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Basketball beim FC Bayern : Demut, Bonität, Wagemut

„Von meinen Fachleuten überzeugt”: Uli Hoeneß mit Trainer Bauermann (r.) Bild: dapd

Basketballboom in München: Aus der Rudi-Sedlmayer-Halle wird der „Audi-Dome“, 360 Vip-Plätze inklusive. Der FC Bayern schafft es, auch im Basketball bei der Personalsuche Maßstäbe zu setzen. Für das Interesse der Spitzenkräfte gibt es gute Gründe.

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          Für eine Führungskraft des FC Bayern sind das ungewohnte Töne: „Wir brauchen ein gewisses Maß an Demut.“ Das sagt Marko Pesic, Titel: Sportdirektor. Als Fußball-Rekordmeister hat man die Demut nicht erfunden. Aber hier geht es um etwas anderes, um Basketball. „Wir müssen erst einmal in der Liga ankommen“, sagt Pesic. „Uns etablieren.“

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Der Zeitpunkt ist günstig. „Es bewegt sich gerade viel im Basketball. Die spannenden Play-off-Finals der letzten Bundesliga-Saison hatten gute TV-Quoten“, sagt Pesic. „Dann kam Dirk Nowitzki mit seinem NBA-Titel dazu. Und dass Dirk nun auch bei der EM spielt, ist für den deutschen Basketball ein riesengroßes Ding.“ Es herrscht Aufbruchstimmung, zu der auch die Bayern beigetragen haben – und von der sie profitieren wollen. „Wir müssen das jetzt ausnutzen und die Voraussetzungen schaffen für eine bessere Vermarktung des Basketballs bei Fernsehen und Sponsoren.“

          Das Drehbuch scheint bei Billy Wilder abgeschaut. Der empfahl einst zur Fesselung des Publikums: „Mit einem Erdbeben beginnen, dann langsam steigern.“ Seit Bayern-Präsident Uli Hoeneß sich dafür gewinnen ließ, auch unter den Körben das große Rad zu drehen und ein paar Millionen für Basketball locker zu machen, gibt es keine Kompromisse mehr. Nach dem Turboaufstieg aus der zweiten Liga steigern die Bayern das Tempo für die erste. Die städtische Rudi-Sedlmayer-Halle, ein olympisches Relikt von 1972, wird mit vier Millionen Euro aus der Vereinskasse zu einer modernen Spielstätte umgebaut. Sie wird eine 360 Personen fassende „Vip-Lounge“ haben und den Namen eines der Anteilseigner der FC Bayern AG tragen: „Audi-Dome“. Sponsoren stehen Schlange, der Markenname FC Bayern zieht auch im Basketball.

          Bayern statt Spanien: Robin Benzing
          Bayern statt Spanien: Robin Benzing : Bild: dpa

          Schon mehr als zwei Monate vor Saisonbeginn stellte Hoeneß stolz einen Kader vor, in dem das schon zuvor erstklassig besetzte Team um drei Stars erweitert wurde: die beiden Amerikaner Je’Kel Foster und Sharrod Ford, dazu das größte deutsche Talent, Robin Benzing. „Robert hatte Angebote aus Spanien, hat sich aber auch wegen Trainer Dirk Bauermann für den FC Bayern entschieden“, sagt Marko Pesic.

          Der Direktor sitzt auf Umzugskartons

          Er kennt Benzings Interessen, er hat sie bis vor wenigen Wochen vertreten. Pesic gab den Berater-Job auf, um Anfang Juli zu den Bayern zu gehen. Seine alten Verbindungen dürften sich für den Klub schon ausgezahlt haben. Nicht nur bei Benzing. Bei den beiden Amerikanern halfen die Kontakte in Italien, wo Pesic am Ende seiner Karriere spielte und studierte. „Ich habe den Kader bereits mitgestaltet“, sagt er.

          Noch ist Bayerns Basketball eine Baustelle. Der Direktor sitzt auf Umzugskartons. Die Abteilung von Pesic, bisher im hintersten Winkel der Säbener Straße schwer zu finden, zieht demnächst in die neue Halle um. Schon sind dort mehr als 2000 Dauerkarten abgesetzt. Basketball ist auf dem Weg, beim verwöhnten Münchner Publikum als Sportart Nummer zwei akzeptiert zu werden. Auch international findet der Aufsteiger bereits Beachtung. Vom europäischen Verband gab es, bevor die Bayern auch nur ein Erstligaspiel bestritten haben, eine Wildcard für den EuroCup, den kleinsten der drei europäischen Wettbewerbe. Das ging selbst Hoeneß etwas schnell. Er ließ sich dann aber „von meinen Fachleuten überzeugen“.

          Wildcard für den EuroCup

          „Die Einladung zum EuroCup zeigt die große Beachtung für das Projekt FC Bayern in ganz Europa“, sagt Pesic. Europa, dann aber die Eliteklasse, die Euroleague, das wäre für den FC Bayern irgendwann auch der logische letzte Schritt der Entwicklung – nachdem man in der Bundesliga in der Debütsaison mindestens Platz fünf anpeilt und mittelfristig den Kampf um den Titel. Rückschläge sind einzurechnen. Denn so wie der Name FC Bayern Türen öffnet, so setzt er auch Kräfte frei – bei Gegnern. Da erwartet Trainer Bauermann keinen Unterschied gegenüber den Fußballern: „Wir haben die Zielscheibe auf dem Rücken.“

          Doch mehr denn je gilt: Wer in der Bundesliga besteht, kann das auch in Europa. „Andere Länder, die führend waren, wie Griechenland, Spanien, Italien, sind in finanziellen Schwierigkeiten“, sagt Pesic. „Der Unterschied zu den Klubs aus diesen Ländern war noch vor zwei Jahren riesengroß. Das hat sich angenähert.“ Die Seriosität der Bundesliga mache deutsche Klubs immer attraktiver. So habe sich kein einziger Spieler, den man ansprach, desinteressiert gezeigt. Die Bonität eines FC Bayern garantiert für etwas, auf das viele Spieler sich in den Mittelmeerligen zuletzt nicht immer verlassen konnten: pünktliche Gehaltszahlungen.

          „Das ist eine Chance“, sagt Pesic. „Aber man muss sich auch was trauen, so wie wir es mit Leuten wie Ford und Foster getan haben.“ Und so wie es die andere, bekanntere Abteilung seines Klubs seit ein paar Jahren tut. „Der Fußball hat es vorgemacht. Da war es bis vor ein paar Jahren auch nicht möglich, dass ein Raúl, Ribéry oder Robben in der Bundesliga spielt.“ Demut hilft, Wagemut auch.

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