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Basketball : Bonn setzt auf Wundertüten-Effekt

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Predrag Krunic hält zwei berufliche Rekorde. Nicht nur ist der bald 37 Jahre alte Bosnier der jüngste Cheftrainer der Basketball-Bundesliga. Seit er Trainer der Telekom Baskets Bonn ist, hat der frühere deutsche Meister Alba Berlin nicht mehr in Bonn gesiegt.

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          Predrag Krunic hält in seiner beruflichen Tätigkeit zwei Rekorde. Nicht nur ist der bald 37 Jahre alte Bosnier der jüngste Cheftrainer der Basketball-Bundesliga. Seit er fürs sportliche Fortkommen der Telekom Baskets Bonn zuständig ist, hat seine Mannschaft darüber hinaus in eigener Halle nicht mehr gegen Alba Berlin verloren. Zwar ist das Team aus der Hauptstadt in dieser Saison erstmals seit acht Jahren nicht mehr Titelverteidiger, und doch bleibt das 76:75 vom Samstag über Alba bemerkenswert genug. Seit 2001 haben die früheren Abonnementmeister nun nicht mehr in der Bonner Hardtberghalle gewonnen. Und die Bonner bleiben mit diesem Erfolg vorerst ungeschlagen Tabellenführer.

          Noch sind erst fünf Spieltage der neuen Saison absolviert. Insofern zügeln die Bonner ihren berechtigten Stolz darüber, auch gegen die mit frisch gewecktem Ehrgeiz antretenden achtmaligen Meister aus Berlin, bislang Zweite der Tabelle, bestanden zu haben. Aber die ersten Pflöcke sind gesetzt. Und bevor sich Bonner wie Berliner aufmachten, um in dieser Woche im Uleb-Cup-Wettbewerb das international eher bescheidene Image der Klubs etwas aufzupolieren, kündigt sich zumindest dies wieder an: Die Bundesliga verspricht Spannung.

          Das ist schon einiges angesichts des neuen Fernsehvertrages, der seit dem vorigen Freitag auch offiziell unter Dach und Fach ist. Das bis sechs Sekunden vor Schluß unentschiedene Spitzenspiel in Bonn war dabei gelungene Erstaufführung für den neuen Partner, den Bezahlsender Premiere. Auch wenn außerhalb der überfüllten Halle nur Abonnenten beobachten konnten, was gerade diesen beiden Klubs in dieser Phase der Saison ganz besonders wichtig ist. Wie die runderneuerte Berliner Mannschaft verfügen auch die Bonner wieder über Profis im neugestalteten Team, die ihr Publikum begeistern können.

          Zunächst einmal galt dieses Auswärtsspiel rein sportlich als "ein echter Wahrsager", wie Albas Vizepräsident Marco Baldi angekündigt hatte. Denn erstmals nach Jahren der Konstanz haben sich die Berliner vor der Saison nicht mehr auf ein festes Gerüst routinierter, beim eigenen Zuschauer bestens eingeführter Profis mit kleinen Ergänzungen verlassen, sondern viele neue Gesichter präsentiert. Sieben Spieler verließen den Klub oder beendeten die Karriere, sechs neue kamen. Da muß sich noch zeigen, ob die anspruchsvollen Fans tatsächlich, wie erhofft, in erster Linie sehenswerten Basketball erleben wollen, dargeboten von einer Mannschaft, in der sich zur Identifikation geeignete Figuren erst noch formen müssen. Bei der Niederlage in Bonn jedenfalls verließ man sich noch zu sehr auf den Kroaten Jovo Stanojevic, der mit 29 Punkten und 10 Rebounds andeutete, warum er in seiner dritten Saison für Berlin "der dominierende Center der Liga" sein könnte, wie Predrag Krunic sagte.

          Für den Bonner Trainer ist es längst Routine, daß er seinem Publikum wieder ein frisches Team präsentieren muß. Es ist zwar aus der Not eines beschränkten Etats geboren, daß man abermals nur wenige Leistungsträger wie den serbischen Power Forward Aleksandar Nadjfeji weiterhin an sich binden konnte. Doch daraus hat Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich längst eine Tugend gemacht. Solange die finanziellen Mittel nicht mit der angestrebten größeren Halle wachsen, setzt er mit seinem Team auf den Wundertüten-Effekt im Publikum. Und tatsächlich haben die Zuschauer, die sich der Klub in dieser dem Spitzensport eher entwöhnten Stadt erst heranziehen mußte, das Spiel mitgemacht und zeigen sich jede Saison aufs Neue neugierig, was denn da in der engen Hardtberg-Halle geboten wird. Für Wiedlichs Geschmack kam deshalb dieser 32. Vergleich seit 1996 mit den Berlinern zwar noch etwas früh. Aber der knappe Sieg über den alten Rivalen vergrößert die Erleichterung darüber, daß es seinen sportlichen Experten im Klub wieder einmal gelungen zu sein scheint, ein schlagkräftiges Ensemble zu formen. Wiedlich jedenfalls freute sich "riesig, daß wir einen so attraktiven Basketball spielen".

          Hauptverantwortlicher dafür bleibt Trainer Krunic. Insbesondere die Talente seiner basketballverrückten Heimat kennt er, seit er von 1994 bis 1998 Koordinator und Trainer des Nachwuchskaders von KK Zemun Belgrad war. Anschließend kam er als Assistent von Bruno Soce nach Bonn, und seitdem profitiert der Klub noch mehr von Kontakten, die dem Team nun beispielsweise einen Spielmacher wie den Serben Branko Milisavljevic bescherten, der mit seinen verblüffenden Zuspielen sogleich Publikumsliebling wurde und mit 22 Punkten gegen Berlin auch noch erfolgreichster Bonner war. Auch er wird wohl nicht länger als ein Jahr am Rhein bleiben. Doch vielleicht gelingt Trainer Krunic mit ihm in dieser Saison ein weiterer Rekord: jüngster Meistertrainer der Liga.

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