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Basketball : Alba gegen alle

Alba-Trainer Pavicevic: „Der Wal, der auftaucht, wird erschossen” Bild: imago sportfotodienst

Zum ersten Mal seit sieben Jahren geht Alba Berlin nicht als Erster in die Play-offs, die am Wochenende beginnen. Der Basketballklub fühlt sich benachteiligt - und vermutet dahinter ein System. „Die Liga will nicht, dass ein Verein herausragt.“

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          Erst der Streit, jetzt knallen die Türen. Alba Berlin macht mit dem Rückzug aus allen Gremien der Basketball-Bundesliga (BBL) deutlich, wie sehr der Verein sich über die Leistungen der Schiedsrichter ärgert. „Schlimmer kann es nicht werden“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi. „Ich sage nicht, dass wir benachteiligt werden. Aber ich sage: Wir erfahren keine Gleichbehandlung.“ Der Punkt sei erreicht, an dem die jahrelange konstruktive Mitarbeit ein Ende hat.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Erstmals seit sieben Jahren geht Alba am Ende der Hauptrunde nicht als Nummer eins, sondern als Zweiter in die Play-offs um die deutsche Meisterschaft, die am Wochenende beginnen (Alba startet am Sonntag um 17 Uhr zu Hause gegen die Skyliners Frankfurt). Doch das ist für die Verantwortlichen des Klubs, der gerade noch das Endspiel des EuroCups in Vitoria erreicht hatte, angeblich nicht der Grund dafür, dass sie nach monate- und jahrelangem Rumoren nun wie ein Vulkan explodieren. „Wir sind der Überzeugung, dass die Mannschaft, die am besten Basketball spielt, am Ende auch oben stehen soll“, sagt Baldi. Den impliziten Vorwurf, dass es nicht so sei, drückt sein Trainer Luka Pavicevic so aus: „Der Wal, der auftaucht, wird erschossen. Der, der unten bleibt, hat seine Ruhe.“

          Was er damit meint? „Die Bundesliga will nicht, dass ein Verein herausragt.“ Indirekt macht der Verein Jan Pommer, den Geschäftsführer der BBL, dafür verantwortlich. Zwar gebe es keinen Plan und schon gar keine Absprache, Alba systematisch zu benachteiligen. Doch die Ungleichbehandlung durch die Schiedsrichter, wie sie Alba beklagt, entspringe der von Pommer und der BBL vertretenen Haltung, dass die Basketball-Bundesliga vor allem mit Spannung und Überraschungen erfolgreich sei.

          „Ein klares Ungleichgewicht gegenüber Alba“

          Gegen den Anspruch auf höchste Qualität, so sieht man es in Berlin, stelle die BBL die Möglichkeit, dass jeder jeden besiegen könne. Niemand in Berlin wird es öffentlich sagen, aber Spieler wie Funktionäre haben das Gefühl entwickelt, in jedes Bundesligaspiel mit einem Malus von zehn Punkten zu gehen. Natürlich erwiderte Pommer die Vorwürfe Albas: „Das ist entweder mangelnde Wahrheitsliebe oder einfach Ignoranz.“ Am selben Tag lud er Bundesligatrainer zu einer Saisonanalyse der Schiedsrichterleistung sowie zu einem gemeinsamen Workshop ein.

          Sowohl Alba als auch die BBL berufen sich darauf, systematisch Spiele zu analysieren. Was die Liga der Universität Potsdam übertragen hat, nämlich die Auswertung von 223 Spielen, 73 Prozent dieser Saison, unternimmt Alba nach jeder seiner Partien. Strittige Entscheidungen würden seit zwei Jahren mit dem Schiedsrichterreferat der Liga besprochen, sagt Sportdirektor Henning Harnisch, um Klarheit über die Kriterien zu schaffen. Auf den Hinweis von BBL-Sprecher Dirk Kaiser, Alba habe in zwei Jahren lediglich Spielszenen von acht Spielen auf DVD eingeschickt, erwidert Harnisch, dass solche Zusammenschnitte im Schnitt alle drei Monate erfolgten und lediglich beispielhafte Fälle zeigten. Ihnen gehe intensive Kommunikation voraus. „Wir telefonieren und mailen“, sagt Harnisch. „Auf allen Ebenen wird ein konstruktives Miteinander suggeriert, und in der Summe kommt dabei heraus: Ihr habt recht. Bloß es hat sich nie etwas geändert.“

          Zum ersten Mal hatte die Alba-Führung vor fünf Wochen ihre Diskretion aufgegeben. Am Tag nach dem 70:76 im Heimspiel gegen Frankfurt beklagte Baldi „ein klares Ungleichgewicht gegenüber Alba, die ganze Zeit schon“. Die Liga trete ihren Spitzenklub mit Füßen. Pommer nannte die Vorwürfe „abwegig und nicht akzeptabel“ und bedachte Baldi mit einer Geldstrafe. Wegen Verstoßes gegen die Sportdisziplin seien 2600 Euro fällig. Baldi aber ist überzeugt, dass er nicht die Schiedsrichter beleidigt habe, wie es der entsprechende Paragraph beschreibt. „Wir lassen gerade rechtlich prüfen, ob wir die Strafe zahlen“, sagt er.

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