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Basketball-Bundesliga : Alba und das Konzept Underdog

Schauen zu vielen Vereinen schon auf: Die Berliner und Alba-Spieler Reggie Redding (gelbes Trikot) Bild: dpa

Jahrelang war Alba Berlin der Fixpunkt im deutschen Basketball. Doch die Teams aus Bamberg und München sind wirtschaftlich vorbeigezogen. Vor dem Topspiel zwischen Berlinern und den Brose Baskets (17 Uhr) ziehen die besten Spieler dahin, wo das meiste Geld ist.

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          Hauptstadt gegen Provinz, Preußen gegen Franken, alte Macht gegen neuen Reichtum, Heimrecht gegen Auswärtsspiel - an diesem Sonntagnachmittag (17 Uhr) geht die Punktrunde der Basketball-Bundesliga mit dem Endspiel zwischen Alba Berlin und Brose Baskets Bamberg vor mehr als 13.000 Zuschauern zu Ende. Die beiden punktgleichen Tabellenführer kämpfen um mehr als Platz eins in der Tabelle und damit die bessere Ausgangslage in den Playoff-Spielen um die Meisterschaft.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Rivalität der Klubs soll einen neuen Höhepunkt erreichen. Die Berliner haben in dieser Saison beide Spiele gegen Bamberg verloren: Weihnachten das Punktspiel in Bamberg mit fast dreißig Punkten und vor drei Wochen das Pokal-Halbfinale in Oldenburg. Da seien sie wegen der Euroleague-Partie gegen den FC Barcelona weniger als 24 Stunden zuvor körperlich und mental leer gewesen, sagt Manager Marco Baldi und verspricht dem Gegner und dem Publikum einen Vorgeschmack auf die Play- offs und das mögliche Meisterschaftsfinale.

          25 Playoff-Teilnahmen in 25 Jahren

          Baldi ist einer der vielen Schwaben, die in Berlin etwas bewegen - und er ist mehr als der Manager Albas. Bei seiner Kleidung verzichtet er entschieden auf Farbe, doch er ist alles andere als die graue Maus der Liga. In dieser Woche wird der einstige Aufbauspieler von Spielvereinigung Ludwigsburg und DTV Charlottenburg 53 Jahre alt. Doch er kann, wenn er sich die Zeit dazu nimmt, auf 25 Jahre Alba-Basketball und 25 Teilnahmen an den Playoffs zurückschauen. Mit dem Team der 1990, also gerade gegründeten BG Charlottenburg erreichten als erste Alba-Spieler Zoran Radovic und Calvin Oldham mit dem Team von Trainer Faruk Kulenovic die Endspiele gegen Serienmeister Bayer Leverkusen.

          Am 1. Mai hatte damals der Diplom-Kaufmann Baldi seine Stelle angetreten, und man muss sich das wohl wie die Gründung eines Start-up-Unternehmens in der Garage vorstellen: Die Unterlagen des Klubs fanden Platz in einem Schuhkarton, und weil der Klubchef, als Baldi nach Lohn fragte, erwiderte, das Geld dafür aufzutreiben sei doch die Aufgabe des Managers, nahm dieser statt einer Wohnung Quartier bei dem Spieler und Medizinstudenten Matzi Strauß. Zu den Playoffs stieg das Entsorgungsunternehmen Alba als Trikotsponsor ein. Seine größte Leistung damals sei gewesen, sagt Baldi, das Scheitern des Himmelfahrtunternehmens zu verhindern.

          Albaboss: Marco Baldi und das Maskottchen der Berliner

          Inzwischen ist Alba-Basketball eine europäische Marke. Der Klub war acht Mal Meister und acht Mal Pokalsieger, erreicht in der O2-World als einziger deutscher Basketballklub fünfstellige Besucherzahlen- das ist auch im europäischen Vergleich Spitzenklasse. Die Unternehmensgruppe Alba hält 75 Prozent und der gemeinnützige Alba e.V. 25 Prozent Anteil an der Basketball GmbH, deren jährliches Budget auf zehn Millionen Euro geschätzt wird. Mit Überzeugungskraft und Hartnäckigkeit hat Baldi für sportliche Kontinuität, wirtschaftliche Dynamik und zunehmende gesellschaftliche Relevanz gesorgt.

          Seit das Profiteam etabliert ist, weitet der Verein mit beispielhafter Jugendarbeit seine Basis aus. „Schon bei der Gründung hatten wir das Bewusstsein, etwas Dauerhaftes schaffen zu wollen“, sagt Baldi. „Da riskiert man nicht für einen kurzfristigen Erfolg das Fundament. Dies ist die eigentliche Qualität des Klubs.“ In der Entwicklung der Liga ist Vizepräsident Baldi eine treibende Kraft.

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