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Basketball-Bundesliga : In der New-Economy-Krise

  • -Aktualisiert am

Treffsicher: Die Bundesliga strebt nach Höherem. Bild: dpa

Alba Berlin und die Telekom Baskets Bonn kämpfen um die Tabellenspitze der Basketball-Bundesliga - zwei Vereine, die dafür plädieren, den sportlichen Erfolg vor allem mit wirtschaftlicher Vernunft zu suchen.

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          An diesem Freitag wissen sie, daß sie unter Gleichgesinnten sind. Das soll nicht heißen, daß es nicht richtig zur Sache ginge. Wenn Alba Berlin und Telekom Baskets Bonn in der vollbesetzten Max-Schmeling-Halle aufeinandertreffen, dann ist die aufgeheizte Atmosphäre einer sorgsam gepflegten Rivalität unter Spielern und unter Fans fast garantiert. Obendrein geht es um Tabellenrang eins in der Basketball-Bundesliga und damit um die beste Ausgangsposition in den Play-offs. Und doch freuen sich die Verantwortlichen auf das Treffen ganz besonders, weil sie, wie sie sagen, mal nicht Vertretern "dieser New-Economy-Typen" begegnen, die mehr und mehr auch den Basketball entdeckt haben, sondern wahren Freunden ihres Sports, die über das solide Wirtschaften hinaus noch so etwas Unzeitgemäßes pflegen wie ethische Grundsätze.

          Das läßt sich nicht mehr von jedem Konkurrenten sagen. Darin sind sich beispielsweise Marco Baldi, Vizepräsident bei Alba, und der Bonner Präsident Wolfgang Wiedlich einig. Sie haben das Ziel, den deutschen Basketball auf ein höheres Niveau zu hieven, und müssen doch mitansehen, welch schiefes Bild die Liga der Korbjäger derzeit bietet. Das liegt nicht daran, daß die Bonner auf Rang zwei noch zwei Spiele hinterherhinken, deshalb erst Anfang März nachträglich die sogenannte Herbstmeisterschaft feiern durften und nach Minuspunkten gerechnet eigentlich vor Tabellenführer Berlin liegen. Die fehlenden Spiele sind jedenfalls schneller wieder aufgeholt, als sich das angekratzte Image der Branche aufpolieren läßt.

          Schwächen des Lizenzverfahrens

          Denn der jüngste Insolvenzfall des Mitteldeutschen BC, nach Brandt Hagen bereits der zweite in dieser Saison, und dazu die wirtschaftlichen Schwierigkeiten beim TSK Würzburg (F.A.Z. vom 17. März) haben grundsätzliche Fragen aufgeworfen, die sich nicht einfach in der sportlichen Auseinandersetzung unter den Körben bereinigen ließe. Vor dem Meisterschaftsspiel ihrer beiden Teams treffen sich Baldi und Wiedlich jedenfalls an diesem Donnerstag und Freitag in Frankfurt zu einer Klausur mit Vertretern der übrigen BBL-Vereinen, die neben dem Problem eines verbesserten Lizenzierungsverfahrens auch die Frage beleuchten soll: Muß sich eine Liga, die gemeinsam nach Höherem strebt, nicht auch gewisse Grundsätze vorschreiben, die nicht allein auf vordergründigen Erfolg zielen?

          Baldi und Wiedlich bekennen sich gerne zu diesem Idealismus. Insofern betrachten beide den Fall MBC auch als Chance. Einerseits habe er die Schwächen in der Prüfung der Wirtschaftlichkeit verdeutlicht. Danach müssen die Klubs schon am 15. März ihre Etatplanungen für die kommende Saison beim Lizenzierungsausschuß und Gutachterausschuß vorlegen. In der Regel können das aber nur Vorjahresbilanz und vage Eckpunkte künftiger Ausgaben sein, weil viele Sponsorenverträge noch nicht unterschrieben sind. So vertraute Matthias Hund, Manager des MBC, bei seinen Verpflichtungen teurer Stars auf Abschlüsse, die nun Ende Januar platzten. Kein Wunder, daß Konkurrenten wie die Gießen 46ers, die eisern Schulden abbauten, sich aber auf dem letzten Tabellenrang wiederfinden, von Wettbewerbsverzerrung zetern. Aber andererseits, so Baldi, verschaffe ein noch so hochentwickeltes Lizenzierungsverfahren keine Garantie. Deshalb bleibe diese Frage: Schafft es die Liga, wegzukommen von dieser grundsätzlichen neuen Tendenz des schönen Scheins, "alles nur noch beschleunigt, mit Powerpoint und auf Hochglanz präsentiert, mit großen Namen"? Und schafft sie es umgekehrt, womöglich "die zu belohnen, die gut und langfristig arbeiten"? Es wäre zu schön, um wahr zu sein, finden sie in Bonn und Berlin. Aber sie wollen die Diskussion wenigstens anstoßen und möglichst einen Prozeß einleiten. Das werde nur funktionieren, wenn sich die Klubs bereitfänden, einige ihrer Rechte abzugeben - zugunsten einer stärkeren BBL, und damit "zugunsten eines höheren Niveaus", sagt Baldi. "Unser Konstrukt ist insgesamt auf dem Prüfstand." Davon kann auch aller Glanz eines Spitzenspiels an diesem Freitag nicht ablenken.

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