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Basketball-Play-offs : Albas Sprung in den Swimmingpool

Taucht gerne mal ab: Albas Spielmacher Peyton Siva Bild: dpa

Während sich Oldenburg über den Schiedsrichter beschwerte, freute sich Alba über schnelle Spielzüge, die Fouls provozierten. Schaffen es die Berliner, die Baskets auch im zweiten Match niederzuringen?

          Ich nehme eine Pfeife mit“, kündigte Mladen Drijencic für das Spiel an diesem Mittwoch in Berlin (20.30 Uhr im TV bei Sport1 und im Livestream bei MagentaSport) an, „und pfeife mit.“ Das war der charmante Teil der Kritik des Oldenburger Trainers an den Schiedsrichtern. Mit der 93:100-Niederlage vom Sonntag hat sein Basketball-Team in der Halbfinal-Serie der Play-offs den Heimvorteil verloren, den es sich mit Platz zwei in der Punktrunde erarbeitet hatte. Der uncharmante Teil der Kritik bestand darin, dass Drijencic die 32 Fouls beklagte, die für Aktionen seiner Spieler gepfiffen wurden, und vor allem all das, was angeblich nicht gepfiffen wurde im Berliner Spiel: Schrittfehler, Fouls und Flopping. Unmöglich, fand der Trainer der Baskets, dass die Liga fürs Halbfinale der Meisterschaft nicht einen ihrer besten Schiedsrichter nominiert hatte. „Und ich kriege das technische Foul!“, erregte Drijencic sich noch lange nach dem Spiel.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Tatsächlich wirkte es, als beeinflussten die Referees das Spiel: Im letzten Viertel schieden erst Philipp Schwethelm (6 Punkte in 15 Minuten Spielzeit), dann der als wertvollster Spieler der Liga ausgezeichnete Aufbauspieler Will Cummings (21 Punkte/4 Assists) und schließlich der als Passgeber und Distanzschütze erfolgreiche Center Raid Mahalbasic (21 Punkte/8 Rebounds) aus, weil sie jeweils fünf Fouls auf dem Konto hatten. Drijencic hatte sie lange pausieren lassen, um sie nicht noch früher zu verlieren.

          Kann eine Mannschaft so spielen, dass der Gegner Fouls angehängt bekommt? „Das kann man nicht planen“, sagte der Berliner Mannschaftskapitän Niels Giffey (6 Punkte). „Aber dadurch, dass wir einen anderen Stil gespielt haben, als sie gewohnt sind, hat sie das erschöpft und zu Fouls auf ihrer Seite geführt.“ Center Landry Nnoko (15 Punkte/6 Rebounds), der sich unter dem Korb Kämpfe mit Mahalbasic lieferte, bestätigte: „Wir wollten sie müde machen.“

          Viel Rotation, viel Power und ein gewagter Sprung

          Trainer Aito Reneses wechselte sein junges Team in hoher Frequenz durch, und mit dem je zehnminütigen Einsatz des siebzehn Jahre alten Franz Wagner (8) und des 21 Jahre alten Tim Schneider (3) kam er auf zehn Spieler. Drijencic versuchte, wie üblich, mit acht bei dem Versuch auszukommen, die Berliner an ihren Schnellangriffen zu hindern. Das ging nur so lange gut, wie seine Besten bei Kräften waren. Doch schon in der ersten Hälfte leisteten sich die Oldenburger erstaunlich viele Ballverluste und ließen sich, als die Berliner nicht trafen, viele Rebounds am eigenen Korb wegschnappen.

          Überragend, noch vor seinen Berliner Mannschaftskameraden Martin Hermannsson (15) und Luke Sikma (8), war Alba-Aufbauspieler Peyton Siva. Der Amerikaner erzielte 26 Punkte, gab zehn Vorlagen, die zu Treffern führten, und sorgte mit Würfen und Sprints mehrmals für Schweigen in der Halle. Seine schönste Aktion war ein hohes Anspiel auf Nnoko, etwa drei Minuten vor Schluss, welches dieser im Sprung annahm und dann – Alley oop – den Ball in den Korb drückte. „Ich habe viel daran gearbeitet, mit dem Kopf unten zu attackieren und, wie der Coach sagt, in den Swimmingpool zu tauchen.“

          Die womöglich wichtigste Aktion war einer dieser Schritte dorthin, wo es weh tun wird, in den Laufweg des angreifenden Cummings nämlich. Siva unternahm ihn so schnell, dass er mit beiden Füßen am Boden die Verteidigungsposition einnahm, bevor es krachte; beim Zusammenprall flog er rückwärts aufs Parkett und riss triumphierend die Faust hoch – das sechste Foul, zu dem er einen Gegenspieler verleitet hatte, das fünfte Foul für Cummings, den erfolgreichsten Werfer der Liga, und damit dessen Ausschluss. Das gegnerische Team war seines Kopfes beraubt. Was will eine Basketballmannschaft mehr?

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