit 72:65 Punkten gewonnen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Das war das 27. Heimspiel in Pokal und Meisterschaft nacheinander gewesen, das sein Team für sich entschied, das zweite Double aus Meisterschaft und Pokal hatte es damit geholt und sich für die EuroLeague qualifiziert. Welche Frage sollte da noch offen sein? Wie es denn nun weitergehe, fragte jemand, als Fleming schon in der Tür stand.

          In der Halle jubelten noch Hunderte seinem Team zu, auf dem Maximiliansplatz in der Bamberger Innenstadt ging es auf den Sonntagmorgen zu und Tausende erwarteten die Champions; am Sonntagnachmittag würde es Freibier in der Stadt und am Abend ein Essen mit dem Sponsor geben, am Montag erwartet der Oberbürgermeister das Team im Rathaus, und für Dienstag sind auch schon Feierlichkeiten angesetzt. „Wer weiß“, sinnierte der Amerikaner, auf Deutsch, „wohin der Erfolg mich treiben wird.“

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          Deutscher Meister auch 2011 - Bamberg ist derzeit das Maß aller Dinge : Bild: dpa

          Bamberg hat sich international Respekt verschafft

          Ein Schelm, der den Satz so versteht, wie er klingt und wohl auch gemeint war. Vor elf Jahren als Spieler in die Bundesliga gekommen, als Nachfolger von Meistermacher Dirk Bauermann in Bamberg angetreten, hat der 42 Jahre alte Fleming sein Team als Nummer eins in Deutschland etabliert und sich auch im internationalen Wettbewerb Respekt erworben. Der Bamberger Manager Wolfgang Heyder weiß, wie attraktiv Fleming in der Szene ist. Der Trainer habe noch einen Vertrag für die nächste Saison, sagte er wenige Minuten nach dem Spiel, werde aber das Angebot erhalten, um zwei weitere Jahre zu verlängern.

          Auch die Bamberger Spieler haben sich interessant gemacht für andere Klubs. Selbst wenn Alba Berlin am Samstagabend noch neunzig Sekunden vor der Schlusssirene mit zwei Punkten führte, selbst wenn der Berliner Julius Jenkins mit 22 Punkten und einer Defensivleistung, die den Bamberger Casey Jacobsen auf zehn Punkte und fünf Rebounds reduzierte, der überragende Spieler der Partie war: Die Bamberger waren es, die triumphierten.

          Predrag Suput erzielte, obwohl der meist gefoulte Spieler des Abends (8), fünfzehn Punkte. Brian Roberts warf ebenso erfolgreich auf den Korb und gab zudem sechs Vorlagen zu Treffern. John Goldsberry spielte trotz eines Bänderrisses fast drei Viertel der Partie, erzielte zehn Punkte und gab fünf erfolgreiche Pässe. Mit einem Drei-Punkte-Wurf fast von der Berliner Bank wendete er in letzter Minute das Spiel.

          „Wir werden ihn nicht halten können

          Als „wertvollster Spieler“ wurde Kyle Hines ausgezeichnet, der seinem Ruf als Sprungwunder der Liga wieder einmal gerecht wurde. Er scheint länger in der Luft zu stehen als jeder andere. Zwölf Punkte erzielte er, doch die „gigantische Leistung“ des nur 1,96 Meter großen Centers, so Heyder, waren seine neun Rebounds. „Er hat hinten die Großen abgeräumt“, schwärmte der Manager von den Duellen mit den Berlinern Miroslav Raduljica (9/4) und Yassin Idbihi (8/6).

          In der zweiten italienischen Liga entdeckten die Bamberger den mit 1,96 Meter kleinen Center, verpflichteten ihn nach sorgfältiger Beobachtung vor einem Jahr - und müssen sich fragen, wohin der Erfolg ihn wohl treiben wird. Heyder fürchtet: „Wir werden ihn nicht halten können.“ Schließlich umfasst der Bamberger Etat nur rund sieben Millionen Euro; ein Limit, aus dem das Team in seiner Summe sich herausgespielt haben dürfte. Hines wird den Franken nicht nur wegen seiner Dunks fehlen, sondern auch, schwärmt Heyder, „weil er noch Bitte und Danke sagt“. Der 24-Jährige aus Philadelphia verkörpert eine im Profisport selten gewordene Bescheidenheit. Nach dem Spiel trieb es ihn in die Arme des Trainers. „Er und Wolfgang haben einem Typen wie mir, der in der zweiten Liga spielte, vertraut und ihn in ihrer Meistermannschaft spielen lassen“, sagte er. „Ich habe mich bedankt für diese Chance.“

          „Er braucht noch Welpenschutz“

          Der hochgelobte Tibor Pleiß, an dem der Klub Oklahoma Thunder aus der nordamerikanischen Profiliga NBA die Rechte hält und der für viel Geld innerhalb der EuroLeague wechseln darf, wird dagegen wohl bleiben. Als er sich bei einer Auszeit demonstrativ abwandte, packte Co-Trainer Arne Woltmann ihn am Kragen und ließ ihm eine handfeste Ansprache angedeihen. Wenig später war es Fleming, der den ebenso hoch gewachsenen wie hoch veranlagten Center von 2,15 Meter Länge zur Linie zerrte und ins Spiel schob. „Ich wollte weiterspielen, obwohl ich das dritte Foul hatte“, sagte Pleiß zu den Szenen. „Es war nicht so, dass ich keine Lust mehr hatte.“

          Im Übrigen stachele der Trainer alle seine Spieler an: „Da muss auch mal gezogen und gerüttelt werden, damit man gereizt ist.“ Der 22-jährige Pleiß brauchte starke Reize, wirkte er doch nicht erst im letzten der 59 Spiele dieser Saison erschöpft. Einerseits freue er sich auf zehn Tage Urlaub, verriet er, doch: „Ich habe ein bisschen Angst davor, nichts zu machen, weil ich das gar nicht kenne.“ Seit sechs Jahren habe er ohne Pause durchgespielt. Manager Heyder freut sich nicht nur für sein Team über den Verbleib von Pleiß: „Er braucht noch Welpenschutz.“

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