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Basketball-Bundesliga : Im Zweifel für den Amerikaner

Detlef Schrempf: „Junge Spieler müssen Erfahrung sammeln, indem sie spielen” Bild: AP

Der deutsche Nachwuchs hat es in der Basketball-Bundesliga immer noch schwer. Es wird zunehmend hart und schnell gespielt. Und wer da Erfolg haben will, der greift am besten zu den Modellathleten aus Amerika.

          Der Basketball-Superstar aus Seattle machte eine gute Figur. Schlank, drahtig und sportlich wirkt Detlef Schrempf, der einstige Spieler der Seattle Super Sonics, mit denen er 1996 im Finale der amerikanischen Profiliga NBA stand. Der große Titel blieb ihm versagt damals. 46 Jahre alt ist Schrempf inzwischen, sein Sohn Alexander spielt erfolgreich an der Highschool Basketball und steht im U18-Nationalteam des Deutschen Basketball-Bundes.

          Am Wochenende war Schrempf in Hamburg beim Top-Four-Turnier der Basketball-Bundesliga (BBL) und sah dort den sechsten Pokalsieg von Alba Berlin. Ein gutes Spiel sei es gewesen und eine stimmungsvolle Veranstaltung, lobte Schrempf. Worte, die die Funktionäre der BBL gerne hörten. Der erste Deutsche, der in der NBA spielte, ist hierzulande immer noch ein Idol - auch wenn er selbst zugibt: „Meine Heimat ist Amerika. Dort arbeite ich, dort ist meine Familie.“

          Auf dem Parkett standen kaum deutsche Spieler

          In Hamburg war Schrempf Gast bei der Gründung eines neuen Beirates, in dem die BBL Vertreter aus Politik und Wirtschaft gewinnen will. Schrempfs Name fiel im Zusammenhang mit dem Thema Nachwuchsförderung. Der Star von einst blieb allerdings fühlbar auf Distanz und betonte, dass er dem Beirat noch nicht beigetreten sei. „Was kann ich denn in einer Woche, die ich in Deutschland bin, bewirken?“ Schrempf war Nationalspieler, hat an Olympischen Spielen und Europameisterschaften teilgenommen. Und natürlich fiel dem Deutschen auf, was zuletzt auch beim Top-Four-Turnier in Hamburg augenfällig war: Auf dem Parkett standen kaum deutsche Spieler.

          Schrempf sprach Worte, die im Bundesliga-Basketball schon viele Male gesagt worden sind: „Junge Spieler müssen Erfahrung sammeln, indem sie spielen. Man kann sich nicht weiterentwickeln, wenn man nicht spielt.“ Aber auch in Hamburg war das wieder so. Bei Alba saß Nachwuchsmann Johannes Herber hartnäckig auf der Bank, durfte im Finale ein, zwei Minuten ran. Auch bei den Frankfurt Skyliners spielte in Dominik Bahiense de Mello einer, der zum erweiterten Kader der Nationalmannschaft gehört, nur ein paar Minuten.

          Bundesliga: Es ginge auch mit weniger Amerikanern

          Jan Pommer, Geschäftsführer der BBL, reagierte auf die Äußerungen Schrempfs mit dem Hinweis auf die zahlreichen Maßnahmen, die die Liga zur Förderung des deutschen Nachwuchses ergreife. Die Ausländerbeschränkung ist eine davon. In den Teams der BBL müssen mindestens drei Deutsche stehen, von kommender Saison an werden es vier sein, erlaubt sind dann nur noch acht Amerikaner. Doch damit liegt die Liga über der Ausländeranzahl anderer Nationen. Führende Basketballländer wie Griechenland, Italien oder Russland kommen mit sechs Ausländern aus.

          Freilich ist nicht nur dort die Einbürgerung ein gängiges Mittel, um Amerikaner zu Einheimischen zu machen. Auch in Deutschland hat man das erkannt, wie der aktuelle Versuch des Deutschen Basketball-Bundes zeigt, die NBA-Profis Donte Greene (Sacramento Kings) und Joel Przybilla (Portland Trail Blazers) einzubürgern. Dass es aber auch mit weniger Amerikanern ginge, diese Meinung gibt es auch bei Vertretern der Bundesliga: „Fünf oder sechs Ausländer pro Team würden immer noch ein hohes Niveau der Liga in jedem Team erlauben“, sagte beispielsweise Luka Pavicevic, der Trainer von Alba Berlin, in der Zeitschrift „Sport-Bild“. „Dadurch würde nur die Herausforderung an deutsche Spieler steigen.“

          „Bei mir spielen nur die Besten“

          Doch selbst wenn in der kommenden Saison jeweils vier Deutsche in den BBL-Teams stehen werden, heißt dies noch nicht, dass sie mehr Einsatzzeiten bekommen. Murat Didin, der Trainer der Frankfurt Skyliners, sagt unmissverständlich: „Bei mir spielen nur die Besten - egal welche Nationalität oder Hautfarbe sie haben.“ Das sind dann doch oft die Profis aus Amerika: Sie sind meist athletischer und häufig technisch besser ausgebildet.

          Gerne genannt wird von der BBL auch der Ausbildungsfonds. 220.000 Euro werden unter jenen Vereinen verteilt, die deutschen U24-Spielern viel Einsatzzeiten geben - je mehr Spielzeit, desto mehr Geld gibt es. Doch ein Blick auf die Rangliste zeigt: Zwar bekommt in Ulm der Tabellenfünfte das meiste Geld, aber die Plätze dahinter belegen Teams aus dem hinteren Tabellenfeld. Die Köln 99ers, in der Bundesliga auf Rang 17, und der 16., die Gießen 46ers, haben die zweit- und drittlängsten Einsatzzeiten für deutsche Spieler. Die Branchenführer in der Bundesliga kommen viel weiter hinten: Tabellenführer Göttingen auf Rang 11, Meister Alba Berlin auf Platz 13, Titelkandidat Oldenburg auf Rang 14. Anspruch und Wirklichkeit liegen in der Bundesliga noch weit auseinander.

          Schrempf äußerte den Eindruck, dass in Deutschland inzwischen sogar noch körperbetonter und härter gespielt werde als in der NBA, wo ein neues Regelwerk dem allzu „physisch“ gewordenen Spiel Grenzen setze. In Deutschland geht der Trend tatsächlich spürbar in die andere Richtung: Es wird zunehmend hart und schnell gespielt. Und wer da Erfolg haben will, der greift am besten zu den Modellathleten aus Amerika.

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