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Basketball-Boom in Bonn : Die Aussicht vom Hardtberg wird immer besser

  • -Aktualisiert am

Schwergewichte im Duell: die Telekom Baskets Bonn ärgern den Titelverteidiger Alba Berlin Bild: ddp

Das erste Spiel im Halbfinale der Play-offs gewann Bonn gegen Alba Berlin. An diesem Mittwoch kommt es zum zweiten Duell. Die Telekom Baskets kommen dem Branchenprimus immer näher. Denn es ist einiges entstanden am Hardtberg.

          Bis Düsseldorf reicht die Aussicht nicht ganz. Aber wenn Wolfgang Wiedlich, Präsident des Basketball-Bundesligaklubs Telekom Baskets Bonn, auf der Terrasse der vereinseigenen Halle Telekom Dome am Hardtberg steht, kann er bis weit nach Köln Richtung Niederrhein hinabblicken. Das hat Symbolkraft.

          Denn die Bonner, die an diesem Mittwoch im zweiten Halbfinalspiel auf den vorjährigen Endspielgegner und Titelverteidiger Alba Berlin treffen (20.15 Uhr), haben ihre Stellung als bester rheinischer Klub gefestigt. Weit vor den Köln 99ers und den ehemaligen Leverkusener Korbjägern, die es nach Düsseldorf verschlug. Das ist ein verblüffender Erfolg angesichts der Aufgabe, die die Bonner auf sich genommen haben.

          Wiedlich ist es als Journalist mit dem Lieblingsthema „Klimawandel“ gewohnt, verknotete Zusammenhänge griffig zu erklären. Das ist auch nötig, wenn er in seinem Ehrenamt auf das fast 17 Millionen Euro teure Projekt seines Klubs zu sprechen kommt, das in der Bundesliga einmalig ist: eine eigene 6000-Zuschauer-Arena samt Ausbildungszentrum mit Dreifachhalle, Fitnessstudio und demnächst Ärztepraxen und Restaurant. Die Leistung, die man da stemmt, ohne in Lizenznöte zu geraten, veranschaulicht Wiedlich gern in einer Zahl: „2500 Euro pro Tag“, so hat er ausgerechnet, koste es die Baskets. Das sei, hochgerechnet auf Monat und Jahr, „für manchen Klub der gesamte Etat“.

          Schwergewichte im Duell: die Telekom Baskets Bonn ärgern den Titelverteidiger Alba Berlin

          „Dann wären wir das Wagnis nicht eingegangen

          Da wird auch dem Präsidenten manchmal schwindlig. Aber es beginnt sich zu lohnen. Basketball boomt in Bonn. Schon herrscht im Nachwuchszentrum wieder Aufnahmestopp. Darüber hinaus verzeichnet Bonn noch vor Berlin in dieser Saison die höchste Steigerungsrate. Die meisten Fans, 9360 im Schnitt, lockte zwar Alba in die neue Spielstätte O2 World, 35,5 Prozent mehr als zuvor in die Max-Schmeling-Halle. Bei den Baskets waren es in der ersten kompletten Saison im neuen Heim gar 48,3 Prozent mehr, pro Heimspiel 5061 Zuschauer. Das übertrifft deutlich die Kalkulation von 4300, auf die man nach dem Umzug aus einer 3500 Zuschauer fassenden Schulturnhalle baute.

          Auch wenn Wiedlich das Wort „konservativ“ lieber meidet. „Hätten wir wirtschaftlich konservativ gerechnet“, sagt er, „wären wir das Wagnis nicht eingegangen.“ Denn neben dem verlässlichen Hauptsponsor, der etwa das Namensrecht an der Halle für zehn Jahre kaufte, hat der Klub auch böse Überraschungen erlebt. Dazu zählt die schwierige Hanglage, die den Baupreis in die Höhe trieb. Zudem wurde ein Landeszuschuss von 3,5 Millionen Euro gestrichen. Da half zwar, dass Eigenarbeit von Fans einen sechsstelligen Betrag einsparte.

          In Schieflage geriet der Plan aber auch durch das Geschäftsgebaren wankelmütiger Partner. Weshalb der Klub nun sechs statt vier Millionen Euro Kredit abtragen müsse. Da wäre es, gibt der Präsident zu, eng geworden, hätte man wie 2005 die Play-offs verpasst. Aber sportlich läuft es dauerhaft gut. In 13 Jahren Bundesliga erreichten die Baskets zwölfmal die Endrunde, standen neunmal im Halbfinale und viermal in den Endspielen.

          Der Sieg im ersten Spiel gegen Alba ist keine Sensation

          Die Qualifikation für den zweithöchsten europäischen Wettbewerb, den Euro-Cup, ist schon sicher. „Da kann man sich gerne lustig machen, dass es nie zum Titel gereicht hat“, sagt Wiedlich. „Aber auf hohem Niveau zu bleiben und nicht abzustürzen, das ist für mich wichtiger.“ Schon gar, wenn man gezwungen sei, immer wieder mit möglichst wenig Gage sportliche Talente aufzuspüren.

          Was nicht heißen soll, dass man die Spiele gegen Berlin schon verloren gäbe, zumal man die erste Partie bei Alba sogar gewann (siehe auch: Sport kompakt: Alba in Problemen - Schrader in Topform - Gerdemann im Ziel). Im Gegenteil. Womöglich standen die Aussichten unter Trainer Michael Koch sogar nie besser, den Bundesligakrösus um Star Julius Jenkins endlich einmal hinter sich zu lassen. Schon fünfmal traf man sich zu Play-off-Serien, viermal im Finale, einmal im Halbfinale. Immer verlor Bonn. Nun aber sind die Chancen nicht erst seit dem Sieg im ersten Spiel gut. Dass Albas Teammanager Henning Harnisch Bonn vorher gar die Favoritenrolle zubilligte, nannte der frühere Nationalmannschaftskollege Koch zwar „dummes Geschwätz“. Doch verriet der Bonner Trainer zugleich, dass er die Berliner nicht für unschlagbar hält. Partie eins bewies diese These eindrucksvoll. Die Aussicht vom Hardtberg wird immer besser.

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