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Basketball : Allens großer Wurf

26 Punkte, neun Rebounds: Derrick Allen war gegen Alba nicht zu bremsen Bild: Wonge Bergmann

Frankfurt beendet die Basketball-Saison von Alba Berlin - weil Derrick Allen, Power Forward der Skyliners im Gegensatz zu den Stars der Berliner geradezu vor Kraft und unbändigem Siegeswillen Allen mag es kurz und bündig - auf und abseits des Platzes.

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          Er war der Mann des Abends: Derrick Allen. Schon allein wegen seiner 26 Punkte, die er am Mittwoch zum 69:58-Sieg der Frankfurt Skyliners über Alba Berlin beisteuerte und damit die Hessen ins Halbfinale der Basketball-Bundesliga warf. Allen, der Profi aus Alabama, ist ein stiller Typ, abseits des Feldes eher zurückhaltender. Aber auf dem Parkett gibt er, wenn immer er kann, alles. Und dies selbst dann, wenn es „nur um die goldene Ananas“ ginge, hat einmal sein ehemaliger Trainer Murat Didin gesagt, der von den Skyliners jüngst beurlaubt wurde und seinen Platz als Headcoach für Gordon Herbert räumen musste. Dass die Einschätzung Didins zwar zutreffend, aber doch nicht ganz exakt war, zeigte Allen im vierten Spiel des Play-off-Viertelfinales gegen Berlin.

          Allen gab nicht nur das, was ihn auch sonst bei fast allen seinen Auftritten als Vorzeigeprofi auszeichnet – sondern noch viel mehr. Der Amerikaner war nicht zu bremsen. Neun Rebounds griff er sich unter dem eigenen Korb und dem der Gegner, fast dreißig Minuten wirbelte er über das Parkett; sein Cheftrainer Herbert nahm ihn immer nur kurz zum Verschnaufen auf die Bank.

          Allen sprühte im Gegensatz zu den Stars der Berliner geradezu vor Kraft und unbändigem Siegeswillen; seine schnelle Bewegung, seine „Fußarbeit“ beim Spiel „Eins gegen Eins“ wirkte noch explosiver als sonst. Seine Treffsicherheit war exzellent: 71 Prozent von Allens Würfen trafen in den Berliner Korb; der Dreipunktewurf, mit dem der Power Forward aus der Distanz und in der Rückwärtsbewegung das 50:37 erzielte, riss die 4800 Zuschauer in der Frankfurter Ballsporthalle von ihren Sitzen. Der Frankfurter Einzug ins Halbfinale war zu einem bedeutenden Teil der Verdienst des 29 Jahre alten Mannes aus der kleinen, amerikanischen Industriestadt Gadsten.

          Just D.A.: Allen kann fast alles und macht fast alles perfekt

          Die Begeisterung über den Auftritt des wichtigsten Frankfurter Spielers dieser Saison war ungeteilt. Im Gang zu den Umkleidekabinen der Ballsporthalle gab Allen höflich und zurückhaltend wie immer das sechste, siebte und achte Interview des Abends, während die Stars der Konkurrenz wortlos hinter ihm vorbeischlichen. Eines taten die Berliner Julius Jenkins und Rashad Wright aber dann doch im Vorbeigehen: Der anerkennende Schlag auf die breite Schulter von Allen war eine Art kollegiale Pflicht für sie, der sie respektvoll nachkamen. „Ein großartiges Spiel“, habe Allen gezeigt, sagte Cheftrainer Herbert nach der Galavorstellung des Amerikaners, seine Leistung sei „herausragend“ gewesen – „vielleicht die beste, die er je in Frankfurt gezeigt hat“.

          Er kann fast alles - und er macht fast alles perfekt

          Es kann schon sein, dass Allen noch bessere Auftritte hatte in seiner dreijährigen Vergangenheit bei den Skyliners. Der vom Mittwoch wird aber allen in Erinnerung bleiben, da es vermutlich noch nie einen so kompletten Derrick Allen im Frankfurter Trikot gegeben hat. In Angriff und in der Abwehr, die vor noch nicht allzu langer Zeit nicht gerade seine Paradedisziplin war, spielte er glänzend. Hinzu kommt, dass sich Allen von seiner Rolle als Center, die er in Frankfurt lange spielen musste, wegentwickelt hat zu einem Power Forward mit Centerqualitäten. Sein exakter Distanzwurf macht rundet die Vielseitig keit ab: Allen in guter Form lässt sich kaum aufhalten. Die Kombination macht ihn derzeit wohl zum komplettesten Spieler der Liga. Er kann fast alles – und er macht fast alles perfekt.

          Auch wenn er gerade nicht bei einem Punktspiel auf dem Parkett steht, ist der Amerikaner schwer zu bremsen. Allen hat an der Mississippi University „Recreation Management“ studiert; ein Fach, das viel mit Jugendarbeit, Erziehung und mit Sport zu tun hat. Er selbst gönnt sich nur wenig Erholung. Es heißt, der ehemalige Trainier Didin habe ihn zuweilen aus der Trainingshalle im Frankfurter Nordwestzentrum werfen müssen, weil Allen einfach nicht aufhören wollte mit dem Üben. „Ich muss das nicht tun“, hat Allen einmal erstaunt auf die Frage nach seinem Antrieb geantwortet, „ich will es.“

          „Just D.A.“

          Viel trainieren, wenig reden – das scheint eine der Linien zu sein, denen Allen strikt folgt. Vor allem für junge oder neue Spieler bei den Skyliners ist er dennoch nicht nur auf dem Feld ein „go to guy“, der Spielertyp, der sich in den entscheidenden Momenten durchsetzt. Wahrscheinlich schätzen viele auch seine effektive Art, zu kommunizieren. Denn wer Allen fragt, bekommt eine Antwort, die seinem Spielstil ähnlich ist: schnell, zuverlässig und treffend.

          Allens Vertrag läuft mit dieser Saison aus in Frankfurt. Und sollten die Skyliners tatsächlich Meister werden, würde der Wert des 29-jährigen Profis auf dem Markt der gefragtesten Spieler sicher noch einmal nach oben schnellen. Natürlich würde er gerne bleiben, sagt er artig. Dennoch merkt man, dass hinter diesen wenigen Worten mehr steckt. Allen mag es kurz und bündig. Auf die Frage, ob er denn einen Spitznamen habe wie sein Landsmann Jimmy McKinney, der sich gerne „Jay Rock“ rufen lässt, antwortete Allen einmal gelassen: „Just D.A.“

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