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Basketball-Bundesliga : Hamburger Türme am Horizont

  • -Aktualisiert am

Marvin Willoughby (links) und Pascal Roller treiben das Hamburger Projekt voran Bild: dpa

Die Hamburg Towers wollen in der Hansestadt Bundesliga-Basketball bieten. Nur wann es losgeht, das ist die große Frage. Ohne Eile wurde anderthalb Jahre an einem Konzept gebastelt.

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          Das neue Zentrum des Hamburger Basketballs ist nur acht S-Bahn-Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Noch kann man in der Blumenhalle der Internationalen Gartenschau (IGS) im Stadtteil Wilhelmsburg exotische Pflanzen bestaunen. Mitte Oktober schließt die IGS ihre Pforten. Die weitere Nutzung der kleinen Arena scheint aber gesichert: Von der Saison 2014/2015 an könnten hier bei optimalem Verlauf die Hamburg Towers in der Basketball-Bundesliga (BBL) spielen. Dann werden etwa 3500 Personen in der Blumenhalle in Hamburgs Süden Platz finden.

          An diesem Donnerstag wird der Start der Towers auf einer Pressekonferenz im Hamburger Rathaus verkündet; die BBL mit ihrem Geschäftsführer Jan Pommer steht der Organisation sehr positiv gegenüber. Allein daran, dass Michael Neumann (SPD), der Senator für Sport und Inneres, sein Kommen angekündigt hat, sieht man, dass das Thema Basketball in der Hansestadt höchste Priorität genießt.

          Nur wann es losgeht, das ist die große Frage. „Wir unterstützen das Projekt“, sagte BBL-Sprecher Dirk Kaiser, „wir haben den Eindruck, es ist strategisch und vernünftig angelegt.“ Derzeit gibt es aber keine freie BBL-Lizenz. Und in einem Wild-Card-Verfahren um einen Platz in der Bundesliga wären die Hamburg Towers nur einer von vielen Bewerbern. „Wir sehen einen Klub wie die Towers als Treiber, denn die BBL will weiter wachsen“, sagt Kaiser, „aber wir können ihnen keine Garantien geben“. Die Sehnsucht nach Bundesliga-Basketball ist trotz der erforderlichen Geduld ungebrochen groß.

          Zuletzt spielten die BCJ Tigers als Hamburger Mannschaft in der höchsten deutschen Klasse; sie stiegen 1999 auf und zwei Jahre später ab. Nach dem abermaligen Aufstieg 2002 bekam der überschuldete Klub des Mäzens Jens Holtkötter keine Lizenz mehr und stolperte in die Insolvenz. Seitdem hatte es immer mal wieder Gerüchte gegeben, dass Erstliga-Basketball in der zweitgrößten deutschen Stadt vor der Tür stünde. Zuletzt 2009, als zwei amerikanische Investoren bereit schienen, Millionen in ein europaweit wettbewerbsfähiges Hamburger Team zu pumpen. Dann kam die Finanzkrise und begrub die hochfliegenden Pläne.

          Ohne Eile am Konzept gebastelt

          Vom nächsten Spätsommer an könnte es nun soweit sein. Solide finanziert und nicht von Größenwahn geprägt – die Rede ist von einem eher kleinen Etat von drei bis vier Millionen Euro; die Topteams aus Bamberg, München und Berlin geben deutlich mehr Geld aus. Das Projekt Towers soll zudem gut vernetzt sein mit der hiesigen Basketballszene um den in der Jugendarbeit herausragenden Klub SC Rist Wedel. Antreiber sind die ehemaligen Nationalspieler Pascal Roller und Marvin Willoughby auf der sportlichen und die Geschäftsführer Wolfgang Sahm und Jochen Franzke auf der wirtschaftlichen Seite.

          Roller und Co. haben ohne Eile anderthalb Jahre an dem Konzept gebastelt. Bei der Stadt rannten sie offene Türen ein: Senator Neumann will Wilhelmsburg ohnehin aufwerten; er kennt schon das ambitionierte Stadtteilprojekt namens „Hamburg Piraten“, das Willoughby verantwortet. Unter diesem Label spielen dort zwei Bundesliga-Nachwuchsmannschaften. Willoughby hat sich als engagierter Sozial- und Jugendarbeiter einen Namen gemacht.

          In Hamburg soll es bald wieder erstklassigen Basketball geben
          In Hamburg soll es bald wieder erstklassigen Basketball geben : Bild: imago sportfotodienst

          Das passt zusammen, findet der Hamburger Sportamtsleiter Thomas Beyer: „Wir wollen nicht nur das klassische Vermarktungskonzept einer Profisportart. Als Stadt wünschen wir uns einen handfesten Unterbau, am Ende sollen Hamburger Jugendliche in die Spitzenteams hineinwachsen können.“ Mehr noch: Innensenator Neumann hat schon angekündigt, dass die neue Schwerpunktsportart Rollstuhlbasketball ihre Heimat in der Blumenhalle finden soll. Hamburg will mit seiner „Dekadenstrategie Sport“ bislang übersehene Quartiere durch attraktive Sportangebote aufwerten.

          Gesucht werden nun Spieler – und der Trainerstab. Die Schwierigkeit, innerhalb kurzer Zeit eine Mannschaft aus dem Boden zu stampfen, sieht der sportliche Leiter Pascal Roller nicht: „Verträge werden im deutschen Basketball schnell gemacht“, sagt er. Rollers guter Name könnte helfen, bekannte Namen an die Elbe zu lotsen. Er sagt: „Die Frage ist nicht mehr, ob es BBL-Basketball in Hamburg geben wird. Sondern wann.“ Wie die Hamburg Towers in der Gunst der Zuschauer abschneiden, wäre dann die nächste spannende Frage.

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