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Trump wird ausgebuht : „Sperrt ihn ein!“

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Freundlich wurde der amerikanische Präsident Donald Trump beim Baseball nicht empfangen. Bild: AFP

Der amerikanische Präsident besucht das fünfte Spiel der Baseball World Series – und wird in Washington gar nicht freundlich empfangen. Es gibt Buhrufe gegen Donald Trump. Der lächelt – und geht vor Ende der Partie.

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          Die Tradition begann vor mehr als hundert Jahren mit dem Besuch von William Howard Taft bei einem Spiel in Washington. Sie gehört zu jenen Momenten, in denen sich der Präsident der Vereinigten Staaten wie ein Mann des Volkes geriert, wenn er vor dem offiziellen Beginn der Begegnung in einem unbeholfenen Zeremoniell dem Catcher der Heimmannschaft den Ball zuwirft. Als sich Donald Trump am Sonntag aufmachte, die fünfte Begegnung in der Baseball-Meisterschafts-Entscheidung, genannt „World Series“, live im Stadion zu erleben, war klar, dass er diesem Brauch keinen Tribut zollen würde. Der passionierte Golfspieler soll zwar das uramerikanische Spiel in Jugendjahren im Internat gut beherrscht haben. Was von dieser Wurftechnik übrig geblieben ist, durfte er im ausverkauften Stadion der Washington Nationals nicht zeigen. Das Team hatte andere Pläne.

          Es wurde auch ohne diese Einlage eine regelrechte Show. Nicht nur, weil man als Ehrengast für den ersten Pitch den populären Koch José Andrés eingeladen hatte. Der Spanier ist eine der Symbolfiguren in der Auseinandersetzung mit Trump, seit er aus Protest gegen dessen Einwanderungspolitik den Mietvertrag mit dessen Washingtoner Hotels aufkündigte. Anfang des Jahres servierte er Angestellten von Bundesbehörden kostenlos Mittagessen, deren Gehaltszahlungen wegen eines von Trump provozierten Streits um die Finanzierung des Jahreshaushalts betroffen waren.

          Sein Auftritt wurde gefeiert. Als der Präsident nach dem dritten Spielabschnitt in der Partie gegen die Houston Astros über die Videowand begrüßt wurde, brachen jedoch die mehr als 40.000 Zuschauer in laute Buhrufe aus. Die Lautstärke erreichte nach Angaben der Washington Post beinahe 100 Dezibel. Anschließend brach die Menge in den Schlachtruf aus: „Lock him up“ – „Sperrt ihn ein“. Die Forderung, den Präsidenten ins Gefängnis zu werfen, ist eine Retourkutsche auf die auf Hillary Clinton gemünzten Parolen von Trump-Anhängern aus dem Wahlkampf vor drei Jahren.

          Eine Reihe von Zuschauern kam vorbereitet und nutzte die Gelegenheit, mitgebrachte Banner auszurollen. Das Auffälligste fingen Fernsehkameras in der Blickachse hinter der sogenannten Home Plate ein, wo die schlagbereiten Spieler stehen und den Würfen der gegnerischen Pitcher entgegensehen. Der Text – „Veterans for Impeachment“ – war unmissverständlich: eine Aufforderung von ehemaligen Armeeangehörigen, Trump des Amts zu entheben. Der tat an einem Abend, an dem die Heimmannschaft sang- und klanglos 1:7 verlor und durch die Niederlage in der Serie 2:3 in Rückstand geriet, so, als beträfe ihn der Protest gar nicht.

          Begleitet von einer Entourage aus Gesinnungsfreunden aus dem Kongress und seiner Frau Melania, lächelte er, als wäre nichts geschehen und verließ den Schauplatz kurz vor Ende des Spiels. Schon im Vorfeld hatte Mark Lerner, der Mehrheitseigner der Nationals, deutlich gemacht, dass man dem Mann aus dem Weißen Haus nicht einfach das Feld überlassen würde. „Er hat selbstverständlich das Recht zu kommen,“ sagte er. „Er ist der Präsident der Vereinigten Staaten, egal ob man ihn mag oder nicht.“ Aber der Klub ließ sich nicht von seinem Plan abbringen, ihm den ersten Pitch zu verweigern. „Es gab viele andere Kandidaten, die man in Betracht ziehen sollte.“

          Diese Haltung in einer Stadt, in der eine überwältigende Mehrheit der Wähler 2016 gegen Trump gestimmt hatte, ist keine Überraschung. Sie setzte allerdings an einem Tag, an dem Trump frühmorgens stolz den Bombenangriff auf den Wohnsitz des Chefs der Terrormiliz Islamischer Staat von Abu Bakr al Bagdadi und dessen Selbstmord bekanntgegeben hatte („winselnd und weinend und schreiend“), einen medienwirksamen Kontrast. Statt einen triumphalen Applaus für seine Rolle bei der tödlichen Attacke auf einen der meistgesuchten Männer der Welt zu erhalten, servierte ihm der Protest nur negative Schlagzeilen.

          Hinter den Kulissen hatte Lerner in den Tagen zuvor schon dafür gesorgt, dass er Trump nicht über den Weg laufen würde, und die Liga gebeten: Er wollte keine offizielle Anfrage erhalten, ob ihn der Präsident in der Loge des Klubbesitzers sitzen dürfe. Er wollte nicht unter Druck geraten, eine solche Bitte öffentlich abzulehnen. Auf das sportliche Geschehen hatte Trumps Auftritt übrigens keinen spürbaren Einfluss. Die Nationals, die bei den ersten beiden Spielen in Houston eine 2:0-Führung herausgearbeitet hatten, wirken längst nicht mehr wie Meisterschaftsaspiranten. Obendrein verletzte sich ihr Star-Pitcher Max Scherzer und konnte am Sonntag nicht eingesetzt werden. So könnte die sechste Begebung an diesem Dienstag in Texas schon die Entscheidung bringen: den zweiten Titel für die Astros in den vergangenen 24 Monaten.

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