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Basketball-Bundesliga : Keine Angst vor dem Krösus aus München

Beherzt zum Erfolg: Anton Gavel und die Bamberger wollen die Bayern herausfordern Bild: dpa

Vor dem Start in die Basketball-Bundesliga hat die Konkurrenz keine Angst vor den Bayern. Bamberg will Meister werden. Selbst kleine Klubs dürften vom Bayern-Effekt profitieren.

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          „Sascha ist ein Kämpfer“, lobte Meistertrainer Chris Fleming seinen Berliner Kollegen Obradovic. „Er wird nicht schon vorher aufgeben in der Meisterschaft.“ Kurz darauf sah sich Fleming bestätigt. Seine Brose Baskets Bamberg, viermal nacheinander deutscher Meister, unterlagen im Spiel gegen Pokalsieger Alba Berlin mit einem Punkt Unterschied; einer Mannschaft, die, im Gegensatz zum Team der Franken, noch nicht einmal richtig eingespielt ist.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Stärke des Erzkonkurrenten dürfte Fleming bei aller Rivalität ebenso freuen wie den Bamberger Manager Wolfgang Heyder, treten die beiden zum Auftakt der neuen Saison der Basketball-Bundesliga doch Verzagtheit und Mutlosigkeit entgegen: „Wenn es die anderen schon nicht sagen“, tönte Heyder: „Wir wollen Meister werden.“

          Fleming stieß ins gleiche Horn: „Was sollen wir anderes wollen als den Titel verteidigen?“ An diesem Mittwoch (19.30 Uhr) beginnt seine Mission mit dem ersten Punktspiel der Saison gegen den Mitteldeutschen BC. Am Donnerstag folgen die anderen acht Partien des Auftakts.

          Woher soll Zuversicht auf breiter Front kommen, wenn Bayern München - zum Start Gast bei den Telekom Baskets Bonn - im dritten Jahr nach seinem Aufstieg in die BBL Ernst macht mit seinen Ambitionen? Der größte Name im deutschen Basketball ist seit dem vergangenen Jahr mit Bayern verbunden, der von Trainer Svetislav Pesic. Sein Sohn Marko ist Manager der Basket-Bayern.

          Die Bayern holen vier Spieler aus Berlin

          Das Renommee der Bayern, ihre Sponsoren, das Budget: Vater und Sohn sollen sich bei mit rund zwölf Millionen Euro jeden Wunsch erfüllen können. John Bryant, den in zwei Spielzeiten als bester Spieler der Liga ausgezeichneten Center, holten sie aus Ulm.

          Und aus dem Kader von Alba Berlin verpflichteten der einstige Berliner Meistertrainer und der frühere Berliner Meisterspieler gleich vier Mann: Heiko Schaffartzik, den Aufbauspieler der deutschen Nationalmannschaft, und National-Center Yassin Idbihi, den jungen Bosnier Nihad Djedovic und den Amerikaner Deon Thompson.

          „Das können wir nicht, und das wollen wir nicht“

          „Wir steigen aus dem Wettrüsten aus“, klagt nun Alba-Manager Marco Baldi. „Das können wir nicht, und das wollen wir nicht.“ Vor Jahr und Tag Krösus der Liga, klingt Baldi nun, als müsse er mit eiserner Sparsamkeit die Existenz seines Klubs retten. Obradovic verspricht, dass er in der neuen Saison viel Geduld mit seinen unerfahrenen Spielern haben werde - als sei nichts von ihnen zu erwarten.

          Welch angenehme Überraschung, dass einige der neun neuen Spieler zum Vorsaison-Spiel gegen Bamberg Mut und Ehrgeiz bewiesen, vielversprechende Athleten wie der Kroate Leon Radosevic und der aus Israel gekommene Amerikaner David Logan.

          Die Bamberger und auch Alba Berlin gelten als größte Konkurrenten der Bayern

          „Das Wettrüsten können auch wir nicht mitmachen“, sagt Heyder und verrät, dass er es immerhin versucht hat: „Wir wollten Thompson, Djedovic und Bryant. Sie sind jetzt alle bei Bayern.“ Dabei dürfte Bamberg über das höchste Budget diesseits von München verfügen.

          Mit dem Verkauf der Namensrechte ihrer Halle an Brose und Sponsoren wie Würth steigerten sie ihren Etat auf etwa acht Millionen Euro; der Verbleib des überragenden Aufbauspielers Anton Gavel in Bamberg dürfte die Konsequenz daraus sein. „Unser Hauptsponsor hat sich sehr vom Einstieg der Bayern motivieren lassen“, sagt Heyder. „Bayern hat der Liga einen Schub gegeben.“

          „Ich find’s gut, dass die Bayern da sind“

          Auch Baldi, dessen Möglichkeiten auf rund sieben Millionen geschätzt werden, will nicht darüber diskutieren, ob Basketball in München vom Fußball finanziert wird oder nicht. „Ich find’s gut, dass die Bayern da sind“, sagt er. „Solange keine Spieler gekauft und dann irgendwo geparkt werden.“

          Selbst kleine Klubs dürften vom Bayern-Effekt profitieren. Mittelfristig könnte er dafür sorgen, dass deutschlandweit breites Interesse entsteht an Basketball im Gegensatz zu regional bedingter Zuneigung zu Vereinen.

          „Das Einzige, was fehlt, ist internationaler Erfolg“

          Wenn der Mitteldeutsche BC aus Weißenfels und die Eisbären aus Bremerhaven Spitzenspiele nach Leipzig und Bremen verlegen, ist das als Aufbruch zu werten: raus aus den kleinen Hallen, dem Ballungsraum entgegen. Baldi sieht es so: „Bayern ist eingestiegen, weil die Liga sich entwickelt hat, nicht umgekehrt.“

          Marko Pesic lobt gar: „Der Ruf der Bundesliga ist in Europa viel besser als in Deutschland“, sagt er. „Das Einzige, was uns fehlt, ist internationaler Erfolg, die Fähigkeit, um Titel mitzuspielen.“ Mit ihrer Wild Card für die Euro-League treten er und die Bayern in diesem Jahr erstmals an, das zu ändern.

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