https://www.faz.net/-gtl-ov5n

Basketball : "Bad Boys" kurz vor dem Basketballtitel

  • -Aktualisiert am

Bauermann will kein „Bad Boy” sein Bild: dpa/dpaweb

Den Basketballprofis des GHP Bamberg fehlt noch ein Sieg zum Gewinn der Meisterschaft. Doch die Frankfurt Skyliners beklagen sich über die Härte ihres Finalgegners.

          3 Min.

          Kurz bevor die Bundesligasaison in die entscheidende Phase einschwenkte, stellten sich fünf Profis des Basketball-Klubs GHP Bamberg Ende April für ein besonderes Titelfoto eines Fachmagazins zur Verfügung. "Bad Boys" hieß das Thema. Und so gaben sich Mike Nahar, Chris Ensminger, Steffen Hamann, Jason Sasser und Rick Stafford alle Mühe, möglichst herausfordernd und streitlustig in die Kamera zu blicken. Wie böse Buben einer Straßengang halt, denen man tunlichst auch tagsüber aus dem Wege geht. Wer einige Seiten weiterblätterte, erfuhr dann, wie das Team selbst mit diesem Image umgeht: Da haben fünf jungenhaft lachende Spieler sichtlich Spaß am Sport, räumen aber zugleich ein, auf dem Spielfeld mit ihren Mitteln siegen zu wollen, unnachgiebig hart zupackend nämlich. Am Montag abend wird sich bei den Basketball-Freunden der Eindruck festgesetzt haben, daß die Bamberger so zwar kurz vor dem Sieg in der deutschen Meisterschaft stehen, dabei aber mit ihrer Kampfkraft übers Ziel hinausgeschossen sind.

          Robert Garrett vom Endspielgegner Opel Skyliners Frankfurt wird davon noch einige Zeit ein Lied singen können. Denn der 27 Jahre alte Guard war Mittelpunkt jener Szene dreißig Sekunden vor Schluß der dritten, von zwei zähen Abwehrreihen dominierten Finalbegegnung, die den 5000 Zuschauern in der Frankfurter Ballsporthalle länger im Gedächtnis bleiben wird als der 66:62-Sieg der Bamberger. Beim Versuch, ein schnelles Dribbling mit einem Korbleger abzuschließen, war Garrett mit dem Bamberger Center Sasser zusammengeprallt und so unglücklich auf den Rücken gestürzt, daß in der ersten Diagnose sogar ein Beckenbruch befürchtet wurde. Das bestätigte sich zum Glück nicht, doch eine schwere Prellung wird Garrett voraussichtlich davon abhalten, seinem Team an diesem Donnerstag in Bamberg beim Versuch zu helfen, den 1:2-Rückstand in der Serie "Best of five" noch einmal auszugleichen. Und die Diskussion um übertrieben rohes Bamberger Spiel war damit erst richtig entfacht.

          Die Schiedsrichter tragen die Schuld

          Ahnungsvoll vermutete Sabine Günther, Vizepräsidentin der Bamberger, daß diese Aktion "unseren Ruf nicht gerade verbessern" werde. Wobei sie sich allerdings vom Fernsehen bestätigt sah, daß es "kein unsportliches Foul" gewesen sei. Diese Bilder standen Gordon Herbert, dem Trainer der Skyliners, zunächst nicht zur Verfügung. Weshalb den Kanadier, einen studierten Sportpsychologen, die Szene derart mitnahm, daß er in hellem Zorn kaum davon abzuhalten war, sich Sasser vorzuknöpfen. Später versuchte Herbert, einen etwas größeren Zusammenhang herzustellen. "Es war nur eine Frage der Zeit, bis so was passiert", sagte er. Aber nicht Sasser, sondern die Schiedsrichter trügen Schuld. "Ich frage mich wirklich", sagte Herbert, "wem gegenüber diese Herren eigentlich verantwortlich sind."

          Doch auch diese Zuordnung wurde dem umkämpften Spiel nicht gerecht. Schließlich war es, so bestätigte auch Herbert, eine schwer zu durchschauende "Abwehrschlacht zwischen den zwei besten Defensivteams der Liga". Wobei seine Skyliners um den tätowierten Hünen Mario Kasun, gleichfalls keine Chorknaben unter den Körben, größere Schwierigkeiten mit der auch äußerst beweglichen Bamberger Zonenverteidigung hatten als umgekehrt. Dabei freute den Bamberger Trainer Dirk Bauermann besonders, daß sein Team in seiner Geschlossenheit kaum auszurechnen war. Zur Entscheidung fand es entweder den Weg durch die Mitte über die Center Ensminger, Nahar und Sasser oder über die Ecken des Spielfeldes, aus denen Weitwurfvirtuose Gert Kullamäe gleich viermal traf.

          „Bin kein schmutziger Spieler“

          Die Bewunderung solch rarer Kunststücke blieb allerdings spätestens im Schrecken über Sassers rüden Abwehrversuch hängen, den die Schiedsrichter als sogenanntes absichtliches Foul werteten. Doch Bauermann nahm seinen Spieler in Schutz: Sasser sei niemand, der vorsätzlich eine Verletzung eines Spielers bei einem Foul in Kauf nehme. Wie der Trainer überhaupt "die Diskussion um unsere übertriebene Härte für überzogen" hielt. Sasser selbst, der sich abseits der Körbe gern als Laienprediger betätigt und der Garrett sofort nach dem Spiel im Krankenhaus aufsuchte, sprach von einem Unfall. "Ich habe ihn unglücklich getroffen", sagte er. Er könne die Emotionen der Fans und der Trainer verstehen. "Aber ich bin kein schmutziger Spieler."

          Insofern ist die Imagekampagne, auf die sich die Bamberger eher im Spaß eingelassen haben, eine durchaus zweischneidige Angelegenheit. Das sieht vor allem ihr 40 Jahre alter Spielgestalter Derrick Taylor so. "Bad Boys", das klinge cool, und es sei auch sicher gut, "ein toughes Team zu sein", sagte er. "Doch dabei übersehen viele, was für großartige Spieler wir haben." An diesem Donnerstag wollen sie es beweisen - und dafür mit dem Titel belohnt werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Begriff „Milliardenhöhe“ ist mit Betrugsgeschichten bislang zumindest hierzulande selten gewesen.

          Wirecard-Skandal : Insolvenzverwalter: Konzern wurde leergeräumt

          Der Insolvenzverwalter von Wirecard erhebt schwere Vorwürfe gegen das ehemalige Management des Konzerns. Mit dem Teilverkauf in dieser Woche kommt aber ein wenig Geld in die Kassen, um den Skandal mit Unterstützung von Anwälten aufzuklären.
          Plötzlich auf der Intensivstation: Welche Behandlung Patienten im Notfall wünschen, sollten sie in einer Patientenverfügung festhalten (Symbolbild).

          Was Corona lehrt : Triage braucht ein Gesetz

          Wen zuerst behandeln, wenn die Intensivbetten nicht ausreichen? Seit der Coronakrise ist Triage eine gesamtgesellschaftliche Frage. Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat Intensivmediziner zu ihren Erfahrungen befragt.

          Conte und „Ferragnez“ : Bei Anruf Maske tragen

          In Italien hat diese Woche ein Anruf für Aufregung gesorgt: Ministerpräsident Conte soll das Influencer-Paar Chiara Ferragni und Fedez gebeten haben, für das Tragen von Masken zu werben. Ein Armutszeugnis, fanden manche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.