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Basketball beim FC Bayern : Mal wieder Außenseiter

Fan und Förderer der Münchner Basketballabteilung: Uli Hoeneß, hier 2019 Bild: dpa

Als erste deutsche Mannschaft überhaupt steigt das Basketballteam der Bayern in die Play-offs der Euroleague ein. Sie werden von vielen unterschätzt. Doch das treibt sie nur an.

          2 Min.

          Vor dem ersten Spieltag der Euroleague haben die Mitarbeiter des Basketballportals „Eurohoops“ eine Rangliste veröffentlicht. Sie stuften die 18 Mannschaften, die am besten europäischen Vereinswettbewerb teilnehmen, auf der Basis von selbstgewählten Kriterien ein. Sie bewerteten dafür unter anderem, wie gut die Spieler einer Mannschaft sind und wie gut sie zueinander passen. Auf dem letzten Platz landete ein deutscher Verein: der FC Bayern München.

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          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Jetzt, fast sieben Monate später, steht fest, dass sich die „Eurohoops“-Mitarbeiter mit dieser Einschätzung ganz schön vertan haben. Als die Hauptrunde der Euroleague vor anderthalb Wochen endete, standen die Bayern nicht auf dem letzten, sondern auf fünfen Platz – und rückten als erste deutsche Mannschaft überhaupt seit Einführung dieses Formats in die Play-offs der besten Acht vor. Sie haben 21 von 34 Spielen gewonnen, unter anderem gegen den FC Barcelona, ZSKA Moskau und Anadolu Efes Istanbul, die wohl drei besten Mannschaften Europas.

          Mailands Groß-Investitionen

          Nun müssen sie im Viertelfinale gegen die Nummer vier der Euroleague antreten: Armani Mailand, den italienischen Rekordmeister. An diesem Dienstag (20.45 Uhr, live bei Magentasport) findet das erste Duell der „Best of Five“-Serie in Mailand statt. Wer zuerst drei Spiele gewinnt, kommt ins Final Four. Und obwohl Mailand und München die Hauptrunde mit identischer Bilanz (21 Siege, 13 Niederlagen) abgeschlossen haben, erinnern die Einschätzungen in den Basketballportalen wieder an den Saisonstart: Auf den FC Bayern setzt fast keiner.

          Wenn man die Basketballabteilungen in Mailand und München miteinander vergleicht, versteht man, warum das so ist. Im Sommer der Pandemie haben die Mailänder, finanziert vom Mode-Milliardär Giorgio Armani, den amerikanischen Center Kyle Hines und den italienischen Flügelspieler Luigi Datome verpflichtet. Beide haben die Euroleague schon gewonnen. Dazu kommt Malcolm Delaney, der früher in München spielte, den man sich dort aber nicht mehr leisten kann.

          Spieler mit Play-off-Erfahrung

          In Mailand leitet er zusammen mit dem Spanier Sergio Rodriguez, einem ehemaligen Euroleague-MVP und Euroleague-Champion, das Spiel. Und dann haben sie noch den Trainer Ettore Messina angestellt, der den Wettbewerb schon viermal gewonnen hat und den viele für einen der cleversten in der Geschichte des europäischen Basketballs halten. Und wen haben die Bayern? In ihrem Kader gibt es mit dem amerikanischen Center James Gist nur einen Profi, der überhaupt schon mal in den Play-offs der Euroleague aufgelaufen ist.

          Als Außenseiter in die Playoffs: Paul Zipser und der FC Bayern
          Als Außenseiter in die Playoffs: Paul Zipser und der FC Bayern : Bild: Imago

          In der Viertelfinalserie gegen Mailand sind die Münchner daher mal wieder Außenseiter. Wenn man Marko Pesic, dem Basketball-Geschäftsführer der Bayern, glaubt, ist das ihre große Chance. „Von der Qualität des Kaders gesehen sind wir vielleicht nicht in den Top 8, doch beim Charakter gehören wir in die Top 3.“ Seine Spieler motivieren sich damit, dass sie unterschätzt werden. Das ist der Charakter der Mannschaft. Das treibt sie an. Sie wollen sich beweisen.

          „Sie sind dafür gemacht, das Final Four zu gewinnen“

          Es gibt ein paar Spieler, für die das besonders gilt. Allen voran für den amerikanischen Spielmacher Wade Baldwin IV, der in der NBA und der Europa von Teams verstoßen worden ist. Auch für den amerikanischen Center Jalen Reynolds, der sich weder in Barcelona noch in St. Petersburg noch in Tel Aviv durchsetzen konnte. Und für Žan Mark Šiško, Paul Zipser und Nick Weiler-Babb. Sie spielen nicht nur für den nächsten Sieg, sondern auch für den nächsten Vertrag.

          Es hat mit einem Mann zu tun, dass die Unterschätzten aus München Mailand trotzdem herausfordern können: dem neuen Trainer Andrea Trinchieri. Mit dem passenden System und dem passenden Umgang hat er aus seinen Spielern eine Mannschaft gemacht, die nur schwer zu schlagen ist. Ihren Zusammenhalt kann man vor allem in der Verteidigung beobachten. In Trinchieris System kann fast jeder jeden decken. Reicht das, um Mailand, den großen Favoriten, zu besiegen? „Sie sind dafür gemacht, das Final Four zu gewinnen“, sagt Trinchieri. „Sie haben alles, aber wir werden trotzdem hinfahren.“ Als Außenseiter, aber heißt in dieser Saison nichts Schlechtes.

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